#senfdazu16

St. Pauli-Fans gegen Fußballgötter

FC St. Pauli – Eintracht Braunschweig 1:0

Das macht doch Laune auf mehr: „Beide Teams zeichnet in dieser Saison vor allem ihre defensive Stabilität aus“, schreibt der Kicker und meint damit genau die Mannschaften, die wir uns auf so einem wunderschönen Donnerstagabend angucken dürfen. Nun kann man über das Für und Wider der Englischen Wochen wie über alle Anstoßzeiten aller deutschen Ligen fröhlich diskutieren und mit einigem Recht kritisieren; ein Donnerstagabendspiel gibt aber immerhin noch mehr fußballerische Euphorisierung her, als der klassische Kick auf einem Mittwoch um 17.30. Man kann über Kommerzialisierung des Fußballs sagen, was man will; immerhin gab’s Flutlicht. Und, im Gegensatz zu meinen bedauernswerten Mit-Nice Guys, die sich nach Duisburg aufgemacht haben letztes Wochenende, auch Bier im Stadion.

In unserer Verteidigung mussten wir wieder am Anfang auf den starken Sobiech verzichten, der zunächst auf der Bank saß und erst für die letzten 5 Minuten ins Spiel kam. Auch Buchtmann war leider verhindert, war wohl wegen zu vieler Gelber Karten gesperrt.

Beide Mannschaften waren gleich zu Beginn ungewöhnlich offensiv, womit mal wieder bewiesen wäre, dass die Ausnahme die Regel bestätig, so was waren wir alle doch gar nicht gewöhnt. Obwohl ohne viele wirklich großartigen Chancen, spielten beiden Mannschaften recht soliden Offensivfußball, ohne, dass man gleich von einer Abkehr der bisherigen Spielphilosophie sprechen müsste. Um mal den bei Puristen des Fußball eigentlich verpönten Entertainment-Faktor hinzuzunehmen, war diese Partie um einiges unterhaltsamer als das letzte Duisburg-Spiel, bei dem dieser Autor Mr Bean-mäßig mit Streichhölzern in den Augen verzweifelt gegen die Langeweile und die ihn übermannende Müdigkeit ankämpfte.

Trotz mehrerer Hinweise vom „Hintermann“, konnte Unser Aller Lieblings-Rzatkowski kein Tor erzielen, obwohl er bei mehreren Situationen nach Ecken und Freistößen erstaunlich frei lauerte und wo er da schon mal stand, auch den Ball gen Tor hämmerte. Freilich erfolglos. Weitere drei Punkte verdanken wir wohl ausgerechnet dem Mann, den meine Vorderfrau schmeichelhaft als den „Chancentod“ beschrieb, der aber dafür jetzt schon in seinem zweiten Spiel in Folge den Ball ins Netz semmelte: John Verhoek. Der übrigens, ich konnte es kaum fassen, mittlerweile von einigen bei der Aufstellungsaufrufung schon als „Fußballgott“ betituliert wurde. Nebst Ratsche und Sobiech. Da muss ich jetzt mal pedantisch dazwischen grätschen und zum Boykott der „Fußballgott“-Rufe aufrufen, das wird zu inflationär. Wie groß soll denn das St. Pauli-Pantheon noch werden? Wir wollen ja hier keinen engstirnigen Monotheismus fordern, aber auch keinen egalitären Free-for-all-ismus. Wenn ihr auf meiner Seite steht, dann postet bitte euren Support bei Twitter mit dem Hashtag #ReligionistheilbarFußballnicht oder drückt auf Like bei Facebook für „St. Pauli-Fans gegen Fußballgötter“. Nur um klarzustellen: unser Pantheon ist mit Truller, Stani, Ebbers, Asamoah (forever 16.2.2011) und vielen mehr bereits gut gefüllt, da müssen sich Leute wie Verhoek noch mehr verdienen, um dort aufgenommen zu werden.

Das hat jetzt nichts im engeren Sinne mit dem Spiel zu tun, aber musste mal erwähnt werden.

In diesem Sinne fassen wir noch mal zusammen: ein erstaunlich frisches Spiel (für alle im Stadion) bringt uns drei Punkte und nun stehen wir mit 42 weit oberhalb der Abstiegsplätze und stehen auf dem 4. Platz recht komfortabel da und wir fragen uns wohl alle angesichts der teilweise verheerenden Offensivleistung, wie wir das eigentlich gemacht haben. Aber als guter Fußballfan wollen wir auch gar nicht zu lange darüber nachdenken, nachher ist das alles nur ein Traum und wir wachen irgendwann auf und stellen fest, dass wir eigentlich in der 3. Liga gegen den Dino spielen müssen. Ächz. Dann doch lieber torlos (#liebertorlos).

Nice Guys Sankt Pauli //josy

Auch am Start:
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BeebleBlox: Maulwurfshügeltore
Magischer FC: Macht und Ohnmacht
KleinerTod: Neue Ziele? Alle Richtungen nach wie vor
SouthEndScum: Now, GTFOOH!
Stefan Groenveld-Blog: Klassenerhalt