Archiv für Dezember 2015

#senfdazu12

FC St. Pauli – Karlsruher SC 1:2

Ja, Freunde! Das war eigentlich ziemlich ärgerlich. Für mich war das gestern ein Spiel, das man allein aufgrund der Rahmenbedingungen gefühlt schon gewonnen hatte. Das letzte Heimspiel vor Weihnachten auf einem Freitagabend im Flutlicht. Die Hells Bells werden mit Wunderkerzen empfangen und während des Spiels ziehen Pilsdeckchen im Wind über den feuchten, glänzenden Rasen. Die Nice Guys sind mehr als vollzählig vertreten und das Bier schmeckt ganz stark nach einem denkwürdigen Abend. Die Plätze sind so perfekt schlecht, dass man sichtmäßig an die alte Gegengerade zurückdenkt. Nehrig hat grad nach Alexander-Ludwig-Art (fast) allen Stadionbesuchern den Abend versüßt. „Weißte noch damals das 3:2 gegen Münster? -Jaw! Das war so´n ähnlicher Abend. Geil war das, Alter!“ *schmachtend ab* Hach, mir als Romantiker wurde ganz warm ums Herz.

Ganz vielleicht war es dann gestern doch nicht so wie am Freitag, den 29.10.2004, beim Spiel gegen Münster. Anpfiff war übrigens um 19.30 (es war wenig schön in der Regionalliga, aber einiges ging ganz gut). Wir sind auch nicht in Führung gegangen damals. Bounoua machte aber das 3:2 und schickte uns grinsend nach Hause. Aber fangen wir mit gestern nochmal von vorne an:

Frühzeitiges Treffen am Fanladen. Kurz noch ein Glühweindate mit der Fanladenconnection klargemacht (Montag, falls Du es mittlerweile vergessen hast..) und dann Wunderkerzen (Hooligans! Hooligans!) aufgeteilt. Beim Aufwärmen keinen Sobota endeckt. Erster Rückschlag, aber alles drin; so die einstimmige Meinung. Mit „KSC olé olé“ kommen dann Kindheitserinnerungen hoch. Schließlich konnten mein Bruder und ich (hatten natürlich die ran-CD) alle, wirklich alle, Hymnen der Bundesligisten von 1995/96 auswendig. Einschließlich „1 zu 0 St. Pauli vor…“. Sowas bleibt hängen. Und verfolgt einen sein ganzes Leben. Schlimm.

Wir fangen tiefstehend an. Liegt uns auch am besten. Der KSC macht das Spiel. Noch während ich meinem Nebenmann erzähle, dass es diese Saison fahrlässig ist gegen St. Pauli das Spiel zu machen, weil wir dann unser starkes Umschaltspiel nutzen können, kommen unsere ersten Chancen. Man merkt das was drin ist und das Stadion geht gut mit. Das 1:0 ist meiner Meinung nach die logische Konsequenz und hochverdient. Nicht mal der Ausgleich änderte was an dem perfekten Abend. Ich hatte als alter Profi nämlich einen 3:1-Wettschein in der Tasche. Ha!

Die zweite Halbzeit geht auch gut los. „Last Christmas“ in der Halbzeit habe ich mit einem Schmunzeln quittiert. Schließlich ist der Pausen-DJ bekannt und das kann nur als Scherz gemeint gewesen. Wenn es das nicht war oder ich irgendetwas verpasst habe, dann Schande auf mein Haupt. Los Fastidios hat sich mittlerweile auch eingebürgert; finde ich gut. Nun war da ja noch die 2. Halbzeit. Chancen hatten wir genug in Führung zu gehen. War für mich nur eine Frage der Zeit. Der Knackpunkt ist dann so eine Pfostenaktion von Thy. Das Ding ist im Zusammenhang mit den anderen Chancen aus der Kategorie „Wenn der nicht reingeht, dann machste heute gar keinen mehr..“. Das Stochertor von Karlsruhe ist dann aber trotzdem einfach nur scheiße. Achja und da war ja noch dieser Pfiff zum Freistoß. Passend dazu hört man dann nach dem Spiel noch von einer Abseitsstellung. Ach komm, leck mich doch! Danach war dann auch bei unseren Jungs die Luft raus. Ziemlich unnötig diese Niederlage.

Es war ein langes Jahr für alle. Im April sah es noch sehr düster aus. Jaja, blabla. Tausendmal durchgekaut. Sollte nur eine Einleitung sein zu: Ich bin sehr zufrieden mit der Hinrunde. Daran ändert auch die Niederlage gestern nichts. Sowas verliert man halt mal. Pech. Der Abend wurde dann für mich noch ziemlich lang und führte nachts zu einer weiteren Liebeserklärung:

Seien wir doch mal ehrlich; St. Pauli Du geiles Ding! Würde es geh´n würde ich Dich………umarmen!!!

Nice Guys Sankt Pauli //flippa

Es schrieben auch schon:

Stefan Groenveld: Alles wie immer
beebleblox: Kein Weihnachtsgeschenk
SouthEndScum: Suckeeerrr!
Grenzenlos Sankt Pauli: Oben und unten
Übersteiger-Blog: 19.Spieltag (H) – Karlsruher SC
Magischer FC: Ach was soll´s – das große Ganze stimmt

#drumherum3

Opfer des eigenen Erfolgs

Zweifelsohne zählte Marc Rzatkowski in dieser Hinrunde zu den Säulen des erfolgreichen Fußballs, der von St.Pauli gespielt wurde. Doch seit dem Spiel bei 1860 ist er nur noch auf der Bank zu finden und es könnte sein, dass er das auch für die restlichen Spiele vor der Winterpause sein wird.
Um den Topscorer hinter Lennart Thy (3 Tore, 5 Torvorlagen) und nach Lasse Sobiech notenbesten St.Pauli-Feldspieler ohne körperliche Gründe auf der Bank zu lassen, muss Ewald mit seinem Team gute Argumente anbringen. Argumente, die über die offizielle Erklärung (Ewald: „Er macht auf mich den Eindruck müde zu sein, auch im Training.“ MoPo, 09.12.) hinausgehen. Sollte ein Spieler alle drei Tage spielen kann ich das offizielle Argument nachvollziehen, aber auch mit 25 Jahren und im Schnitt einem Spiel pro Woche? Klar, die mentale Müdigkeit ist auch gemeint, wie Ewald sie auch bei vielen anderen ausgemacht hatte. Allerdings vermute ich noch einen weiteren, für Rzatkowski sehr bitteren Grund: Er ist ein Opfer des eigenen Erfolgs.


Bild von der Vereinsseite (fcstpauli.com)

Die Situation ist für Rzatkowski nicht neu, denn bereits den Abstiegskampf letzte Saison hat er meist von der Bank aus verfolgt. Sein Defensivverhalten schien für den kompakten Fußball, den Ewald im Abstiegskampf spielen ließ, nicht ausreichend. Im Sommer dann die Neuausrichtung und die Umschulung von einem offensiven zu einem defensiven Mittelfelder bzw. zu einem Verbindungsspieler. Durch den Abgang von Koch, sowie die Verletzungen von Buchtmann und Nehrig waren zu Beginn der Hinrunde Alushi und Rzatkowski als Doppel-6 gesetzt. Mit Alushi als defensive Stütze und Rzatkowski als in die Offensive einrückender Verbindungsspieler, wenn Maier Überzahl auf den Außen schaffte, konnten bei Ballgewinn schnell und effektiv Überzahlsituationen im letzten Drittel geschaffen werden. Der Wechsel Buchtmann-Alushi durch Alushis Verletzung änderte quasi nix an dieser Grundausrichtung. Die erfolgreiche Spielweise führte jedoch dazu, dass die gegnerischen Mannschaften nun gegen St.Pauli nicht mehr versuchten ihr eigenes System durchzudrücken, sondern zuerst den Spielansatz von St.Pauli stören wollten und weiterhin wollen. Beste Beispiele sind die Auswärtsspiele in Braunschweig und Paderborn, wo sich beide Teams mit mehr Glück als Verstand mit einem 0:0 in die Halbzeit retten konnten und die zweiten Halbzeiten mit Systemumstellungen ausgeglichener gestalteten. Beide Teams versuchten St.Pauli mit den eigenen Mitteln (kompakte Defensive – Überzahl bei Ballgewinn) zu schlagen. Nürnberg hat St.Pauli vor zwei Wochen am Millerntor den Spiegel ins Gesicht gehalten. Das Auftreten erinnerte mich sehr ans Auftreten von St.Pauli auswärts. Bei so einem Gegensystem verpufft der Ansatz mit Rzatkowski als Verbindungsspieler komplett, da schlichtweg nicht die Räume für Überzahlsituationen nach Ballgewinn vorhanden sind. Somit hat sich Rzatkowski durch guten Fußball selbst auf die Bank gespielt.

Gegen die kompakten Systeme müssen dann andere Lösungen gefunden werden. Momentan wirkt es so, als wenn St.Pauli mit viel Ballbesitz nicht sonderlich viel anfangen kann. Um Ballverluste zu vermeiden ist es nun aber gerade auf der 6 wichtig sehr ballsicher zu agieren und dann über längere Ballstafetten und Verlagerungen Löcher in die gegnerische Defensive zu reißen. Dafür braucht man aber ballsichere Spieler wie Alushi und Buchtmann auf der 8 zur Unterstützung von Maier, die Räume erkennen und erspielen und eine rein defensive 6 als Absicherung (Nehrig). Somit erscheint in diesem System momentan kein Platz für einen schnellen Umschaltspieler wie Rzatkowski zu sein. Im Vergleich zu Buchtmann und Alushi fehlt ihm die Ballsicherheit und Übersicht und Nehrig ist defensiv unumstritten.

Am Montag in Bielefeld stellt sich nun für das Trainerteam die Frage, mit welchem System Bielefeld spielen möchte. Wenn sie versuchen ihr eigenes Spiel durchzuziehen, dann wäre das Duo Buchtmann/Rzatkowski oder Nehrig/Rzatkowski sicherlich eine gute Option und Bielefeld dürfte von St.Pauli ähnlich wie Düsseldorf (die auch ein eigenes System durchdrücken wollten) auseinandergespielt werden. Vermutlich wird St.Pauli sich aber auch bei Auswärtsspielen immer häufiger mit defensiver Kompaktheit rumärgern müssen. Hierfür erscheinen die Duos Nehrig/Buchtmann und Nehrig/Alushi besser geeignet, wenngleich bei diesem System noch lange nicht jedes Rädchen ins andere greift. Rzatkowski muss auf lange Sicht seine Spielweise ausweiten, andernfalls wird sich seine Situation nicht ändern. Ewald und sein Team haben im Sommer bereits gezeigt, dass sie diesem hochveranlagten Spieler eine neue Spielweise beibringen können. Hier muss im Winter weitere Arbeit folgen.

Nice Guys Sankt Pauli //timbo

#drumherum2

Verträge….blabla oder „Ich spiele mal Sportdirektor“

Zwar ist dies ein typischer Bericht um eine lange Winterpause zu überbrücken, aber aus aktuellem Anlass passt der jetzt auch ganz gut. Schließlich hat der FC grad mit Ziereis und Choi verlängert. Der Kader wurde zu dieser Saison stark ausgedünnt (Görlitz, Tschauner, Nöthe, Trybull, Schachten, Daube, Budimir, Thorandt, Kringe, Koch) und mit Beginn der Spielzeit noch weiter verkleinert (Halstenberg und Cooper). Dazu wurde die Mannschaft nur punktuell (ein herrlicher Fußballsprech) verstärkt. Aktuell wirklich gesetzt sind von den Neuzugängen nur Hornschuh und Sobiech (zähle ich mal als Neuzugang), Dudziak ist bisher ja nun eher ein Bankspieler. Beim Blick auf diese Fakten machte sich bei mir das Gefühl breit, dass wir einen kleinen Kader mit bestimmt ganz vielen zum Sommer auslaufenden Verträgen haben. Ist wahrscheinlich Quatsch und den dafür zuständigen Personen im Verein kann man aktuell bei sowas auch ganz gut vertrauen, aber mein Interesse war geweckt. Hier also ein Überblick über im Sommer auslaufende Verträge (und meine subjektive Einschätzung möchte ich auch nicht vorenthalten).

Vorab: Ich habe keine Ahnung von Vertragsdetails und eventuellen Klauseln. Die meisten Infos sind von transfermarkt.de und anderen Portalen. Außerdem finde ich es positiv, dass mit der neuen Vereinsführung keine Vereinsinterna zur Presse durchsickern. Ich weiß auch nicht, wo bereits Gespräche laufen oder sonstiges. Alles nur Gelaber also.

Welche Verträge laufen im Sommer 2016 aus?

-Lennart Thy: Spielt eine starke Saison. Dabei kann man seine Leistungen schlecht in Toren messen. Nach dem Sahne-Spiel gegen Düsseldorf hörte man, dass an einer Vertragsverlängerung gearbeitet wird. Hört man doch gerne. Zumal wir auf der Stürmerposition ohnehin knapp besetzt sind. Das bringt uns direkt zu:

-John Verhoek: Auch sein Vertrag läuft im Sommer aus. Eine Aussage über eine mögliche Verlängerung kann bei seinen momentanen arbeitsintensiven, aber ziemlich glücklosen Auftritten schlecht getroffen werden. Zudem wird die Situation durch die aktuelle Rudnevs-Diskussion torpediert.

-Bernd Nehrig: Ist nach seiner Verletzung noch nicht wieder zum Zug gekommen, aber hat mich bei seinen Auftritten bisher als schnörkelloser Abräumer überzeugt. Eine Verlängerung hängt bestimmt auch von einem möglichen Stammplatz ab.

-Enis Alushi: Hatte bis zu seiner Verletzung eine sehr starke Saison. Ist mit 29 Jahren (genau wie Nehrig) im besten Fußballeralter. Der Konkurrenzkampf auf seiner Position ist groß, unter Lienen scheint aber ein fitter Alushi gesetzt zu sein. Konkurrenz ist zum Bespiel:

-Christopher Buchtmann: Für mich hat der 23-Jährige (what?) seine richtig guten Auftritte immer auf der 6 gehabt. War nun lange immer wieder verletzt. Würde mich aber ehrlichgesagt wundern, wenn nicht an einer Verlängerung gearbeitet wird.

-Sebastian Maier: Auch noch sehr jung mit seinen 22 Jahren. Ob er mittlerweile gut genug ist, um Begehrlichkeiten bei Bundesligisten zu wecken, weiß ich nicht. Talent ist auf jeden Fall da. Eine Verlängerung wäre auch hier wünschenswert.

-Marc Hornschuh: Wieso war der eigentlich nicht gesetzt in Frankfurt? Steckt man ja nicht drin. Bei uns scheint alles zu passen. Option auf ein weiteres Vertragsjahr haben wir. Das ist doch schön.

-Waldemar Sobota: Hier gibt es die Kaufoption nach der Saison. Mit einem Marktwert von ca. 1,2 mio. könnte er aber ganz schön teuer werden.

-Fafa Picault: Auch eine Option auf ein weiteres Jahr. Müsste dafür aber noch mehr bringen. Abwarten.

Ebenfalls auslaufende Verträge haben noch Deichmann, Eden, Kurt und Startsev. Mein Wunsch bei denen: Junge Spieler (Eden hier mal ausgenommen) aus dem eigenen Unterbau langfristig binden und langsam ranführen (ja gut, welcher Fan hat diesen Wunsch nicht, Du alter Romantiker!?). Können wir aber momentan sogar so machen.

Puh.. Arbeitslos wird Meggle wohl nicht. Bei der Baustelle Sturm darf man Ante Budimir nicht vergessen. Der gute Mann hat grad vorgestern den zwischenzeitlichen Ausgleich gegen AC Mailand geschossen. Das war sein 6. Tor im 16 Pflichtspiel bei einem scheinbaren Topverein (Tabellenplatz 2) der Serie B. Vielleicht geht da ja nochmal was. Ob Sobota gehalten wird, hängt sicherlich auch von der Rückrunde von Ryo Miyaichi ab. Im Zuge der guten Hinrunde hat man den ja fast vergessen. Mal schauen was da noch geht. Im Offensivbereich gibt es dann noch weitere Alternativen. Mit Maier laufen Gerüchten zufolge bereits Gespräche. Alushi kann sich eine Verlängerung ebenfalls vorstellen. Mit Thy wird bereits konkret verhandelt. Das klingt alles ganz gut, zumal ich einen kleinen Ausblick auf das Jahr 2017 gewagt habe. Lohnt sich nicht, macht nur Herzrasen. Für einen Zweitligaverein ist es immer schwer einen talentierten, aber nicht überteuerten Kader über Jahre zusammen zu halten. Talentiert ist unser Kader auf jeden Fall, überteuert wohl auch nicht. Gespräche mit Spielern fangen rechtzeitig an. Ich persönlich sehe uns da ziemlich gut aufgestellt. Weiter so, Meggi!

Nice Guys Sankt Pauli //flippa

Sonst noch so unter der Woche:
Übersteiger-Blog: Pferde, Mädchen, Hoffnung
Grenzenlos Sankt Pauli: Mit Links durch die Woche #4

Die Nice Guys Sankt Pauli sind ein Fanclub mit Mitgliedern im ganzen Stadion und bis nach Glasgow verteilt. Dabei sind wir stramm unorganisiert, haben ständig vor dies zu ändern, doch dafür sind wir zu unorganisiert.

Um die einseitige Berichterstattung zu gewährleisten, halten sich alle Schreiberlinge während des Spiels auf der Gegengerade auf.

flippa – Um ständige und dauerhafte positive Unterstützung bemüht. Wenn er dann mal aus der Haut fährt, dann meist völlig zu Unrecht und taktlos. Seine Berichte sind deswegen wenig journalistisch hochwertig, eher emotional dahingerotzt.

timbo – Machte jahrelang seinem Ruf als Fußballcholeriker alle Ehre, doch seit es Nachwuchs gibt, raucht er nur noch mürrisch. Dabei ist hinter Bart und Mob auf dem Kopf scheinbar ein Taktikfuchs versteckt. Oder aber ganz viel Angeberei.

josy – Mittlerweile auswärtig. Das hindert ihn nicht daran anderen seinen etwas besonderen Blick auf die Dinge hier in Hamburg mitzuteilen. Dieser leichte wunderbare Wahnsinn begleitet seine Texte. Pure Vernunft darf niemals siegen!

scott – Ebenfalls auswärtig. Sollte er dann aber doch mal von der Insel rüberkommen, fällt auf, dass er in und ums Stadion herum mindestens so bekannt und beliebt wie Ewald ist. Ein echter Nice Guy eben.

#senfdazu11

FC St. Pauli – 1.FC Nürnberg 0:4

Liebe Genossen des gepflegten Nieselregens,

Zwei Tage nach dem verheerendem Spiel ist das Ergebnis kein unausgesprochenes Geheimnnis mehr, so will ich die schmerzliche Wahrheit gleich noch mal zu Anfang aussprechen: 0:4 ist scheiße. Bei aller Rhetorik und Positivitätsduselei bleibt es dabei. Shit is always shit/No matter how you look at it!, um mal den berühmten Vers aus Shakespeares „Romeo und Julia“ zu zitieren. Doch wollen wir den Karren nicht vor den Ochsen spannen und back to the roots gehen. Als Ihr aufrichtiger und bemühter Korrespondent stehe ich in der journalistischen Bringschuld zu erwähnen, dass sich der Zentralrat der Nice Guys beim dieswöchigen Blogeintrag für das beschränkteste und sachunkundigste Mitglied ihrer illustren Runde entschieden hat, weswegen ich meine Ignoranz mit 60% unnötig langen Sätzen und 60% augenverdrehenden Plattitüden salzen muss.

So nun, lasst die Spiele beginnen!…! Alle Spiele? Nein! Nur eines, sonst reicht der Platz und das Citalopram nicht. Es war ein schöner Herbsttag, einer jener Tage, die in romantischer Literatur gerne als „golden und warmer Herbsttag“ bezeichnet werden, auch wenn ich nie verstanden habe, was an grauem Nieselregen „golden“ sein soll, aber das lass ich ma dahingestellt sein, be it wie it be, und so waren wir alle nicht überrascht, als in der 1. Minute der Schiedsrichter, dessen Namen ich leider nicht in Erfahrung bringen kann, weil ich den entsprechenden Eintrag bei kicker.de nicht finden kann, jedenfalls dieser Schiedsrichter, den ich im Folgenden einfach Q nenne, benannt nach der in Grundzügen rekonstruierbaren, aber verschollenen, Logienquelle Q, pfiff das Spiel an.

Wir schalten live, aber verspätet, zu unseren Freunden auf der Geschäftsführung, da ich hier ja nicht nur einen Blog über das Fußballgeschehen verfassen möchte, sondern im Sinne der Aufklärungsideale von Bildung und engagiertem Bürgertum auch allgemein gesellschaftliche Themen bezogen auf Fußballkultur abhandeln möchte, die für Ignoranten und schludrige kicker.de- und St. Pauli-App-Leser wie mich überraschend, verkündete, dass St. Pauli den jahrelangen Rechtsstreit um die Vermarktungsrechte mit dem Vermarktungsrechtebesitzer mit dem bescheidenen, wenn auch nervig fehlerhaften Namen Upsolut beendet hat, indem der Verein das Unternehmen kurzerhand übernehmen wird. Jubelheitereundjuchzende Freudigkeit! Olé! Aber verzeihung, you were sayin‘….?

Das Spiel begann mit einer guten Choreo, deren wahres Ausmaß ich unter den hochgehaltenen Pappschildern leider nur erahnen konnte, aber das, was man auf dem Bildschirm gesehen hat, war schon recht cool, um mal ein wirklich sehr abgenutzten und kaum noch irgendwas aussagendes Adjektiv zu benutzen. Ich könnte jetzt meine Notizbucheintragungen herunterrattern und es dann euphemistisch „Analyse“ nennen, aber das werde ich nicht tun. Einerseits weil wahrscheinlich alle Leser dieses Blogs das Spiel geguckt haben und zweitens, und darauf aufbauend, werden diese Leser das Spiel viel besser analysieren können als ich. Aber dennoch möchte ich ein paar Zeilen über meine Eindrücke des Spiels verfassen, weil dieser Eintrag sonst jeglicher Sinnhaftigkeit entbehren würde. Auch hierfür konnte ich jetzt leider keine Statistik finden, aber St. Pauli hatte deutlich mehr Ballbesitz, von Dominanz kann aber wahrlich keine Rede sein, dafür ist das hoffnungs- und ideenlose Ballherumgeschiebe zu ungefährlich und letztlich erfolglos. Beherrschendes Syndrom der Saison ist leider Chronische Torlosigkeit, was dazuführt, dass wir gerade mal zwei Tore mehr als Heidenheim haben….die auf dem 10. Platz sind! Kaum zu glauben, dass wir damit auf dem 3. Platz liegen, aber bislang glich die starke Defensive um „El Grande Muro“ Sobiech alles wieder aus. Hiervon war leider nicht mehr so viel zu sehen im Spiel gegen Nürnberg….oh, übrigens, St. Pauli hat gegen Nürnberg gespielt, falls das jemand vergessen haben sollte, ich hab es glaube ich vorher noch nicht erwähnt!…., sodass wir leider mehrfach gnadenlos ausgekontert wurden und nur mit Mühe und Not die sprintstarken Nürnberger aufgehalten werden konnten. Was offensichtlich nicht häufig genug der Fall war. Das Spiel der Bhoys in Brown kann man wohl als die dystopische Perversion des Bayrischen Spiel kategorisieren, will heißen, viel Ballbesitz, viele Pässe, aber leider ohne die Finesse und Eleganz der Master of Football, sodass man über weite Strecken des Spiels in tagesphantasierenden Einkaufsüberlegungen abdriftete, ohne viel verpasst zu haben. Die Nürnberger standen kompakt, um mal dieses ubiquitäre Wort des Defensivfußballs-Sprech zu benutzen, und lauerten, auch hier denke ich, dass kein anderes Wort dem abwartenden Charakter des Nürnberger Spiels gerecht wird, auf Konter.

Bei St. Pauli grassierten die Fehler: auch unabhängig vom desaströsen Dudziak, der zweimal meiner Rechnung nach mit einem Mitspieler zusammenrannte (53. mit Thy; 56. mit Buchtmann), spielten viele St. Paulianer überspannten Fußball: Gonther rannte in seiner ersten Aktion nach Einwechslung ins Abseits (78.), Verhoek versprang der Ball äußerst albern (76.) und ansonsten verstammelten alle und kollektiv mehrfach den Ball vorm Strafraum.

Um mal wieder eine weitere Plattitüde zu bedienen: Quo vadis St. Pauli? Die sichere Defensivarbeit, die wir bislang konstant zeigen konnten, wird meinem Optimismus zufolge wiederkommen. Wir sind uns wohl alle einig, dass dies ein maßgeblicher Baustein unseres Erfolges der bisherigen Saison ist. Für die Offensive jedoch muss noch viel getan werden. Mit unserer bisherigen Leistung nach vorne können wir solche Spiele nicht drehen, wir können sie nur verwalten. Dafür ist unser Spiel leider zu stark auf einen glücklichen Treffer und das folgende Verwalten der leichten Führung ausgerichtet. Geht diese Taktik einmal nicht auf, so können wir auch in solch einem Spiel keine Punkte holen. Denn seien wir ehrlich: vom Spielanteil und von den Chancen her, hätte St. Pauli am Sonntag deutlich mehr herausholen müssen. Gerade weil sie dies aber nicht geschafft haben, ist die Niederlage, und es fällt mir schwer, dies überhaupt nur auszusprechen, weswegen ich ganz froh bin, das nicht zu tun, sondern mich auf’s Schreiben beschränken zu können, gerechtfertig und eigentlich verdient.

Kommen wir also noch zu leichteren Themen: der Zukunft des deutschen Fußballs. Breite Runde gemacht hat in den letzten Tagen der umstrittene Antrag des FC St. Pauli über die Ausnahme von die 50+1-Regel brechende Vereinen wie Wolfsburg, Hoffenheim, Leverkusen und demnächst auch Hannover, von der sogenannten Solidargemeinschaft der Gesamtvermarktung der Fernsehrechte der 1. und 2. Bundesliga. Diskursanalytisch höchst interessant und leider auch genauso traurig, ist das framing in der öffentlichen Debatte von St. Pauli als den eigentlichen Auflöser der Solidargemeinschaft, während doch der Antrag eigentlich darauf abzielt, die Auflösung der Solidargemeinschaft--im Sinne der gleichen Rechte für alle--durch benannte Vereine zu relativieren. Der langen Rede kurzer Sinn: Hoffenheim und Konsorten sind unsolidarisch, weil sie sich Vorteile verschaffen durch die Unterstützung durch DAX-Unternehmen oder reiche Gönner. Leider ist die öffentliche Reaktion dieser Vereine mehr als beschämend, stellen sich doch jetzt diese reichen Vereine als gebeutelte Opfer einer Hetzkampagne dar, während selbst wohlmeinende Unterstützer der Gesamtvermarktung wie Rummenigge in gutsherrlicher Arroganz versuchen, den Vereinen der 2. Liga kollektiv ihren paternalistischen Willen aufzuzwängen, nach dem Motto „Wir sind solidarisch, aber nur weil wir so nett sind“. Gut, soll er sein. Hoffnung machen da vor allem Meldungen, dass die Chefetagen von Schalke und Dortmund anders über die neureichen Vereine denken und dem Vorhaben von St. Pauli sogar eventuell sympathisch gegenüberstehen. Wir werden sehen, was die Zukunft bringen wird. Deswegen möchte ich mit den Introworten von Monty Python’s Flying Circus enden: It’s….

Nice Guys Sankt Pauli //josy

Auch an den Tasten:
Stefan Groenveld-Blog: Crystal gegen Valium
SouthEndScum: WAKE UP PEOPLE!!
Magischer FC: Vier Gegentore mehr, fünf Ringe weniger
Grenzenlos Sankt Pauli: Egal, aber
beebleblox: Straight outta Spitzengruppe
KleinerTod: Alles Käse? Nein. Aber #FCSP verliert daheim gegen Nürnberg am NOlympia-Sonntag.
Übersteiger-Blog: 16.Spieltag (H) – 1.FC Nürnberg