#senfdazu13

Six in a row

FC St. Pauli – RB Leipzig 1-0

Manmanman, die Zeiten haben sich geändert. Es ist 6.30 morgens am Samstag. Vor weniger als einem Jahr war das eine angemessene Zeit um nach einem Heimspiel ins traute Heim zu fallen, heute ist es die Zeit in der die kleine Tochter einem deutlich macht, dass sie ab jetzt bespaßt werden möchte. Wäre ich nicht vorsichtiger gewesen gestern Abend und hätte das ein oder andere Bier ausgelassen oder hätte dem üblichen After-Match-Trip (Clubheim – irgendeine Fancy Kneipe („das is doch scheiße hier, lass ma ins Jolly!“ – Jolly – Shebeen) vollends mitgenommen, ich bin mir nicht sicher, ob ich die gerade gewechselte Windel überlebt hätte. Aber gut, das sind ganz andere Themenbereiche, die sicher in irgendwelchen Internetforen ausgiebig diskutiert werden können, hier ist Fußball angesagt, also zum Spiel:
Leipzig kommt mit breiter Brust zu uns, ist seit gefühlten 687 Spielen unbesiegter und völlig unangefochtener Tabellenführer. Und genauso haben sie auch gespielt. Ihr Problem ist nur gewesen, dass uns, wie ich immer und immer wieder zu genüge predige und auch schreibe, so etwas vollkommen in die Karten spielt. Leipzig also mit imposanter Aufstellung, allein der Poulsen vorne im Zentrum ist schon eine Erscheinung, dahinter mit offensiver Dreierreihe Forsberg-links(bei dem Arsenal im Winter mal angeklopft hatte), Sabitzer-Zentrum, Kaiser-rechts. Die Doppesechs bilden Ilsanker und Demme, in der Innenverteidigung dann mit Compper ein ehemaliger Nationalspieler. Und den Selke? Der im Sommer schlappe 8 Millionen gekostet hat? Den kann man auch mal auf der Bank lassen… Spielerische Qualität also im Überfluss. Ewald hatte ja bereits vor dem Spiel erwähnt, dass man den Leipzigern in der Hinrunde noch mit Zweikampfhärte den Zahn ziehen konnte, nun hätten sie sich aber an die Gangart in Liga 2 gewöhnt. Klingt so, als wenn man ein aufkommendes Sturmtief zu einem Orkantief hochstuft. Immerhin ist Halstenberg nicht fit, dachte ich mir und befürchtete das Schlimmste.

Nach dem überaus erfolgreichen Start in Fürth gab es nicht viele Gründe für personelle Wechsel und erst recht nicht für einen Systemwechsel. Hatte Ewald angekündigt, dass er in der Winterpause neue Offensiv-Verhaltensweisen einstudieren will? Mitnichten; er hat stattdessen eine neue Verteidigungsform einstudieren lassen. Wir präsentieren Ihnen: *tada!* Die 6er-Kette (siehe Foto)


6(!)-3-1

Ob das so geplant war oder ob es eher eine missglückte 5er-Kette gewesen ist, bei der durch hohe Leipziger Außenverteidiger Waldi und Buchtmann immer wieder zeitgleich in die Kette gedrückt worden sind, ist mir unklar. Richtig funktioniert hat es jedenfalls nicht, da Leipzig so noch mehr Platz in den Halbfeldern hatte und sich dadurch im Grunde ungestört bis 25m vor unser Tor bewegen konnte.

Aber der Reihe nach: Wir mal wieder mit einem gelungenem Beispiel, wie man einer offensiv ausgerichteten Mannschaft den Zahn zieht. Ballgewinn, dann schnell der Ball in die Spitze, weiter zu den Außen und dann durch einen eingerückten Defensiven das Tor gemacht. Kinder, wenn ich es nicht besser wüsste, dann würde ich sagen, dass hört sich nach Rzatkowskis Tor aus unserem Heimspiel gegen Fürth an (siehe #senfdazu2). Bei diesem Spielsystem ist Rzatkowski durch seine Geschwindigkeit einfach eine Waffe. Das schnelle Einrücken in die Spitze sorgt für eine Überzahl in der gegnerischen Box, brandgefährlich also. Dann ging es erst an die Arbeit, mit besagtem 6-3-1. Manch einer mag sagen, dass Alushi auf die 10 vorgerückt ist, ich sage aber, dass der Rest der Mannschaft einfach noch weiter hinten spielt. Und wie gesagt, es funktionierte nicht. Leipzig erspielte sich Chance um Chance. Das lag nicht zwingend daran, dass wir schlecht verteidigt hätten (von der 6er-Kette mal abgesehen), sondern das Leipzig auch einfach kombinationssicher ist und somit Angriff um Angriff fahren konnte. Wir kommen also eher glücklich mit der Führung in die Kabine. Nach der Pause sind wir dann defensiv wesentlich besser eingestellt, wenngleich es auch weiter Chancen der Leipziger gab. Nun wurde ein sauberes 4-4-2 zur Verteidigung genutzt, die Halbfelder waren nicht mehr so leicht erreichbar für Leipzig, ein Abnutzungs-/Klassenkampf begann. Die 2.Halbzeit war definitiv eine der intensivsten Halbzeiten seit langem. Leipzig rannte an, wir standen kompakt und rissen uns aber sowas von den Arsch auf. Poulsen, der zu Beginn des Spiels noch mit hohen Bällen angespielt wurde, konnte weitgehend aus dem Spiel genommen werden, hatte jedoch eine Großchance zu verzeichnen. Insgesamt hatte Leipzig in der 2.Halbzeit zwar mehr vom Spiel, aber war bei Weitem nicht mehr so zwingend wie in Halbzeit 1. Mit Kampf, Glück und ordentlich Roar von den Rängen bringen wir das Ding nach Hause.

Nächste Woche kommt dann FSV Frankfurt. Man wird schauen müssen, ob die sich irgendwie aus der Reserve locken lassen. Vermutlich nicht und dann wird sich auch zeigen, was im Wintertrainingslager wirklich an neuen Offensivmustern ausbaldowert wurde, denn die beiden letzten Spiele haben wir mit Hilfe des ‚alten‘ Systems gewonnen. Ob wir wirklich noch einmal oben angreifen können, muss abgewartet werden. Ich denke, dass Leipzig trotzdem hochgehen wird. Freiburg und Nürnberg noch gefährlich zu werden ist auch ein mächtiges Unterfangen. Ich hoffe, dass wir so lange wie möglich da dran bleiben, damit wir ein bisschen träumen können… herrlich!

Nice Guys Sankt Pauli // timbo

Was noch?
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