Archiv für November 2016

#drumherum6

besorgte Leser

Nach der gestrigen Niederlage erreichte uns diese Nachricht eines besorgten Fans und Blog-Lesers. Der Bitte diese Nachricht zu veröffentlichen, kommen wir natürlich umgehend nach. Zu wichtig sind diese Erkenntnisse.


Sehrt geehrte Nice Guys-Redaktion,
ich lese ihren Block immerbin seidt der erst Nachricht dabei. Was mir an der sportlichen Situation aufgefallen ist, muss ich ihn einfach sagen!!!!1! Der FC St.Pauli wird schon „Oben“ beschissen wo es nur geht. Seidt unser werter Herr Rettig sich GEGEn Fernehgelder aufgeregt hat verliert der Verein jedes Spiel!!“!! Ich sage ihnen das ist KEIN Zufal!. Ich wohne seid 34 Jahre in Niendorf und seid Herr Rettig was gegen Fernsehgeld gesagt hat fliegen viel mehr Flugzeuge Über das Treningszentrum. Am Abend beim Spiel gegen Nurnberg waren 17(!!)!1 wo sonst nur 8 fliegen. KEIN Zufal!!1! Der DFB macht die den FC St.Pauli mit „chemtraills!“ kaput. Die Vielen Verletzen sind ein Beweis! Die von „Oben“ wollen daß der Verein absteigt, damit alle Mundtot sind. HERR Lienen muss das Trening in eine Halle verlgen damit keiner mehr vergiftet wird. Wies onst verletzten sich SO VIELE SPIELER??? Hauptsache JA-SAGER in der Bundesliga keine Kritiker werden akzeptirt. Immer schön alles von „Oben abnicken, das liebe DIE! IChbin kein Reichsbürger und auch kein Pupulist, ich bin 1 Fan von diesem Verein und sage nur was ich sehe. 17 Flugzeuge statt 8 ist kein Zufall!!!1!

Thomas G., 54 (Name von der Redaktion geändert)

Ernsthafte Ansichten zum Wochenende und zum Stand der Dinge hier:
Übersteiger-Blog – 13.Spieltag (H) – Fortuna Düsseldorf (und: Verein am Wochenende 46/16)
Beeblebox – Licht aus?
Groeni – Haste Scheisse am Fuß, haste scheisse am Fuß

#timbostaktik2

Dieser Beitrag erschien bereits am 07. November 2016 im ÜS-Blog.

Jeder, der ein Spiel von uns diese Saison wirklich gesehen hat (und nicht nur zum Party-machen im Stadion war), dem ist aufgefallen, dass es irgendwie nicht läuft aufm Spielfeld. Es scheint so, als würden wir es nicht schaffen das Spiel geordnet aufzubauen, geschweige denn offensiven Druck auf den Gegner zu erzeugen. Doch woran liegt das? Was hat sich im Vergleich zur letzten Saison geändert?

Zuallererst müssen wir einmal feststellen, dass die Probleme im Spielaufbau nicht erst diese Saison aufgetreten sind, sondern dass dies ein Problem ist mit dem sich Mannschaft und Trainerteam(s) seit Jahren auseinandersetzen. Letzte Saison wurden die Probleme im Offensivspiel mit einem 4 2 3 1 durch sehr gut funktionierendes Konterspiel maskiert. Auffällig war aber bereits, dass wir eher gegen hoch verteidigende Teams wie Leipzig, Freiburg, Braunschweig und Fürth gut zurechtkamen. Stellte sich ein Gegner tief hinten rein und überließ uns das Spiel, wurde es schwierig (siehe 1:3 vs. Sandhausen oder 0:2 vs. 1860). Nach gutem Saisonstart sprach sich rum, wie man St. Pauli knacken kann, welches die immer noch gute, aber im Vergleich zur Hinrunde eher mäßige Rückrunde erklärt. Somit war eine Änderung der taktischen Ausrichtung, auch weil Leistungsträger den Verein verließen, zur neuen Saison unausweichlich.

Offensivsystem der Vorsaison - 4-2-3-1 mit offensiver Zentrale, welche auf Außen ausweicht und nachrückendem Sechser

Das Offensivkonzept von Ewald und seinem Team beruht auf dem Versuch eine Überzahl auf den offensiven Außen zu schaffen, sogenannte Überladungen. Hierzu bewegten sich in der letzten Saison die Spieler auf eine Seite, um dort Situationen zu erzeugen, die es erlaubten einen gezielten Ball ins Sturmzentrum zu spielen. Dieses System funktionierte unter anderem wegen eines nicht oder zu gering besetzten Sturmzentrums nicht immer. Wie also die Präsenz im Sturmzentrum erhöhen? … Richtig! Ein zweiter Stürmer muss her! Zur neuen Saison wurde daher ein System mit zwei Stürmern entwickelt, also von einem 4 2 3 1 auf ein 4 4 2 (oder 4 2 2 2). Hierzu wurde der zentral offensive Mittelfeldspieler aufgegeben, der sonst immer bei den Überladungen mithalf, indem er den Ball in die Zone auf den offensiven Außen spielte oder trug und diese dann mitbesetzte. Stattdessen wurde diese Position nun in eine falsche Neun umgewandelt. Die Überladungen auf den Außen sollten nun durch einen der äußeren Mittelfeldspieler (Kalla, Sobota – Besetzungen der Positionen aus dem Heimspiel vs. Braunschweig), einen hoch stehenden Außenverteidiger (Hornschuh, Hedenstad) und durch horizontale Bewegungen eines Stürmers (meist Picault) übernommen werden. Das Sturmzentrum wurde durch den zweiten Stürmer und situativ durch den zweiten Außenverteidiger besetzt. Die beiden Sechser (Nehrig, Buchtmann) waren aufgrund der hohen Außenverteidiger gezwungen, sich defensiv zu halten, um mögliche Konter zu unterbinden. Somit wurde auch das Nachrücken eines Spielers, wenn der zentral offensive Mittelfelder das Zentrum verließ, wie es letzte Saison mit Rzatkowski gespielt wurde, zugunsten des besetzten Sturmzentrums seltener. Um die Überzahl auf den Außen zu erzeugen, muss der Ball möglichst kontrolliert in diese Zone gebracht werden, welches sich als Hauptproblem dieses System herausstellte. Hierfür werden sogenannte Nadelspieler benötigt, also Spieler, die Bälle unter hohem Druck behaupten und durch enge Passagen (wie im Mittelfeldzentrum) in die überladene Zone weiterleiten können. Diese Aufgabe kam in diesem System auf die äußeren Mittelfeldspieler Kalla und Sobota zu, welche sich bei offensiver Aufteilung ins Zentrum bewegten, um Bälle aus der Abwehr entgegenzunehmen und auf die Außen weiterzuleiten.

So weit, so gut. Das Weiterleiten der Bälle kann jedoch zu einer Mammutaufgabe werden, wenn der Gegner sich von der Präsenz der Außenverteidiger nicht beeindrucken lässt und stattdessen zentrumsfokussiert bleibt. Funktioniert diese Verbindung nicht, dann bleibt als weiteres Mittel nur noch der lange Ball in die überladene Zone, welches in unserem Fall aber oft mehr für Hektik, als für offensives Kombinationsspiel sorgte. Durch mangelhaftes Nachrücken und Positionsspiel entstanden unterbesetzte Räume im Zentrum (meist wurde dieses nur vom eingerücktem äußeren Mittelfelder besetzt). Daher konnten Abpraller und zweite Bälle selten gewonnen werden und Gegenpressing nach Ballverlusten fiel meist ganz aus. Hierdurch eröffneten sich Räume für Konter. Reaktionen auf den miesen Saisonstart und auf Verletzungen waren dann die schleichende Rückkehr zum 4 2 3 1 (mit Choi im Zentrum statt Picault als falsche Neun), welches wieder vorsichtigeres Vorrücken der Außenverteidiger und einen höher stehenden Buchtmann zur Folge hatte. Das Problem des schlecht funktionierenden Verbindungsspiels blieb jedoch. Verunsicherung und mächtig Druck durch schlechte Ergebnisse taten ihr Übriges.

Offensivsystem zu Beginn 16/17 – 4-4-2 mit offensiven Außenverteidigern, zwei Stürmern und defensiven Sechsern (aus dem Spiel vs. Braunschweig)

Neben der fehlenden offensiven Durchschlagskraft, stottert es jedoch auch in der Defensive. An den ersten zehn Spieltagen haben wir uns immer mindestens ein Gegentor gefangen. Eine Situation die untragbar ist. Vor allem, wenn in der Vorsaison in ganzen 16 Spielen die ‚Null‘ gehalten wurde. Zu Beginn der Saison wurden aufgrund der hohen Außenverteidiger die Räume zwischen den Ketten im defensiven Umschaltmoment nicht immer schnell genug geschlossen. Dadurch konnten die gegnerischen Teams ihrerseits Überladungen auf den Außen erzeugen und immer wieder kontrolliert in Abschlussnähe kommen. Ohne eine funktionierende Defensive fehlte es auch an Kontersituationen, da es nur sehr wenige direkte Ballgewinne gab. Nach den taktischen Änderungen geht das Defensivkonzept grundsätzlich auf (Ausnahme Sandhausen). Wer das jetzige Defensivkonzept noch kritisiert, der kritisiert das System der letzten Saison, es ist nämlich identisch.

Es gab jedoch ganz andere Probleme, die letzte Saison nicht auftraten: Verletzungspech und reihenweise individuelle Fehler. Mit der viel zitierten ‚Kompaktheit‘ meint Ewald letztendlich nix anderes als enge Räume und das gemeinsame Ausbügeln der Fehler einzelner Spieler. Zusätzlich ist die, durch Sperren und Verletzungen notwendige, ständige Neuformierung der Viererkette ebenfalls nicht hilfreich, wenn es darum geht gemeinsam zu verschieben und im Raum zu verteidigen.

Was ist also zu tun? Eine Möglichkeit ist der Reset-Button, also die Rückkehr zum Fokus auf die Defensivarbeit und ausgereiftem Konterspiel, welches uns bereits vor zwei Jahren vorm Abstieg bewahrte. Bei eigenem Ballbesitz ist ein Sicherheitskonzept á la Darmstadt denkbar. Hierbei werden vornehmlich lange Bälle in die Spitze gespielt und auf Abpraller und zweite Bälle gepresst. Ein furchtbar hässliches System, aber eben extrem sicher, da Ballverluste in offenen Räumen nahezu unmöglich sind. Ein solches Sicherheitskonzept wird es jedoch eher nicht geben, vielmehr werden Ewald und sein Team versuchen, eine Mischung aus beiden Systemen zu erschaffen, die wieder zentrumsfokussierter ist, ohne Defensive und Strafraumbesetzung aufzugeben. Ein System mit einem offensiveren Sechser und nur situativ hohen Außenverteidigern wäre denkbar.

Ich persönlich finde, dass ein System mit mehreren Stürmern die richtige Antwort auf Mannschaften im 4 2 3 1 ist, wie der Erfolg von Teams wie Köln und Hoffenheim zeigt, die ein ganz ähnliches System in der 1. Liga spielen lassen. Die Umstellung in der Sommerpause ist also keine falsche Entscheidung gewesen. Allerdings braucht so ein System sowohl Zeit, als auch Praxistests (und damit sind keine Testspiele gemeint). Zwei Dinge, die wir momentan nicht haben bzw. uns erlauben können. Was macht jetzt noch Mut? Zum Beispiel die Tatsache, dass wir nicht das einzige Team in Liga zwei sind, welches mit Problemen im Spielaufbau hadert. Allerdings sind wir die einzigen die zusätzlich mit erschreckender Konstanz Gegentore fangen. Hier bleibt festzuhalten, dass die Defensivprobleme nicht unlösbar sind, handelt es sich doch meist um individuelle Fehler von Spielern, die letzte Saison defensiv glänzen konnten. Es bleibt also Hoffnung.

Nice Guys Sankt Pauli //timbo

#senfdazu28

Das erste Mal

FC St. Pauli – 1. FC Nürnberg 1:1

Man, habe ich mich gefreut. Zuerst stelle ich fest, dass es heute ziemlich wenig Nice Guys ins Stadion schaffen werden und dann packt mich flippa und faselt irgendwas von Sitzplatz und Skinheads. Bevor ich diese Wortfetzen zu einem sinnergebenden Satz zusammengebastelt hatte, standen wir auch schon bei den Skins. Geile Scheiße! Sitzplatz auf der Gegengerade, das hatte ich zuletzt 1996 gegen Unterhaching im Pokal-Achtelfinale erleben dürfen (1:0; Nicolay Pisarev, 78.Min). Und nun also bei der ‚Singing Area‘, genau die ‚Singing Area‘ zu der ich früher immer hochgeschaut habe, im wörtlichen und im übertragenen Sinne. Und nun das erste Mal selbst hier oben, hach! Und dann der Blick aufs Spielfeld… Donnerwetter! Vielleicht waren meine Eindrücke so intensiv, weil ich bereits leicht angedudelt ins Stadion schlenderte. Unser Edel-Exilanten-Nice Guy Scott hatte sich angekündigt und da passiert es dann durchaus, dass bereits vorm Spiel unfassbarer Durst auftritt. Das gestrige Spiel ist Etappe 1 von 4 auf seinem Deutschland-Trip, von dem wir hoffentlich noch lesen werden. Beim Bier im Viertel dann immer wieder suchende Blicke und brandheiße Gerüchte. 150 Nürnberger im Viertel? Gibt es hier gleich Ärger? Jetzt sind sie am Jolly! Ehrlichgesagt ist das nicht neu für mich. Gefühlt jedes zweite Heimspiel gibt es so ne Welle. Tatsächlich passiert dann meist wenig. Aber hey, ein bisschen Spannung beim Blick die Straße runter bleibt dann doch. Bestes Entertainment also bereits vorm Spiel. Während ich den Blick aufs Spielfeld und die Atmosphäre im Block, die eher an ein Familientreffen erinnert, genieße, wird auch schon ein Banner hochgezogen; es geht also los.

Wir starten mit Koglin links und Avevor als IV. Kann man so machen. Sahin von Beginn an, Litka dafür nur auf der Bank. Nachm Pokal hielt ich es andersrum für wahrscheinlicher, aber haste ne Ahnung wie die trainiert haben?!… wird schon passen. Und das tat es auch: In den ersten 20 Minuten gab es ein bisher noch nicht am Millerntor gesehenes Angriffspressing von uns. Ich war schwer beeindruckt und der Club anscheinend auch, wir gehen früh in Führung. Neben dem neuen Angriffspressing gab es eher ein Comeback des Systems der letzten Saison, also mit aufrückendem Sechser, der in Person von Buchtmann dann auch gleich mit dem 1:0 glänzte. Ansonsten wieder die viel zitierte „Kompaktheit“ und das Lauern auf Ballgewinne zum schnellen Umschalten. Nach 15 Minuten dann wieder Rückkehr zum Mittelfeldpressing mit Buchtmann in der Mittelfeldkette und Nehrig entweder in der Abwehr oder zwischen den Ketten, also entweder 5-4-1 oder 4-1-4-1. Der Club fing an sich recht ansehnlich nach vorne zu spielen. Besonders schnelle horizontale Verlagerungen erzeugen immer wieder Lücken im Verschieben bei uns. Gegentore sind wir ja inzwischen gewohnt, es ist saisonübergreifend das 16(!).Spiel in Folge mit Gegentor, und auch dieses hatte sich mal wieder angekündigt. War auch irgendwie klar, dass der Burgstaller die Kugel reindrückt, der momentane Lauf der Nürnberger ist recht eng mit seiner Leistung verknüpft. Die zweite Halbzeit dann megamäßig zerfahren. Spielfluss gab es eigentlich keinen mehr, wir zogen uns in ein tiefes Mittelfeldpressing zurück. Das Ding von Sahin ist natürlich echt bitter und auch sonst hatten wir die besseren Chancen, wenngleich es weiterhin vielviel Stückwerk ist.

Der Einsatz, der Wille, die Moral ist vorhanden. Man merkt sofort, dass hier wieder ein anderes Bewusstsein in der Mannschaft herrscht. Alle wissen worum es geht. Wenn man so spielt, dann sind selbst Top-Teams, wie Nürnberg es momentan ist, auf Augenhöhe. Bitter ist natürlich weiterhin die Verletztenliste. Hier schlummert noch viel mehr Potenzial. Ich möchte mich eigentlich ungern auf die Leistung einzelner Spieler beziehen, aber wenn Bouhaddouz wieder fit wird, das wäre schon was. Im Grunde haben wir nämlich gestern nur zu zehnt gespielt.

Jedenfalls hoffe ich, dass ich nicht das letzte Mal hoch zu den Skinheads gespült werde. Ich bin ja recht eigen mit meinen Nebenleuten, wenn es ums Fußballschauen geht. Mich nervt da immer Gefachsimpel trotz fehlendem Fachwissen (welches ausschließlich bei mir zu Genüge vorhanden ist!) und die Sauf-Pauli-Paaadie-Einstellung. Hier oben ist alles besser, der Himmel so nah.
Über die Gründe für Meggles Aus braucht man nicht viel spekulieren, allerdings ist das Aus selbst noch reine Spekulation, wenngleich die Anzeichen ziemlich eindeutig sind. Der Kader ist dann doch an zwei Stellen zu dünn besetzt, die Verletzungen tun ihr Übriges dazu. Wie kündigt man eigentlich ein unbefristetes Arbeitspapier in einem Fußball-Club, Oke? Ich hoffe, dass „Fehler in der Kaderzusammensetzung“ als Kündigungsgrund im Vertrag stehen!? Ehrlichgesagt würde ich mir wünschen, wenn es da wieder mal eine menschliche Lösung geben wird, wie es bereits mehrfach vom Präsidium geschafft wurde.

Nice Guys Sankt Pauli //timbo

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