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FC St.Pauli- 1.FC Kaiserlautern 5-2
Ein rein subjektiver Saisonausblick

Aus und vorbei, der letzte Vorhang ist gefallen, die Saison 15/16 ist zu Ende. Zeit also mit diesem Blog-Beitrag, neben einer kurzen Beschreibung eines unwichtigen Sommerkicks, einen kleinen Blick auf die nächste Saison zu werfen.
Schon geil, wenn man weiß, dass Myaichi in unseren Reihen unterwegs ist. Ein Spieler „der den Unterschied machen kann“, wie man so schön sagt. Nachdem es in den letzten Spielen wirkte als sei ein bisschen die Luft raus, konnte dieses Mal doch noch einmal der Arsch zusammengekniffen werden.
Gute Leistungen während einer Saison sind in der 2.Liga ein zweischneidiges Schwert. Klar, es ist großartig nicht wie im Vorjahr gegen den Abstieg zu spielen. Wenn man aber auf dem 4.Platz landet, also zu den besten Teams der Liga gehört und dann nicht aufsteigt hat man ein Problem: Die guten Leistungen wecken Begehrlichkeiten anderer Vereine. So wird es bei uns nach dieser Saison einen kräftigen Einschnitt geben. Neben den bereits feststehenden Abgängen kann der Verbleib von einigen Leistungsträgern zumindest als unklar bezeichnet werden. Liebe zum Verein hin oder her, wenn Du die Möglichkeit hast in deiner kurzen Karriere das 3-/4-fache zu verdienen und dann noch in der 1.Liga kicken kannst, dann wird das fast jeder tun oder es zumindest ernsthaft in Erwägung ziehen. Die Spieler müssen davon überzeugt werden, dass es mit St.Pauli möglich ist in der kommenden Saison ernsthaft um den Aufstieg mitzuspielen. Diese Frage werden wir uns in der Sommerpause alle stellen. Ist es wirklich möglich? Vor allem, wenn man die Absteiger aus der 1.Liga bedenkt? Ich denke, dass es möglich ist. Allerdings müssen die wohl unvermeidbaren Abgänge adäquat ersetzt oder das System umgestellt werden.
In der Saison 15/16 konnten wir allen voran mit schnellem Umschaltspiel überzeugen. Tief und kompakt stehen, den Gegner in riskante Zweikämpfe verwickeln und dann schnell kontern. Dieses System funktioniert, wenn man über vier verschiedene Spielertypen verfügt: In der Innenverteidigung wird Wert auf Zweikampfstärke und Lufthoheit gelegt. Gegen tiefstehende Mannschaften wird nämlich häufig mit Flanken aus dem Halbfeld gearbeitet, da meist einzig in den Halbfeldern Raum von der verteidigenden Mannschaft gegeben wird. Zum Umschalten wird dann ein sogenannter Umschaltspieler benötigt: Stark in der Balleroberung, schnell und gerne auch treffsicher. Zusätzlich braucht man einen Stürmer, der Bälle „festmachen“ kann um sie auf die nachrückenden Außenspieler zu verteilen. Die Außenspieler sind dann idealerweise pfeilschnell und stark im Offensivdribbling. Von diesen Spielertypen haben wir einige bei uns im Kader. In der Innenverteidigung zwei Türme mit Sobiech und Ziereis, mit Lennart Thy im Sturm einen Spieler, der nicht an Toren gemessen werden darf (auch wenn er sie geschossen hat), neben Sobota und Dudziak haben wir in Myaichi eigentlich einen Neuzugang auf den Außen zur neuen Saison und mit Rzatkowski steht der wohl beste Umschaltspieler der 2.Liga in unseren Reihen. Nun kommen wir zum Problem: Bis auf die Außenspieler ist der Verbleib aller genannten Spieler zumindest unklar, wenn nicht sogar bereits der Abgang feststeht. Erfolgreiches Umschaltspiel ist in der Saison 16/17 somit nur möglich, wenn die Abgänge ersetzt werden. Besonders die Position des Umschaltspielers ist hochkarätig zu be-/ersetzen. Allerdings wird man sich in der nächsten Saison auch nicht nur auf diese Spielform verlassen können. Besonders in der Rückrunde wurde deutlich, dass wir gegen Mannschaften die ihrerseits tiefstanden, enorme Probleme im Kreieren von Torchancen hatten. Besonders wenn man berücksichtigt, dass die anderen Teams der 2.Liga auch in der nächsten Saison, ähnlich wie nun in der Rückrunde passiert, sich an das System von St.Pauli anpassen und nicht mehr primär versuchen werden ihr eigenes Spiel durchzudrücken. Das ist ein weiterer Effekt der erfolgreichen Saison 14/15.

Somit ist es zur neuen Saison auf jeden Fall notwendig das Offensivspiel zu verbessern. Hierzu bieten sich verschiedene Systeme an. In dieser Saison wurde mit einem fallenden Sechser agiert. Hierbei fiel einer der beiden Sechser (meist Alushi oder Buchtmann) zwischen die beiden Innenverteidiger und unterstützte die Ballzirkulation bis Räume im nächsten Spielfelddrittel geschaffen wurden. Bei diesem System können die beiden Außenverteidiger auf Höhe der offensiven Außen rücken. Wenn dann noch bei Ballbesitz der Spieler aus der Offensivzentrale auf die Außen ausweicht, kann dort eine Überzahl in Ballnähe geschaffen werden, welche dann über Kurzpassspiel und kluge Laufwege ideal zum Herausspielen von Torchancen genutzt werden kann. An sich ein wirklich wirkungsvolles System, welches z.B. Dortmund diese Saison beeindruckend umgesetzt hat (auch wenn bei Dortmund durch die Spielstärke von Hummels häufig auf den fallenden Sechser verzichtet wurde). Pisczek und Schmelzer in diesem System als Verteidiger zu bezeichnen, könnte als Beleidigung aufgefasst werden. Anhand des Kaders von St.Pauli wären jedoch auch andere Varianten denkbar. So kann gerade bei unterschiedlichen Stürmertypen im Kader, wie Fafa und Bouhaddouz es sind, über ein System mit zwei Stürmern nachgedacht werden. Es müsste dann allerdings einer der drei zentralen Mittelfeldspieler geopfert werden, welches vor allem in der Defensivarbeit Nachteile mit sich bringen könnte. Diesen Verlust könnte man über eine Mittelfeldraute kompensieren. Dabei würden die äußeren Mittelfeldspieler weiter ins Zentrum rücken und die Außenverteidiger müssten noch offensiver agieren. Das System ist recht altbacken (Werder ist damit 2004 Meister geworden) und verlangt massive Dominanz der zentralen Positionen. In moderner Interpretation wird offensiv aus dem 4-4-2 ein 3-5-2 mit fallendem Sechser und enorm offensiven Außenverteidigern.

Aus meiner Sicht wesentlich interessanter ist ein System mit Außenstürmern, also ein 4-3-3, welches offensiv dann als 3-4-3 gespielt werden kann, also ebenfalls mit fallendem Sechser (den es also inzwischen in eigentlich jedem System gibt). Hierbei könnten die drei zentralen Mittelfelder bestehen bleiben und zwei zusätzliche Stürmer sehr viel Druck auf die Viererkette erzeugen. Wenn der Ball dann erst einmal das letzte Drittel erreicht wird es schnell saugefährlich. Besonders die Außenstürmer müssen hierbei technisch versiert und schnell sein. Solche Spieler haben wir mit Sobota, Fafa und allen voran Myaichi im Kader. Diese Geschwindigkeitsvorteile können in diesem System unter anderem über Diagonalbälle eingesetzt werden, aber auch, wie beim 4-2-3-1, anhand der Überladung der Außen.

Alle Systeme haben jedoch gemeinsam, dass erst einmal Raum geschaffen werden muss, um den Ball in Strafraumnähe an den Mann zu bringen. Genau dies ist jedoch unser aktuell größtes Problem in der Offensive. Es ist also klar, woran in der Sommerpause gearbeitet werden muss und ich bin mir sicher, dass dies auch allen Verantwortlichen bewusst ist (vermutlich haben sie ganz andere Ding ausfindig gemacht, die noch viel wichtiger sind). Ehrlichgesagt kann ich nur mutmaßen was da im Sommer ausbaldowert wird. Die Verpflichtung eines weiteren Stürmers könnte jedoch einen Hinweis auf eine Systemumstellung geben. Es kommt auf jeden Fall eine Menge Arbeit auf Mannschaft und Trainerteam zu.
Teile der Sommerpause werde ich jetzt auf jeden Fall erstmal mit intensiver Lektüre des neuen Übersteigers verbringen. Schön, dass der in neuem Glanz erstrahlt!

Nice Guys Sankt Pauli// timbo

Stefan Groenveld-Blog: Versöhnliches zum Saisonausklang