#senfdazu2

FC St.Pauli – SpVgg Greuter Fürth 3:2

Das Wort „Angstgegner“ machte im Vorfeld die Runde und ein Blick in die Statistik verhieß nix Gutes: Ganze 17 Jahre war der letzte Heimsieg gegen Fürth her. Das ist insofern verwunderlich, da St. Pauli gegen spielstarke Truppen, wie es die Fürther sind, eigentlich immer ganz gut gegenhalten konnte. Dementsprechend entwickelte sich gestern ein spektakuläres Spiel, welches mit jeder Minute an Intensität zunahm und zum Abpfiff gänzlich durchgeschwitzte Nice Guys hinterließ.

Bevor es um mögliche drei Punkte ging, wurde erstmal das persönliche Karma-Konto aufgefüllt. Flyer verteilen mit nem kleinen Kater… Schön, dass so viele Fanclubs mit unterschrieben haben. Anders erwartet habe ich das nicht, aber nett dass „..und ich weiß, warum ich hier stehe.“ immer wieder bestätigt wird. Die Aktionen in der Pause waren extrem eindrucksvoll. Hoffentlich wird es am 12.09. ähnlich laut und bunt.

Zum Spiel:
Beide Teams starteten offiziell mit einem 4-2-3-1, wobei Zulj bei Fürth anstatt einer typischen 10 eher als hängende 9 agierte. Zusammen mit Freis, der sich offensiv komplett frei(s) bewegte, und Berisha roch das eher nach 4-3-3. Diese drei sorgten über das gesamte Spiel für reichlich Trubel in unserer Hintermannschaft. Klar, dass die Konstellation Deiche/Ziereis aufgrund der kurzfristigen Umstellung nicht sattelfest sitzen konnte. Das wollten die Fürther mit offensiver Startphase sofort nutzen. Wir also erstmal hinten gefordert. Deiche hat man den Sprung ins kalte Wasser zu Beginn auch durchaus angemerkt. Bis auf das Ding von Ziereis wurde es aber nicht wirklich brenzlig. Vorne wieder klar Ewalds Handschrift zu erkennen: Thy, ähnlich wie Berisha auf der Gegenseite eigentlich hauptsächlich mit dem Rücken zum Tor mit dem festmachen von Bällen beschäftigt. Den darf man in diesem System nicht an Toren messen! Die offensive Dreierreihe (Waldi, Maier, Buballa/Halstenberg) mit klarem Auftrag zur Überladung der Außenbahnen. Teilweise agierten alle drei auf der gleichen Seite, sodass Ratsche in die freien Räume in der Mitte eindringen konnte. Das Duo Halstenberg/Buballa sorgte für ordentlich Verwirrung durch wechselnde Positionen. Das 1:0 dann ein schöner Konter über Maier und Buballa (mit eingerückten Ratsche und Überladung auf links – Ewald wird’s besonders gefeiert haben). Das 2:0 dann wiederum mit Halstenberg statt Buballa links vorne. Kaum vorstellbar, dass er eigentlich Linksfuß ist. Ein geiles Tor! Fürth zeigte sich von alldem nahezu unbeeindruckt und spielte weiter seinen Stiefel runter. Hierbei agierten sie vornehmlich über unsere rechte Seite, da Waldi zwar verbessert, aber leider immer noch defensive Defizite aufweist. Beim 2:1 dann alle ein wenig schläfrig und abwartend die Flanke aus dem Halbfeld zugelassen und Freis im Rücken von Ziereis auf und davon. Auch wieder über rechts dann eine weitere dicke Chance der Fürther. Ehrlichgesagt kommen wir mit einer glücklichen Führung in die Halbzeit. Kurz nach der Halbzeit unsere beste Phase mit leichter Umstellung: Maier nun ausschließlich ausweichend auf den Außen um den nun offensiveren Alushi Raum in der Mitte zu geben. Der zeigte dann echte Führungsqualitäten und diese Phase hätte durchaus mit einem weiteren Tor belohnt werden dürfen. Stattdessen kam Fürth über Standards zurück ins Spiel. Hierbei machte sich das Fehlen von „Air Sobiech“ in unserer Hintermannschaft bemerkbar. Die Situation um das 3:1 erinnerte mich in umgekehrter Weise an das 2:2 gegen Fürth aus 09/10: Naki schließt einen Bilderbuch-Konter zum vermeintlichen 3:1 ab, alle feiern und „Song 2“ dröhnt aus den Boxen, während Fürth das 2:2 macht. Selten liegen die Gefühlslagen „Ausgleich kassiert“ und „Vorentscheidung“ so nah beieinander. Schnell geschaltet von Ratsche, Waldi und Himmelmann. Die Ballmitnahme von Waldi nach Himmelmanns Abschlag habe ich in 20 Jahren noch nicht am Millerntor gesehen. Geil! Das Adrenalin schwirrt durch die Luft, die Gegengerade wankt wie besoffen hin und her. Das 3:2 dann über Zulj, der durch das Einlaufen aus dem Mittelfeld den Raum zwischen 6ern und Innenverteidigung optimal ausnutzt. Ein Angriff aus dem Kombinations-Lehrbuch. In der Folge dann ein echter Krimi, taktische Maßgaben komplett übern Haufen geworfen, die Beine wurden müde. Mit echtem ROAR auf allen Tribünen im Rücken das Ding über die Zeit gerettet. Durchatmen, Schweiß abwischen und Beine hochlegen!

Der Saisonstart ist somit endgültig geglückt. Die Brust der Jungs ist ziemlich breit und auch die Gegentore haben uns dieses Mal nicht aus dem Rhythmus gebracht (es wurden also erfolgreich Lehren aus dem Gladbach-Spiel gezogen). Rzatkowski blüht in der neuen Rolle wirklich auf, seine Defensivzweikämpfe sind mindestens so wertvoll wie seine Tore. Nächste Woche erwartet uns dann in Leipzig ein weiterer spielstarker Gegner. Chancenlos sind wir da keineswegs, wenngleich Leipzigs individuelle Klasse aufgrund der schier platzenden Finanzkraft um einiges höher zu bewerten ist. Buchtmann könnte nun für Maier wieder ins Team rücken. Sobiechs Rückkehr ins Abwehrzentrum ist zwingend notwendig. Die Situation von Sonntag mit Deiche auf ungewohnter Position zeigt, dass noch weitere Spieler benötigt werden. Drobo-Ampem wäre jedenfalls auf allen Abwehrpositionen einsetzbar und somit ein von Ewald gewünschter „polyvalenter“ Spieler. Bleibt zu hoffen, dass nicht doch noch weiteren Erstligisten auffällt was für ein überragender Linksverteidiger bei uns spielt…

Nice Guys Sankt Pauli //timbo

Ausgleichende Gerechtigkeit gibt es auch bei:
Übersteiger: 3.Spieltag (H) – SpVgg Greuther Fürth
St. Pauli Nu*de: Ausgleichende Abseitsregel

Wunderbare Bilder (inkl. Bilder vom 3:1):
Stefan Groenveld: Millernroar
Sabine Scheller: Eindrücke von der Südtribüne V

Auch an den Tasten:
South End Scum: Matchday 03: FC Sankt Pauli – SpVgg Greuther Fürth 3-2
Grenzenlos Sankt Pauli: Vier Schritte weiter
BeebleBlox: Schwül mit kalten Duschen