Archiv für September 2015

#senfdazu8

SC Paderborn – FC St. Pauli 0-0

Tjoa… Das hätte auch anders laufen können. Den Nice Guys standen schon die Schweißperlen auf der Stirn, als Saglik eingewechselt wurde. Und dann hat er tatsächlich die Chance (eigentlich die einzige für den SCP). Macht er den, dann hätten sich gleichzeitig mehrere Gelegenheiten ergeben, durchaus bekannte Phrasen zu dreschen. U. a. „Wir sind mal wieder der perfekte Aufbaugegner!“, „…ausgerechnet Saglik…“. Hat er aber nicht. Also kann ich schon vorausnehmen, dass diese Geschichte ein nettes Ende hat.

Aber ich fang mal lieber von vorne an: Kurz vor 5 geht der Wecker. Zu einem Stimmungshoch bin ich zu dieser Zeit sowieso kaum in der Lage, doch meine Fassung wurde auf dem Weg zum Bahnhof Reeperbahn und dann auch noch in der Bahn extrem strapaziert. Schon immer ganz schön hart, sich nüchtern durch die Kiezgänger zu wühlen. In Altona dann beim Blick in die Gesichter Einiger festgestellt, dass hier eindeutig durchgemacht wurde. War bei mir auch in der Überlegung, war ich aber dieses Wochenende zu spießig für. Zug ist ne Viertelstunde zu spät, aber alles entspannt. Nach nem kleinen Frühstück und dem ersten Kaffee, gab es dann das erste Bier.

*kleiner Ausflug (Zug-Kritik): Für manche Mitfahrer fand ich es extrem bitter, dass es nicht genug Sitzplätze gab. In einem „richtigen“ Sonderzug mit Partywaggon ginge das meiner Meinung nach eher, da dort sowieso die meisten stehen. Der Metronom ist dann doch ein Zug mit vielen Sitzen und wenig Platz. Wir haben schon beim Einstieg abgeschätzt, dass die Toilettensituation recht angespannt ist. Das dann unterwegs auf offener Strecke zweimal gehalten werden muss, ist schon heftig. Da frage ich mich, wie sich die lieben Menschen von Metronom das alles gedacht haben. Ein Zug wird pickepackevoll gemacht mit trinkfreudigen Fussballfans, das Alkoholverbot aufgehoben und notwendige Zwischenstopps werden gar nicht eingeplant?? Bei uns müssen natürlich auch manche mit Bemerken der Toilettensituation ihren Trinkrhythmus anpassen. Der Preis für die Fahrt ist unschlagbar. Ich finde es gut, dass der Fanladen wieder versucht mehr Zugfahrten anzubieten. Ich glaube nicht, das unser Block gestern so voll mit Hamburgern gewesen wäre, wenn wir alle mit dem Bus hätten fahren müssen. Ob wir nochmal mit dem Metronom fahren? Keine Ahnung. Der Zug sah am Ende schon durchgerockt aus, aber Sachschäden habe ich nicht gesehen. Mal schauen, was Metronom dazu sagt. Ich persönlich liebe Sonderzüge und würde auch mehr Kohle zahlen, um mit einem „richtigen“ Sonderzug zu fahren.

In Paderborn am Bahnhof wurden wir dann direkt in Busse verfrachtet. Lief alles ganz entspannt und doch ist es schade, dass man wie immer von der „Stadt“ nichts zu sehen bekommt. Ich hätte zumindest gerne selber mal geschaut, ob es sich in Paderborn gelohnt hätte. Wenn ich an die deutschen Städte denke, von denen man bisher nur Polizei-Stadion-Polizei gesehen hat… Schade eigentlich.

Vorm Stadion noch ein schnelles Bier in der Sonne mit alten Bekannten und dann rein in dieses wirklich nicht schöne Ding. Stimmung im Block ist gigantisch. Durchgehend wird gesungen und mitgemacht. So geht Auswärtssupport. Viele Leute haben sich ebenfalls ein modisch schickes Halstuch von USP geholt. Coole Idee! Gerne gekauft. Das Spiel ist in der 1. Halbzeit auch ganz klar unseres. Nach 10 Minuten kann es 2-0 stehen. Der Abschluss bleibt unsere Baustelle. Bei Paderborn läuft gar nichts zusammen. Da merkt man, dass die momentan etwas in der Krise stecken. Müssen wir ausnutzen. Zwar kann man bei St. Pauli auswärts immer über jeden Punkt glücklich sein, aber gestern war ein Sieg Pflicht. Trotz der Chance(n) für Paderborn. Bei mir dann gegen Ende des Spiels ein typisches Dilemma für einen abergläubischen Fussballfan: „Rauche ich jetzt oder nicht? Haben wir jemals getroffen, während ich rauchte? Oder helfe ich damit dem Gegner? Gottohgott.. Mache ich die jetzt aus?? Ich muss sowas doch mal aufschreiben! Amateur!! Scheiße, wenn das jetzt nichts wird, dann bin nur ich Schuld.“ Es wurde leider nichts. Den Schuss von Lasse am Ende habe ich schon drin gesehen und mein Knie bei dem armen Menschen vor mir im Rücken versenkt. Defensiv sind wir momentan die beste Mannschaft der Liga. Und das trotz Fehlen von Gonther und Nehrig. Böse Stimmen behaupten, dass es genau deswegen so gut läuft. Was Buballa momentan spielt, ist gigantisch. Chancen haben wir auch genug. Die Tore fehlen halt. Samstag gegen die starke Offensive von Sandhausen muss man davon ausgehen, dass wir auch mal einen fangen. Dann könnte es schwer werden. Ich glaube trotzdem dran.

Auf dem Rückweg ist die Toilettensituation dann viel entspannter (ich hatte Schlimmstes erwartet) und es gibt Pfeffi mit der Alten Schule. Der Gang durch den Raucherwagen zeigt mir, dass wir schon eine Weile unterwegs sind und vielen das Vollbier in Paderborn (ja, gab es tatsächlich) den Rest gegeben hat. Ansonsten verlief die Rückfahrt ruhig und sehr entspannt. Noch ein paar Bier getrunken und am Ende brav aufgeräumt. (@Alte Schule: Habe einen Schal von der Stadioneinweihung gefunden. Einfach hier kommentieren – ich tausche gegen Pfeffi! harharhar..)

Vom Bahnhof Altona gings dann zu Fuß Richtung St. Pauli. Noch ein schnelles Bier im Jolly und dann sollte es nach Hause gehen. Wurden doch ein paar schnellere Bier, bin aber pünktlich zum Bericht über das Spiel im Sportstudio zuhause gewesen. Dann auch direkt auf dem Sofa eingepennt. Perfekt.

Nice Guys Sankt Pauli// flippa

weitere spannende Geschichten erzählen:
SouthEndScum: Still Looking Good!!
Grenzenlos Sankt Pauli: Viel Druck, wenig Möglichkeiten
Magischer FC: Wer Wodka Ahoi nicht mag, hat den Alkohol nie geliebt.

#senfdazu7

FC St.Pauli – 1.FC Heidenheim 1:0

Um gleich zu Beginn dieses ‚MöchtegerntiefindieKöpfederTrainerschauen‘-Berichts etwas Hartgeld ins Phrasenschwein zu werfen, drehe ich einen altbekannten Spruch mal ein bisschen um: „Lieber fünfmal 1:0 als einmal 5:0“ – speziell wenn man sich in einer englischen Woche befindet. Natürlich war das nicht wirklich ansehnlich gestern, aber solche Spiele dann zu gewinnen ist, verdammte Kacke, Gold wert!

Wir mit bereits bekanntem 4-2-3-1 mit Verhoek und Buchtmann für Thy und Dudziak. Heidenheim mit Schlüsselspieler Schnatterer auf links, obwohl er diese Saison durchaus bereits auf rechts zu gefallen wusste. Dies spielte unserer Grundordnung mit defensiverem Hornschuh als Gegenüber Buballa ziemlich gut in die Karten. Defensiv mit Verhoek und Maier in erster Reihe und abwartend erst ab der Mittellinie draufgehend. Diese Aufstellung sorgte gepaart mit vollem Einsatz für ein nahezu undurchdringliches Bollwerk. Heidenheim spielte im Gegensatz dazu zu Beginn Vollpressing, es war geradezu eine Treibjagd. Hierfür rückte Schnatterer in vorderste Reihe auf, sodass defensiv mit einem 4-3-3 von Heidenheim agiert wurde. Offensiv gab es bei uns im Vergleich zum Duisburg-Spiel leichte Veränderungen: Es wurde versucht auf ein 4-1-4-1 umzuschalten, mit Maier als 8 und Rzatkowski als 10 und sogar teilweise als zweiter Stürmer. Alushi wie bekannt als abkippende 6 zwischen beiden Innenverteidigern. Zu einem Offensivspiel kam es jedoch nur teilweise in den ersten 15 Minuten, weil wir meist nicht sauber über die erste Reihe der Heidenheimer rüberspielten. Die vielen Ballverluste führten dann dazu, dass Heidenheim mehr vom Spiel hatte, damit jedoch nicht wirklich viel anzufangen wusste.
Nach 25 Minuten dann durch Alushis Verletzung (Gute Besserung auf diesem Wege!) zwangsweise die Umstellung mit Buchtmann auf die 6. Ewald nutzte die Situation um Rzatkowski auch gleich wesentlich defensiver spielen zu lassen. Wechsel und Umstellung leiteten unsere beste Phase des Spiels ein. Maier nutzte, wie schon in Braunschweig, die Halbräume mit sehr viel Umsicht, versuchte immer wieder die offensiven Außen einzusetzen. Sein Tor kann ganz klar unter „Lohn für harte Arbeit“ verbucht werden. Direkt nach dem Tor wirkte Heidenheim unsicher, doch wir wurden nicht zwingend genug um noch einen nachzulegen.


Unsere ‚Enten-Gang‘

Nach der Pause dann weitere Umstellungen bei uns mit Rzatkowski als 8. Der Kerl ist defensiv Klette und Wiesel gleichermaßen, gewinnt dadurch enorm wichtige Zweikämpfe. Verhoek leider weiter komplett ohne echte Beteiligung am Offensivspiel, allerdings beschäftigte er immer wieder zwei Verteidiger und war auch am geradezu erarbeitetem Platzverweis nicht ganz unbeteiligt. War das Spiel in Halbzeit 1 schon nicht schön anzusehen, wirkte es nun gänzlich zerfahren. Beide Teams um Spielkontrolle bemüht, erlaubten sich aber zu viele Ballverluste um welche zu erlangen. Heidenheim versuchte Spielsituationen über Diagonalpässe zu lösen, wir standen tief und warteten auf Konter. Mit dem Platzverweis, den man mit vier gelben Karten nach 35 Minuten für Heidenheim fast schon erwarten konnte, dann kurzzeitig früheres Anlaufen durch Verhoek, Dudziak und Sobota, während es Heidenheim über hohe Bälle versuchte. Grundsätzlich wirken hohe Bälle einfallslos. Inzwischen wurde aber auch hierzu ein System entwickelt: Es geht nicht mehr vorrangig darum den langen Ball zum eigenen Mitspieler zu bekommen, stattdessen wird bei Ballverlust sofort gepresst. Die Umorientierung von defensiv auf offensiv der Mannschaft, die den Ball gewonnen hat, stiftet auch etwas Unordnung. Sollte nun beim Pressen der Ball gewonnen werden, ergibt sich dadurch meist eine Überzahlsituation im letzten Drittel und folglich ein möglicher Torabschluss. Ein System was auch bei uns mit schnellen Außenspielern wie Dudziak und Sobota (und irgendwann Miyaichi) denkbar wäre. Dadurch, dass wir unsere Überzahl überhaupt nicht zu nutzen wussten und unsere Konter schwach bis gar nicht ausspielten, wurde es am Ende natürlich nochmal spannend. Die Abwehr, inzwischen zu Recht die beste der Liga, ließ jedoch wenig bis gar nix zu.

Unsere defensive Stabilität ist bemerkenswert, letzte Saison waren wir noch eine der Schießbuden der Liga. Offensiv braucht es in solchen Spielen jedoch eine gnadenlose Effektivität gegen gut organisierte Defensivreihen, da unser Spielfluss augenscheinlich ganz gut unterbunden werden kann. Gegen offensivere Mannschaften, wie zum Beispiel auswärts in Braunschweig, fällt uns das wesentlich leichter, deshalb bin ich mir sicher, dass wir in Paderborn mal was Zählbares mitnehmen können. Gefühlt haben wir da noch nie was geholt.
Nach 8 Spielen kann man die Tabelle auch nicht mehr unter den Tisch fallen lassen. Wir werden da oben zumindest ein Wörtchen mitreden. Dass unser jetziges voll auf defensive Grundordnung ausgelegtes Spielsystem in dieser Liga enorm erfolgreich sein kann, hat Darmstadt letzte Saison gezeigt, die haben sogar noch weit destruktiver gespielt. Wichtig ist auch, dass wir alle akzeptieren, dass wir momentan selten Offensivspektakel am Millerntor erwarten können. Wir können uns entscheiden zwischen dem 1:0 von gestern mit biederem Defensivfußball oder dem 0:3 aus letzter Saison gegen Heidenheim, als wir mit wehenden Fahnen untergegangen sind.

Nice Guys Sankt Pauli// timbo

Nicht ohne Stolz verweisen wir auf den Bilder-Blog von Stefan Groenveld, da es dieses Mal ein Bild unserer Nice Guys-Fahne hineingeschafft hat: Das Pferd…

Weitere wunde Finger aufgrund der englischen Woche bei:
Grenzenlos Sankt Pauli: Ruhezone Aufstiegsränge
Magischer FC: Zeig mir den Weg nach oben
SouthEndScum: As easy as the score says
Übersteiger-Blog: 8.Spieltag (H) – 1.FC Heidenheim

#senfdazu6

Eintracht Braunschweig – FC St. Pauli 0-0

Die kürzeste Auswärtsfahrt der Saison. Nehmen wir doch gerne mit. Selbst, dass in unserer Reisegruppe ein Neuling und einer, der auswärts noch nie gepunktet hat, mitfahren, entmutigt mich nicht. Unsere Jungs sind auswärts diese Saison einfach zu stark um pessimistisch in den Bus zu steigen.

Beim Bäcker vor der Abfahrt treffe ich dann noch drei Kumpels die sich offensichtlich die gesamte Nacht lang schwer einen geballert haben und auf dem Weg ins Bett sind. Freundlich und unauffällig machten Sie mich quer über die Straße auf sich aufmerksam („Öy, Du Quarktasche!“). Waren ganz gut drauf. Von unserem Treffen wissen Sie zwar bestimmt nichts mehr, aber ich hab mich trotzdem gefreut.

Mit Kaffee, Bier und Stullen bewaffnet geht’s dann pünktlich los.

In Braunschweig angekommen kurz ein paar bekannte Gesichter begrüßt, von denen man gar nicht wusste, dass sie auch dabei sind und dann ab ins Stadion, Banner angebracht und tatsächlich das alkoholfreie Bier getrunken. Das Zeug runter zu kriegen war auf jeden Fall die Herausforderung des Tages.

Ich freue mich auswärts immer über den maximalen Support in der Kurve. Auch wenn es letzte Saison in Braunschweig noch lauter war (war für uns ja ein „alles-oder-nix-spiel“), ich bekomme jedes mal am Anfang eine Gänsehaut.

Zum Spiel: Es wird wohl niemand darüber diskutieren wollen, dass wir in der 1. Halbzeit klar die bessere Mannschaft sind. Von den beiden Dingern von Sobota und Ratsche geht an einem normalen Tag einer rein. Mit einer Führung können wir uns in der 2. Halbzeit auf unsere (trotz Ausfällen) wunderbar laufende Defensive verlassen und Braunschweig auskontern. Sollte nicht sein. In meinen Augen sind wir aber nicht nur in der 1. Halbzeit die klar bessere Mannschaft. Ein Ballbesitz von 63% (auswärts!) spricht Bände. Besonders in der ersten Hälfte lief der Ball unfassbar gut. Die Truppe von Torsten Lieberknecht war im Vergleich zu den letzten Spielen nicht so richtig da. Ich hatte das Gefühl, dass in der letzten Woche zu viel darüber gesprochen wurde, dass die Braunschweiger die Mannschaft der Stunde sind. Die dachten wohl ein bisschen, dass es dann von selbst läuft. Deswegen hat Ewald den Braunschweigern in Interviews unter der Woche ganz gewieft nach alter Schule die Favoritenrolle aufgezwungen. Das am Ende Himmelmann den Punkt festhält ist auch gut so. Schon oft genug haben wir solch bittere Dinger kassiert. Puh, das Herz setzte trotzdem kurz aus. Nun denn. Am Montag wäre ein 0-0 gerecht gewesen, gestern ein 2-0. So ist es dann doch irgendwie ok.

Insgesamt ein gutes Spiel von uns. Defensiv sind wir erstaunlich stabil nach dieser wirklich wackligen letzten Saison und trotz der Ausfälle. Vorne ist und bleibt die Baustelle diese Saison. Daran änderten gestern (leider) auch die Wechsel von Verhoek, Picault und Choi nichts. Trotzdem ist das alles jammern auf hohem Niveau.

Die Rückfahrt verlief dann ereignislos. Noch einen schnellen Absacker im Jolly und dann ging es ab nach Hause. Meine Aussage, dass wir momentan 6 Spiele in 3 Tagen haben, war der Hinweis dafür, dass es auch Zeit wurde. Das ist zwar nicht ganz richtig, aber Mittwoch kommt schon Heidenheim und Samstag geht die Reise weiter nach Ostwestfalen. Wenn die Jungs weiterhin so spielen, dann bin ich sehr entspannt und frohen Mutes. Forza!

Nice Guys Sankt Pauli// flippa

#uspnotwelcome: Liebe Teile der Braunschweiger Fans, das Niveau dieser Kreativität ist kaum noch zu unterschreiten. Dass ihr das besser könnt, habt ihr mit der Choreo vorm Anpfiff gezeigt. Schön wiederum, dass auch die Eintracht auf das BILD-Logo verzichtet hat.

Ebenfalls an den Tasten:

SouthEndScum: Sankt Pauli is for real. Come get some!
Übersteiger-Blog: 7.Spieltag (A) – Eintracht Braunschweig inkl. #BILDnotwelcome
KleinerTod: Positiv: die Null steht beim #FCSP in Braunschweig. Negativ: viele Refugees stehen vor dem Nichts.
Grenzenlos Sankt Pauli: Weniger ist manchmal besser

Tellerrand:

btsvblog: Nachspiel: Heimspiel gegen den FC St. Pauli

#senfdazu5

FC St.Pauli – MSV Duisburg 2:0

Zuallererst: Der Elfmeter ist wahrlich fragwürdig gewesen. Hatte man sich am Samstag noch ausgiebig über den ‚Bayern-Bonus‘ ausgelassen, so wurden wir nun selbst beschenkt. Fühlt sich irgendwie nicht wirklich dolle an. In der letzten Saison hätte ich jeden noch so unberechtigten Elfmeter in der Nachspielzeit mit Kusshand genommen. Dieses Mal aber hätte ich mit einem 0:0 sehr gut auskommen können, weil es schlichtweg das ideale Ergebnis für das allseits bekannte 2.Liga-Gebolze ist. Genau das haben wir nämlich gestern erlebt. „Ein Spiel für Taktikliebhaber“ wie manch einer sagen würde. Also ein wahrer Traum für einen Feierabend-Taktiker wie mich. Hier also meine unqualifizierten Erkenntnisse, Lehren und Ratschläge aus dem gestrigen Spiel:
St.Pauli im bekannten 4-2-3-1 mit Hornschuh und Dudziak als Neulinge gleich in der Startelf. Duisburg im gleichen System. Wenn diese Aufstellung von der einen Mannschaft offensiver und von der anderen defensiv umgesetzt wird, dann kommt es sehr gerne dazu, dass sich beide Teams neutralisieren. Das ein Spiel durch Langeweile zu glänzen versucht, merkt man auf der Gegengerade an Unterhaltungen jenseits des Spielgeschehens („Sachma hassdu geßdärn Tadord gsäähn?“). Jedenfalls versuchte St.Pauli gleich zu Beginn das Spiel zu machen. Die Duisburger haben aber ihre Hausaufgaben gemacht und das Fürth-Spiel im Video analysiert oder #senfdazu2 gelesen: Durch frühes Anlaufen unserer Innenverteidiger wurde unser Spielaufbau erheblich gestört. Aufgrund der gut organisierten Defensive der Duisburger kam St.Pauli eher selten zu Strafraumaktionen. Duisburg konnte aus weit weniger Ballbesitz deutlich mehr Torgefahr in der ersten Halbzeit erzeugen, welches vor allem am inzwischen überall mehr oder weniger gut praktiziertem schnellen Umschaltspiel lag. Ewald reagierte nach einer halben Stunde mit dem Positionswechsel von Dudziak und Sobota auf die offensive Ausrichtung von Wolze als Linksverteidiger. Damit wurden auch die offensiven Aktionen von St.Pauli zielstrebiger. Insgesamt fehlte jedoch irgendwie der letzte Biss. Auf der linken Seite wurde das kongeniale Wechselspiel von Halstenberg und Buballa vermisst, die beiden Neuen im Team wirkten noch etwas unsicher im System. Hornschuh trat offensiv ehrlichgesagt das gesamte Spiel nicht in Erscheinung, vermutlich sollte sein Fokus ohnehin in der Defensivarbeit liegen. Alushi versuchte zwar als fallende Sechs immer wieder das Spiel zu machen, ihm fehlten jedoch die Verbindungsspieler, da Ratsche und vor allem Thy sehr gut zugestellt wurden und Buchtmann irgendwie überhaupt keinen Zugriff auf das Spiel bekam.

Ein zähes Ringen dann auch in der zweiten Halbzeit. St.Pauli zwar weiterhin das aktivere Team, schaffte es aber nicht den Ball in die Gefahrenzone zu bringen, da weiterhin die Mittelachse dichtgestellt wurde. Dann dieser wirklich seltsame Pfiff. Wenn selbst die Spieler der bevorteilten Mannschaft kurz nach dem Pfiff nicht wissen was dieser zu bedeuten hat, dann kann man sich sicher sein, dass die Entscheidung zumindest fragwürdig ist. Natürlich die spielentscheidende Szene. Als dann kurze Zeit später Wiegel verletzt runter muss (vermutlich Kreuzbandriss – gerade erst wieder von einem genesen. Ganz, ganz bitter) und Duisburg nur noch mit zehn Mann weiterspielte, ist die Partie entschieden. Schönes Ding dann von Maier zum Abschluss.

Was bleibt ist die Erkenntnis, dass in dieser Saison solche Spiele wieder gewonnen werden. Wir befinden uns somit auf der Sonnenseite. Das kommt natürlich nicht von ungefähr, denn Ewald hat der Truppe neben der defensiven Stabilität merklich Spielwitz und eine klare taktische Marschroute eingeimpft. Hier muss nun weiterentwickelt werden. Gerade die letzten beiden Spiele haben gezeigt, dass die gegnerischen Mannschaften dem Konzept von Ewald etwas entgegensetzen können. Konnte man letztes Jahr als Gastteam am Millerntor einfach abwarten bis sich Räume ergeben, werden die Abwehrspieler diese Saison aktiv angelaufen um das erstarkte Offensivspiel von St.Pauli im Keim zu ersticken. Daher muss vor allem am Spielaufbau gearbeitet werden. Zum Beispiel könnte auch der als Todsünde verurteilte lange Ball als Stilmittel zum Spielaufbau genutzt werden. Da sich in den vorderen Reihen keine Riesen befinden muss hierbei über die Abwehr des Gegners gespielt und mit der Geschwindigkeit der eigenen Leute gearbeitet werden. Anstatt durchgängig von der Mittelachse die offensiven Außen zu bedienen, kann auch der Diagonalpass Erfolg bringen und sollte häufiger genutzt werden (wie Alushi es gestern in Halbzeit 2 versuchte).

Letzte Saison sind solche Spiele verloren gegangen. Nun aber bereits 10 Punkte auf den Relegationsrang und momentan auf selbigem, aber nach oben. 13 Punkte hatte man letzte Saison nach der gesamten Hinrunde gesammelt und allein die Tatsache, dass nach einem Sieg die eigene Spielweise als ausbaufähig beschrieben werden kann, zeigt, dass wir diese Saison in deutlich ruhigeren Fahrwässern verbringen werden.

Nice Guys Sankt Pauli //timbo

Auch schon geschrieben:
Übersteiger-Blog: 6. Spieltag (H) – MSV Duisburg
Grenzenlos Sankt Pauli: Das Glück der Tüchtigen
SouthEndScum: Job Done!
Magischer FC: Karma & Co.

Wie immer die schönsten Bilder hat:
Stefan Groenveld: Vom Gegner gelernt…