#senfdazu7

FC St.Pauli – 1.FC Heidenheim 1:0

Um gleich zu Beginn dieses ‚MöchtegerntiefindieKöpfederTrainerschauen‘-Berichts etwas Hartgeld ins Phrasenschwein zu werfen, drehe ich einen altbekannten Spruch mal ein bisschen um: „Lieber fünfmal 1:0 als einmal 5:0“ – speziell wenn man sich in einer englischen Woche befindet. Natürlich war das nicht wirklich ansehnlich gestern, aber solche Spiele dann zu gewinnen ist, verdammte Kacke, Gold wert!

Wir mit bereits bekanntem 4-2-3-1 mit Verhoek und Buchtmann für Thy und Dudziak. Heidenheim mit Schlüsselspieler Schnatterer auf links, obwohl er diese Saison durchaus bereits auf rechts zu gefallen wusste. Dies spielte unserer Grundordnung mit defensiverem Hornschuh als Gegenüber Buballa ziemlich gut in die Karten. Defensiv mit Verhoek und Maier in erster Reihe und abwartend erst ab der Mittellinie draufgehend. Diese Aufstellung sorgte gepaart mit vollem Einsatz für ein nahezu undurchdringliches Bollwerk. Heidenheim spielte im Gegensatz dazu zu Beginn Vollpressing, es war geradezu eine Treibjagd. Hierfür rückte Schnatterer in vorderste Reihe auf, sodass defensiv mit einem 4-3-3 von Heidenheim agiert wurde. Offensiv gab es bei uns im Vergleich zum Duisburg-Spiel leichte Veränderungen: Es wurde versucht auf ein 4-1-4-1 umzuschalten, mit Maier als 8 und Rzatkowski als 10 und sogar teilweise als zweiter Stürmer. Alushi wie bekannt als abkippende 6 zwischen beiden Innenverteidigern. Zu einem Offensivspiel kam es jedoch nur teilweise in den ersten 15 Minuten, weil wir meist nicht sauber über die erste Reihe der Heidenheimer rüberspielten. Die vielen Ballverluste führten dann dazu, dass Heidenheim mehr vom Spiel hatte, damit jedoch nicht wirklich viel anzufangen wusste.
Nach 25 Minuten dann durch Alushis Verletzung (Gute Besserung auf diesem Wege!) zwangsweise die Umstellung mit Buchtmann auf die 6. Ewald nutzte die Situation um Rzatkowski auch gleich wesentlich defensiver spielen zu lassen. Wechsel und Umstellung leiteten unsere beste Phase des Spiels ein. Maier nutzte, wie schon in Braunschweig, die Halbräume mit sehr viel Umsicht, versuchte immer wieder die offensiven Außen einzusetzen. Sein Tor kann ganz klar unter „Lohn für harte Arbeit“ verbucht werden. Direkt nach dem Tor wirkte Heidenheim unsicher, doch wir wurden nicht zwingend genug um noch einen nachzulegen.


Unsere ‚Enten-Gang‘

Nach der Pause dann weitere Umstellungen bei uns mit Rzatkowski als 8. Der Kerl ist defensiv Klette und Wiesel gleichermaßen, gewinnt dadurch enorm wichtige Zweikämpfe. Verhoek leider weiter komplett ohne echte Beteiligung am Offensivspiel, allerdings beschäftigte er immer wieder zwei Verteidiger und war auch am geradezu erarbeitetem Platzverweis nicht ganz unbeteiligt. War das Spiel in Halbzeit 1 schon nicht schön anzusehen, wirkte es nun gänzlich zerfahren. Beide Teams um Spielkontrolle bemüht, erlaubten sich aber zu viele Ballverluste um welche zu erlangen. Heidenheim versuchte Spielsituationen über Diagonalpässe zu lösen, wir standen tief und warteten auf Konter. Mit dem Platzverweis, den man mit vier gelben Karten nach 35 Minuten für Heidenheim fast schon erwarten konnte, dann kurzzeitig früheres Anlaufen durch Verhoek, Dudziak und Sobota, während es Heidenheim über hohe Bälle versuchte. Grundsätzlich wirken hohe Bälle einfallslos. Inzwischen wurde aber auch hierzu ein System entwickelt: Es geht nicht mehr vorrangig darum den langen Ball zum eigenen Mitspieler zu bekommen, stattdessen wird bei Ballverlust sofort gepresst. Die Umorientierung von defensiv auf offensiv der Mannschaft, die den Ball gewonnen hat, stiftet auch etwas Unordnung. Sollte nun beim Pressen der Ball gewonnen werden, ergibt sich dadurch meist eine Überzahlsituation im letzten Drittel und folglich ein möglicher Torabschluss. Ein System was auch bei uns mit schnellen Außenspielern wie Dudziak und Sobota (und irgendwann Miyaichi) denkbar wäre. Dadurch, dass wir unsere Überzahl überhaupt nicht zu nutzen wussten und unsere Konter schwach bis gar nicht ausspielten, wurde es am Ende natürlich nochmal spannend. Die Abwehr, inzwischen zu Recht die beste der Liga, ließ jedoch wenig bis gar nix zu.

Unsere defensive Stabilität ist bemerkenswert, letzte Saison waren wir noch eine der Schießbuden der Liga. Offensiv braucht es in solchen Spielen jedoch eine gnadenlose Effektivität gegen gut organisierte Defensivreihen, da unser Spielfluss augenscheinlich ganz gut unterbunden werden kann. Gegen offensivere Mannschaften, wie zum Beispiel auswärts in Braunschweig, fällt uns das wesentlich leichter, deshalb bin ich mir sicher, dass wir in Paderborn mal was Zählbares mitnehmen können. Gefühlt haben wir da noch nie was geholt.
Nach 8 Spielen kann man die Tabelle auch nicht mehr unter den Tisch fallen lassen. Wir werden da oben zumindest ein Wörtchen mitreden. Dass unser jetziges voll auf defensive Grundordnung ausgelegtes Spielsystem in dieser Liga enorm erfolgreich sein kann, hat Darmstadt letzte Saison gezeigt, die haben sogar noch weit destruktiver gespielt. Wichtig ist auch, dass wir alle akzeptieren, dass wir momentan selten Offensivspektakel am Millerntor erwarten können. Wir können uns entscheiden zwischen dem 1:0 von gestern mit biederem Defensivfußball oder dem 0:3 aus letzter Saison gegen Heidenheim, als wir mit wehenden Fahnen untergegangen sind.

Nice Guys Sankt Pauli// timbo

Nicht ohne Stolz verweisen wir auf den Bilder-Blog von Stefan Groenveld, da es dieses Mal ein Bild unserer Nice Guys-Fahne hineingeschafft hat: Das Pferd…

Weitere wunde Finger aufgrund der englischen Woche bei:
Grenzenlos Sankt Pauli: Ruhezone Aufstiegsränge
Magischer FC: Zeig mir den Weg nach oben
SouthEndScum: As easy as the score says
Übersteiger-Blog: 8.Spieltag (H) – 1.FC Heidenheim