#senfdazu29

Nur noch 30!

FC St. Pauli – 1. FC Kaiserslautern 0:0

„Lass mal vorm Spiel noch wetten! 1:0 Ergebniswette. Sicheres Ding.“

Klang absolut einleuchtend. Wir machen in einem offenen Spiel in der 75. Minute das 1-0 und zittern das mehr schlecht als recht nach Hause. Meinetwegen auch durch einen unberechtigten Handelfmeter nach klarer Abseitsstellung in der 90. Minute. Alles überhaupt kein Problem. Hauptsache ein Dreier heute. Ist mir sowas von scheißegal, wie das klappt. Punkte, verdammte Scheiße!

Freitag. Dom. Minusgrade, aber trocken. Früh Feierabend bei der Arbeit, zuhause schon eine halbe Stunde vor Treffpunkt im Wettbüro in voller Montur Fingernägel kauend in der Küche sitzend. Ich schließe an solchen Abenden bedingungslos aus, dass wir keinen Dreier holen. Der Übersteiger-Adventskalender lenkte wenigstens etwas ab. Mit jeder Minute näher am Anpfiff, wächst in mir die Gewissheit, dass die Wettanbieter einem quasi Geld schenken, indem es überhaupt noch eine Quote auf St. Pauli gibt. Selbstverständlich atomisierte ich, obwohl bereits gewettet, noch einen weiteren Schein mit einer Handicap-Wette.

„Wir gewinnen mit mindestens zwei Toren Vorsprung? -Ja natürlich, Du Knackwurst! Shut up and take my money!“ *theatralisch ab* (So oder so ähnlich der Auftritt im Wettbüro)

Wir starten wie schon die letzten Heimspiele sehr gut und sind die komplette erste Hälfte die bessere Mannschaft. Einmal Sobiech per Kopf an die Latte und einmal Bouhaddouz aus selbiger Position mit einem Kopfball, der im Tor landet (den Pfiff des Schiris überhörte ich gekonnt und verschenkte lieber den Großteil meines Bieres an die Mütze meiner Stehnachbarin). Wir waren dran. Das lag an der Einstellung. Jeder Spieler rackerte sich den Arsch ab. Es kann also nicht behauptet werden, dass Ewald die Mannschaft nicht mehr erreicht oder ähnliches. Der Elfmeter von Stieber konnte dann gar nicht reingehen. Satte 6 Minuten stand der Ungar einsam am Elfmeterpunkt und die Muskeln wurden kalt, während der Kopf arbeitete. Mit Heerwagen haben wir einen starken Ersatzmann, doch die Verletzung von Himmelmann passt natürlich klasse in die aktuelle Misere.


Ich nehme es nur noch hin. Einfach langsam trinken..

Nach der Halbzeit dann Bouhaddouz mit der Chance des Abends. In einer Mischung aus Bierdusel und Enthusiasmus behauptete ich felsenfest, dass das gar kein Pfosten war, sondern der Ball auf der Linie gehalten wurde. Scheinbar schaute ich schon in zwei Richtungen. Egal, wir sind besser, wir gewinnen das Ding heute noch. 75. Minute und dann durchzittern. Meine Handicap-Wette ist mir sowieso wurst. Alles im Plan. Leider verflachte die Partie und richtig drückend wurden wir nicht mehr. An solchen Abenden ist sicherlich jeder Gegner mit einem Punkt am Millerntor zufrieden.

Der Rest des Abends ist dann für mich ein Mix aus zu viel Bier und Frustation/Ernüchterung. Die hatten wir im Sack. Die Einstellung stimmt. Wenn es dann trotzdem nicht klappt, hilft gar nichts mehr. Noch 57 Punkte sind zu vergeben. Um auf die 37 Zähler zu kommen, mit denen wir vor zwei Jahren die Klasse gehalten haben, musst Du jetzt schon mindestens jedes zweite Spiel gewinnen. Es frustriert so. Dabei habe ich keinen Zweifel, dass die Mannschaft gut genug ist, dass das Trainerteam gut genug ist. Wie viel Scheiße kann man schon am Fuß haben? Es wird besser. Geht gar nicht anders. Schaue ich voraus, sehe ich nur schlagbare Gegner. Massenweise. Also, auf geht´s!

Nice Guys Sankt Pauli// flippa

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