#senfdazu15

Die Lümmel von der letzten Bank

MSV Duisburg – FC St. Pauli 0:2

Auswärts. Beim Tabellenletzten. Konnte ja nur gutgehen (siehe #drumherum4). Der Wecker um 5 Uhr morgens wird dementsprechend mit einem Lächeln quittiert und pfeifend werden die Schnitten geschmiert. Klamotten hatte ich mir am Vorabend schon rausgelegt, Banner schon eingepackt und die Nice Guys-Telefonkette lief auch schon erfolgreich durch. So langsam wurde mir mulmig. Das lief alles zu glatt. Nicht überpünktlich, aber doch rechtzeitig aus der Tür in Richtung Millerntor. Auf Höhe des Shebeens dann die letzten Mohikaner des Samstagabends beim Biertrinken entdeckt. Da! Oh mann… Das Bier ist noch im Kühlschrank! Panischer Blick auf die Uhr. Schaffe ich das noch zurück? Wenn ich sprinte bestimmt.

10 Minuten später treffe ich schwitzend und außer Atem am Bus 1 ein. Hole mir direkt den ersten Spott der restlichen Nice Guys ab und die Aussage, dass wir leider nur Platz in der letzten Reihe gefunden haben. Dafür würden aber immerhin alle 5 zusammen da hinpassen… Wollt ihr mich verarschen!? Das ist doch der Hammer!! Mein ungewollter melancholischer Seufzer ist der Hinweis; ich fühle mich 15 Jahre alt und fahre auf Klassenreise. Nur, dass wir diesmal öffentlich Bier trinken und rauchen dürfen. Hachja, Duisburg! Ich bin bereit.

Der Hinweg gestaltete sich wie immer herrlich kurzweilig. Rückwege sind da eher das Problem. Irgendwann dämmert einem da nämlich häufig, dass es bereits Sonntagabend ist und morgen ein Job auf einen wartet. Bei einem EM-Legenden-Quartett und Bier war der erste Wettstreit auf der Rückbank entfacht. Einen mittelmäßigen 3. Platz konnte ich dank Hoeneß, Platini und Bierhoff erarbeiten. Und schon waren wir in Duisburg.

Vor dem Stadion wurde man in der Sonne stehend von Schildkröten beobachtet, die aber insgesamt (außer einem lächerlichen Vorfall mit einem „FCK CPS“-Pulli) einen recht entspannten Eindruck machten. Auf dem Weg ins Stadion zeigten sich an den Wänden noch Graffitis, die scheinbar vom letzten Heimspiel der Duisburger Drittligasaison zeugten: Zu lesen war ein freundlicher Hinweis an die „Kieler Fo***“, dass hier heute nichts zu holen sei. Aha. Duisburg. Gleiche Scheiße wie fast überall, nur blau-weiss angemalt. Im Stadion gab es dann leider mal wieder kein Bier, aber gut; schließlich sind wir hier zur Unterstützung der Mannschaft und nicht zum Saufen. Jedoch wäre die Musik in Form des „Zebratwist“ und der furchtbaren Neufassung von Blitzkrieg Bop („Hey Ho, MSV“) mit einem Bier vielleicht etwas erträglicher gewesen. So tat es nur weh. Genauso wie das gesponsorte Werbebanner einer Biermarke, welches zur 2. Halbzeit im Duisburg-Block hochgezogen wurde. Boah, da muss man echt schon viel Freibier in Aussicht und intus gehabt haben, um sowas zu machen. Naja. Immer wieder weiß ich, warum ich hier stehe.

Zum Spiel: Erst mit der Aufstellung fiel uns das Fehlen von Ziereis, Nehrig und Sobiech, sowie die Versetzung von Sobota auf. Hui. Dann sieht so eine Aufstellung auf einmal ganz schön mies aus. Zwar haben wir offensiv eigentlich fast das Stammpersonal auf dem Platz stehen, aber unsere Defensive ist nunmal das Prunkstück. Nun mit Dudziak hinten rechts. Auf gehts! Wir fangen wie immer tief an und warten erstmal ab, was da von Dusiburg so kommt. Die sind das komplette Spiel sehr engagiert, aber einfach unglaublich glücklos zur Unzeit. Durch unsere Doppelspitze gibt es im Zentrum des Platzes extrem viel Raum für die Duisburger, aber die können damit überhaupt nicht umgehen. Wenn dann mal ein Abschluss kam, dann war dieser harmlos. Nun lag es also an unserer Offensive aus einem müden Kick was zählbares mitzunehmen. Zwar hatten wir Mitte der 1. Hälfte mehr Spielanteile, doch zwingend war das nicht (klingt wie in der Sportschau hier). Halbzeit 2 fängt dann direkt mit einem satten Ding von Enis an. Der Mann verschleppt einiges, aber mit der Situation hat er uns wachgerüttelt und die 15-minütige Angriffsphase endete mit dem 1-0 von Ratsche (mal wieder Ratsche, das 3. 1-0 durch ihn in Folge). Danach hat sich auch unser Team wieder an das gewohnte Spielniveau des Tages angepasst. Duisburg konnte zwar Druck aufbauen, aber außer einem Fernschuss (schöne Beute für Himmelmann), kam nicht mehr viel. Stattdessen spielten wir unsere Konter nicht zuende und Verhoek besorgte sich dann den Ball in der Nachspielzeit einfach selbst. Bäm! 3 Punkte! Die Kurve gönnt Verhoek dieses Tor von Herzen.

Der Support in unserer Kurve kann als mäßig beschrieben werden. Fehlen die Stadionverbotlerstimmen? Oder waren zu viele Auswärtige dabei? Ich weiß es nicht. Vielleicht war es auch einfach der miese Sonntagskick, der den Funken nicht in die Kurve hat springen lassen. Das Stadion war zudem nur zu 2/3 gefüllt. Es läuft halt nicht in Duisburg. Ich bin trotzdem heiser in den Bus gestiegen. Gegen Braunschweig geht dann bestimmt wieder mehr. Hoffentlich sind da auch wieder alle fit. Sieht ja scheinbar ganz gut aus.

Die Rückfahrt ist dann so entspannt wie ein Feierabend. Unser Busfahrer verkauft fleißig Astra und wir sind dankbare Abnehmer. Beim wiederholten Passieren eines Stadions in Gladbeck wird dann Geschichtliches aufgedeckt: Hier fand 1948 das 1. Spiel zwischen Borussia Dortmund und dem FC St. Pauli (2-2) im Halbfinale der Norddeutschen Meisterschaft der britischen Besatzungszone statt. Das Wiederholungsspiel konnte dann 1-0 in Braunschweig gewonnen werden. Das wurde ja alles immer besser hier. Sieggeschwängert und bierbeschwipst fingen wir dann irgendwann an, wie es sich für die Lümmel von der letzten Bank gehört, mächtig Scheiße zu sabbeln. Herrlich. Soweit ich weiß haben wir niemanden genervt. Ein Traum von Rückfahrt. Mir dämmerte nicht mal, dass am nächsten Tag ein Job auf mich wartet; ich hab nämlich Urlaub. Duisburg? Immer wieder gern.

Nice Guys Sankt Pauli //flippa

Auch am Start:
SouthEndScum: Zebras aren’t fast enough for lions!
KleinerTod: Aus der Not drei Punkte gemacht
Grenzenlos Sankt Pauli: Grenzenlos, Glitzer-Ponpons & ein bisschen Glück
MagischerFC: Zebrastreifen am Horizont (Die waren ja sogar im selben Bus!?)