#senfdazu5

FC St.Pauli – MSV Duisburg 2:0

Zuallererst: Der Elfmeter ist wahrlich fragwürdig gewesen. Hatte man sich am Samstag noch ausgiebig über den ‚Bayern-Bonus‘ ausgelassen, so wurden wir nun selbst beschenkt. Fühlt sich irgendwie nicht wirklich dolle an. In der letzten Saison hätte ich jeden noch so unberechtigten Elfmeter in der Nachspielzeit mit Kusshand genommen. Dieses Mal aber hätte ich mit einem 0:0 sehr gut auskommen können, weil es schlichtweg das ideale Ergebnis für das allseits bekannte 2.Liga-Gebolze ist. Genau das haben wir nämlich gestern erlebt. „Ein Spiel für Taktikliebhaber“ wie manch einer sagen würde. Also ein wahrer Traum für einen Feierabend-Taktiker wie mich. Hier also meine unqualifizierten Erkenntnisse, Lehren und Ratschläge aus dem gestrigen Spiel:
St.Pauli im bekannten 4-2-3-1 mit Hornschuh und Dudziak als Neulinge gleich in der Startelf. Duisburg im gleichen System. Wenn diese Aufstellung von der einen Mannschaft offensiver und von der anderen defensiv umgesetzt wird, dann kommt es sehr gerne dazu, dass sich beide Teams neutralisieren. Das ein Spiel durch Langeweile zu glänzen versucht, merkt man auf der Gegengerade an Unterhaltungen jenseits des Spielgeschehens („Sachma hassdu geßdärn Tadord gsäähn?“). Jedenfalls versuchte St.Pauli gleich zu Beginn das Spiel zu machen. Die Duisburger haben aber ihre Hausaufgaben gemacht und das Fürth-Spiel im Video analysiert oder #senfdazu2 gelesen: Durch frühes Anlaufen unserer Innenverteidiger wurde unser Spielaufbau erheblich gestört. Aufgrund der gut organisierten Defensive der Duisburger kam St.Pauli eher selten zu Strafraumaktionen. Duisburg konnte aus weit weniger Ballbesitz deutlich mehr Torgefahr in der ersten Halbzeit erzeugen, welches vor allem am inzwischen überall mehr oder weniger gut praktiziertem schnellen Umschaltspiel lag. Ewald reagierte nach einer halben Stunde mit dem Positionswechsel von Dudziak und Sobota auf die offensive Ausrichtung von Wolze als Linksverteidiger. Damit wurden auch die offensiven Aktionen von St.Pauli zielstrebiger. Insgesamt fehlte jedoch irgendwie der letzte Biss. Auf der linken Seite wurde das kongeniale Wechselspiel von Halstenberg und Buballa vermisst, die beiden Neuen im Team wirkten noch etwas unsicher im System. Hornschuh trat offensiv ehrlichgesagt das gesamte Spiel nicht in Erscheinung, vermutlich sollte sein Fokus ohnehin in der Defensivarbeit liegen. Alushi versuchte zwar als fallende Sechs immer wieder das Spiel zu machen, ihm fehlten jedoch die Verbindungsspieler, da Ratsche und vor allem Thy sehr gut zugestellt wurden und Buchtmann irgendwie überhaupt keinen Zugriff auf das Spiel bekam.

Ein zähes Ringen dann auch in der zweiten Halbzeit. St.Pauli zwar weiterhin das aktivere Team, schaffte es aber nicht den Ball in die Gefahrenzone zu bringen, da weiterhin die Mittelachse dichtgestellt wurde. Dann dieser wirklich seltsame Pfiff. Wenn selbst die Spieler der bevorteilten Mannschaft kurz nach dem Pfiff nicht wissen was dieser zu bedeuten hat, dann kann man sich sicher sein, dass die Entscheidung zumindest fragwürdig ist. Natürlich die spielentscheidende Szene. Als dann kurze Zeit später Wiegel verletzt runter muss (vermutlich Kreuzbandriss – gerade erst wieder von einem genesen. Ganz, ganz bitter) und Duisburg nur noch mit zehn Mann weiterspielte, ist die Partie entschieden. Schönes Ding dann von Maier zum Abschluss.

Was bleibt ist die Erkenntnis, dass in dieser Saison solche Spiele wieder gewonnen werden. Wir befinden uns somit auf der Sonnenseite. Das kommt natürlich nicht von ungefähr, denn Ewald hat der Truppe neben der defensiven Stabilität merklich Spielwitz und eine klare taktische Marschroute eingeimpft. Hier muss nun weiterentwickelt werden. Gerade die letzten beiden Spiele haben gezeigt, dass die gegnerischen Mannschaften dem Konzept von Ewald etwas entgegensetzen können. Konnte man letztes Jahr als Gastteam am Millerntor einfach abwarten bis sich Räume ergeben, werden die Abwehrspieler diese Saison aktiv angelaufen um das erstarkte Offensivspiel von St.Pauli im Keim zu ersticken. Daher muss vor allem am Spielaufbau gearbeitet werden. Zum Beispiel könnte auch der als Todsünde verurteilte lange Ball als Stilmittel zum Spielaufbau genutzt werden. Da sich in den vorderen Reihen keine Riesen befinden muss hierbei über die Abwehr des Gegners gespielt und mit der Geschwindigkeit der eigenen Leute gearbeitet werden. Anstatt durchgängig von der Mittelachse die offensiven Außen zu bedienen, kann auch der Diagonalpass Erfolg bringen und sollte häufiger genutzt werden (wie Alushi es gestern in Halbzeit 2 versuchte).

Letzte Saison sind solche Spiele verloren gegangen. Nun aber bereits 10 Punkte auf den Relegationsrang und momentan auf selbigem, aber nach oben. 13 Punkte hatte man letzte Saison nach der gesamten Hinrunde gesammelt und allein die Tatsache, dass nach einem Sieg die eigene Spielweise als ausbaufähig beschrieben werden kann, zeigt, dass wir diese Saison in deutlich ruhigeren Fahrwässern verbringen werden.

Nice Guys Sankt Pauli //timbo

Auch schon geschrieben:
Übersteiger-Blog: 6. Spieltag (H) – MSV Duisburg
Grenzenlos Sankt Pauli: Das Glück der Tüchtigen
SouthEndScum: Job Done!
Magischer FC: Karma & Co.

Wie immer die schönsten Bilder hat:
Stefan Groenveld: Vom Gegner gelernt…