Archiv für März 2016

#senfdazu17

Boah, alter!

FC St. Pauli – SC Paderborn 3:4

Was war das denn? In der 1. Halbzeit findet der FC St. Pauli gar nicht statt und dann, als es um die Ananas ging, kommt sogar Fafa daher und macht noch ein Ding. Wir fangen grad nochmal an auf wasweißich zu hoffen und da pfeift der arrogante Stark auch schon ab. Na sowas kann ich ja so richtig ab. Nicht.

Der Tag startet ganz gut. Ab 16 Uhr stand ich vor der Süd in der Sonne und verkaufte Übersteiger. Klug wie ich war, hatte ich bereits sowohl ein Thermo-Unterhemd, als auch die (modisch unschlagbare) passende lange Unterhose dazu an. Bereits nach drei Minuten stehen, bemerkte ich eine Schweißperle, welche sich den ganzen Weg vom Nacken einmal runter bis naja ihr wisst schon vorgenommen hatte. Mit stoischer Gelassenheit und einem Grinsen im Gesicht stand ich da also, jeden Zentimeter verfolgend und genau wissend, dass diese VERDAMMT WARME hochtechnisierte Thermokleidung mir nachher wohlige Momente im Stadion schenken würde. Leider war das noch 2,5 Stunden hin. Und wenn man dann erstmal schwitzt, kann man seine Jacke ja nicht mal ausziehen. Das gibt laut Mama ja nur eine Erkältung. Ihr kennt das Dilemma.

Immerhin gingen die Übersteiger einigermaßen weg. Ich fragte mich zwischenzeitlich, ob es eine kluge Entscheidung war, diese Funktionskleidung mit einer doppelten Schicht (meine sogenannte Zwiebeltaktik) Wintersocken zu kombinieren. Seit über 10 Jahren habe ich nun meine Dauerkarte. Gefühlt die Hälfte aller Spiele findet bei Minusgraden statt. Wieso schaffe ich es nie mich passend anzuziehen? Das ist doch wirklich lächerlich! Viel zu spät, aber dafür mit der Genugtuung alle meine Übersteiger verkauft zu haben, komme ich die Treppen hoch. Ständiges, wohlig warmes und dumpfes Knallen von Unmengen an Luftballons empfängt mich im Stadion. Ein Celtic/St. Pauli-Banner zeigen sich mir als erstes auf der mit strahlenden Gesichtern vollgestopften Gegengerade. Ahhh. Hier bin ich richtig.

Wir hatten dieses Jahr bei uns noch nicht so wirklichen Offensivfußball. Paderborn und St. Pauli hatten scheinbar vor das zu ändern. Bakalorz und Sobiech haben sich bei der Seitenwahl wohl auf ein „Ach komm, machen wir einfach beide hinten auf und dann schauen wir wer mehr Tore schießt!“ geeinigt. Nominell spielt Paderborn mit einem 4-2-3-1. Das konnte aber bereits nach wenigen Minuten als 4-3-3 enttarnt werden und stellte unsere Jungs vor arge Probleme. Ich hatte das Gefühl, dass nicht mit diesem krassen Angriffsfußball und sofortigen Pressing von Paderborn gerechnet wurde. Leider war eine ganze Halbzeit nötig, um sich darauf einzustellen. Das 0-1 ist zwar vermeidbar, aber dafür eines der schönsten Tore, die ich je gesehen habe. Der Ball sollte genau da hin. In diesen Winkel. Mit genau dem Tempo. Klasse gemacht. Wir nutzen dann unsere Chancen zum Ausgleich leider nicht. Dudziak ist nunmal kein Stürmer, auch wenn er seinen Job da vorne eigentlich ganz gut gemacht hat. Vorm 0-2 wird schulbuchmäßig der Innenverteidiger (in diesem Fall Sobiech) aus der Kette gelockt, nur um dann genau in diese Schnittstelle zu spielen. Auch schön gemacht. Leider für die falsche Seite.

Die Paderborner jubeln dann direkt vor der Süd. Macht man jetzt vielleicht nicht unbedingt, aber ich vermute das Florian Hartherz (der Torschütze) als Außenverteidiger nicht so wirklich viel Erfahrung in Sachen Torjubel hat. Kurzer Blick in die Statistik Nein, hat er nicht. Es war nämlich sein 1. Tor überhaupt (bin ich stolz grad, ey!). Das dann vermehrt Becher von der Süd auf die Paderborner runtersegeln ist doch einfach kacke. Sind wir hier beim HSV oder was?! Das hat auch nichts mit Emotionen zu tun, sondern das hat was damit zu tun, dass ihr scheiße seid!

In Halbzeit 2 machen die Jungs dann das einzig richtige und werfen von Anfang an alles nach vorne. Das kann gut gehen, kann aber auch schief gehen, ist aber in dem Moment die einzige Alternative, wenn man noch was holen will heute. Wir nehmen dann leider die Option schiefgehen. Der Killer ist das 1-3 mitten in unserer Druckphase. Ein Konter nach einer Ecke von uns. Ich dachte eigentlich, dass Ziereis den Ball klären kann, aber irgendwas lief da schief. Ja. Das war das. Wir als Nice Guys sollten uns dann noch was schämen, dass wir es nicht zur Demo geschafft haben. Soweit ich das mitbekommen habe, ist alles einigermaßen friedlich verlaufen. Wenn die Polizei gestern nochmal ihre Show der letzten Heimspiele abgezogen hätte, dann wäre rechtmäßiger Zweifel an der Intelligenz angesagt gewesen.

Also, was tun mit diesem Wochenende? Schließlich sitze ich grad mit einem heftigen Brummschädel in der nach Bier stinkenden Küche. Heute ist Roller Derby angesagt: hier lang. Ist immer sehr lohnenswert. Achja und Ladies; Eure Plakate.. Auf den Punkt. Hammer! Dann wäre da noch die Celtic/St. Pauli-Party im Knust. Außerdem ist Samstag und wir sind alle jung und schön. Komm, wir finden schon was!

Zum Abschluss dann noch ein Bild von josy, welches den Abend doch recht gut zusammenfasst:

Nice Guys Sankt Pauli //flippa

Auch sehr zu empfehlen:
BeebleBlox: Zweitligaslapstick
SouthEndScum: Whaaaat????
Grenzenlos Sankt Pauli: Doch wenn ich aufwach’…
Magischer FC: Geplatzte Luftballons

#senfdazu16

St. Pauli-Fans gegen Fußballgötter

FC St. Pauli – Eintracht Braunschweig 1:0

Das macht doch Laune auf mehr: „Beide Teams zeichnet in dieser Saison vor allem ihre defensive Stabilität aus“, schreibt der Kicker und meint damit genau die Mannschaften, die wir uns auf so einem wunderschönen Donnerstagabend angucken dürfen. Nun kann man über das Für und Wider der Englischen Wochen wie über alle Anstoßzeiten aller deutschen Ligen fröhlich diskutieren und mit einigem Recht kritisieren; ein Donnerstagabendspiel gibt aber immerhin noch mehr fußballerische Euphorisierung her, als der klassische Kick auf einem Mittwoch um 17.30. Man kann über Kommerzialisierung des Fußballs sagen, was man will; immerhin gab’s Flutlicht. Und, im Gegensatz zu meinen bedauernswerten Mit-Nice Guys, die sich nach Duisburg aufgemacht haben letztes Wochenende, auch Bier im Stadion.

In unserer Verteidigung mussten wir wieder am Anfang auf den starken Sobiech verzichten, der zunächst auf der Bank saß und erst für die letzten 5 Minuten ins Spiel kam. Auch Buchtmann war leider verhindert, war wohl wegen zu vieler Gelber Karten gesperrt.

Beide Mannschaften waren gleich zu Beginn ungewöhnlich offensiv, womit mal wieder bewiesen wäre, dass die Ausnahme die Regel bestätig, so was waren wir alle doch gar nicht gewöhnt. Obwohl ohne viele wirklich großartigen Chancen, spielten beiden Mannschaften recht soliden Offensivfußball, ohne, dass man gleich von einer Abkehr der bisherigen Spielphilosophie sprechen müsste. Um mal den bei Puristen des Fußball eigentlich verpönten Entertainment-Faktor hinzuzunehmen, war diese Partie um einiges unterhaltsamer als das letzte Duisburg-Spiel, bei dem dieser Autor Mr Bean-mäßig mit Streichhölzern in den Augen verzweifelt gegen die Langeweile und die ihn übermannende Müdigkeit ankämpfte.

Trotz mehrerer Hinweise vom „Hintermann“, konnte Unser Aller Lieblings-Rzatkowski kein Tor erzielen, obwohl er bei mehreren Situationen nach Ecken und Freistößen erstaunlich frei lauerte und wo er da schon mal stand, auch den Ball gen Tor hämmerte. Freilich erfolglos. Weitere drei Punkte verdanken wir wohl ausgerechnet dem Mann, den meine Vorderfrau schmeichelhaft als den „Chancentod“ beschrieb, der aber dafür jetzt schon in seinem zweiten Spiel in Folge den Ball ins Netz semmelte: John Verhoek. Der übrigens, ich konnte es kaum fassen, mittlerweile von einigen bei der Aufstellungsaufrufung schon als „Fußballgott“ betituliert wurde. Nebst Ratsche und Sobiech. Da muss ich jetzt mal pedantisch dazwischen grätschen und zum Boykott der „Fußballgott“-Rufe aufrufen, das wird zu inflationär. Wie groß soll denn das St. Pauli-Pantheon noch werden? Wir wollen ja hier keinen engstirnigen Monotheismus fordern, aber auch keinen egalitären Free-for-all-ismus. Wenn ihr auf meiner Seite steht, dann postet bitte euren Support bei Twitter mit dem Hashtag #ReligionistheilbarFußballnicht oder drückt auf Like bei Facebook für „St. Pauli-Fans gegen Fußballgötter“. Nur um klarzustellen: unser Pantheon ist mit Truller, Stani, Ebbers, Asamoah (forever 16.2.2011) und vielen mehr bereits gut gefüllt, da müssen sich Leute wie Verhoek noch mehr verdienen, um dort aufgenommen zu werden.

Das hat jetzt nichts im engeren Sinne mit dem Spiel zu tun, aber musste mal erwähnt werden.

In diesem Sinne fassen wir noch mal zusammen: ein erstaunlich frisches Spiel (für alle im Stadion) bringt uns drei Punkte und nun stehen wir mit 42 weit oberhalb der Abstiegsplätze und stehen auf dem 4. Platz recht komfortabel da und wir fragen uns wohl alle angesichts der teilweise verheerenden Offensivleistung, wie wir das eigentlich gemacht haben. Aber als guter Fußballfan wollen wir auch gar nicht zu lange darüber nachdenken, nachher ist das alles nur ein Traum und wir wachen irgendwann auf und stellen fest, dass wir eigentlich in der 3. Liga gegen den Dino spielen müssen. Ächz. Dann doch lieber torlos (#liebertorlos).

Nice Guys Sankt Pauli //josy

Auch am Start:
Grenzenlos Sankt Pauli: Klassenerhalt, nein danke!
BeebleBlox: Maulwurfshügeltore
Magischer FC: Macht und Ohnmacht
KleinerTod: Neue Ziele? Alle Richtungen nach wie vor
SouthEndScum: Now, GTFOOH!
Stefan Groenveld-Blog: Klassenerhalt