#senfdazu30

FC St. Pauli – VfL Bochum 1:1

Überpünktlich und voller Tatendrang treffe ich mit timbo am Stadion ein. Auf dem Weg dahin wärmten wir die alte Kamelle des Klassenerhalts 2014/15 auf. Damals, jaaa damals, war im letzten Spiel des Jahres (2014) der Aalener Verein für Rasenspiele zu Gast und leidenschaftlich motivierte (Marke „Schaum vorm Mund“) Braun-Weisse zeigten sich, wie das damalige Wetter, wenig gastfreundlich und gewannen recht humorlos 3-1. Damit waren wir nach 19 Spielen bei 13 Punkten und hatten so etwas wie den Anschluss geschafft. Diese Punktzahl hätte mit einem Dreier heute bereits nach 17 Spielen erreicht werden können (wuhu!). Aber seien wir mal ehrlich; Scheiße bleibt scheiße, auch wenn Du sie grün anmalst!

Kurz noch kistenweise Übersteiger aus dem Fanladen geholt und dann war Ablenkung durch Verkauf angesagt. Mein Platz war die perfekte Mischung aus im Weg stehen und Nadelöhr, sodass der unerwartet frühzeitige Ausverkauf unausweichlich kam. Wo war nun timbo? Der hatte doch bestimmt noch Hefte. Schließlich wollte der irgendwo an die Budapester vorm Eingang zur Haupt. Da wird man die doch nie los! Trotzdem hin da..

Und tatsächlich; einsam und wacker den Arm mit Heften in die Höhe gestreckt, stand er da. Dachte das alte Gemüsegesicht doch tatsächlich, er könnte präsenilen Haupttribünengängern den Übersteiger aufschwatzen. Verzweifelt, aufgrund der schieren Unmöglichkeit den großen Haufen an hochwertiger Printware zu verscherbeln, schaute er mich an. Kleinlaut gestand er, dass sein größter Erfolg des Tages ein Verkauf von Übersteigern an betrunkene Bochumer war. Jungejunge, das war hier ja noch armseliger, als ich dachte! Man, hatte der ein Glück, dass er mir über den Weg gelaufen ist. Naaa guut; zaubert der flippa halt mal alles aus seinem Schmuckkästchen der unnützen Fähigkeiten; bringt in Rekordzeit Hefte an den Mann und strahlt dabei gewohnt Charisma und Narzissmus aus.

Kaum waren die restlichen Dinger weg, suchte timbo schon eine Quelle für Nachschub. Potzblitz, der war ja nun gar nicht mehr zu stoppen! Eigentlich sah ich mich zu dieser Zeit schon im Stadion eine Limo schlürfen. Stattdessen wurde noch ein Paket organisiert und weiter das Klimpergeld eingesammelt. Selbst deutliche Kritik prallte an diesem nun fleischgewordenen Alles-muss-raus-Sale ab.

f: „War ja ne klasse Idee sich hier nochmal hinzustellen.“
t: „…“
f: „Hör ma, Digger! In zehn Minuten is Anpfiff und wir stehen hier immer noch rum und verkaufen.“
(Mit vernichtender Gleichgültigkeit trifft mich sein Blick)
f: (flehend)“Aber nicht noch mehr Hefte, ok?“

Unfassbarerweise konnten wir noch vor den Hells Bells das durchweichte Grün bewundern. Der kleine flippa hat davor sogar noch seine Limo bekommen. Die Stehplätze lassen sich wie folgt beschreiben: Erstmal schräg reinquetschen – später ruckelt sich das schon zurecht. Alles angerichtet also.

Wie immer in dieser Saison starten wir gut. Das liegt vor allem daran, dass die Einsatzbereitschaft wahnsinnig hoch ist. Was man von unserem Glück nicht behaupten kann. Sonst würde die schlitzohrige Hacke von Bouhaddouz nach drei Minuten im Tor landen und nicht an der Latte. Noch ein Beispiel? Die furchtbare Verletzung von Buballa. Da wird es dann mit einmal totenstill im Stadion. Sieht man dann, wie ein Bochumer und der Schiedsrichter sofort anfangen erste Hilfe zu leisten, wird einem ganz schön mulmig. Man kann nur hoffen, dass Buballa das alles gut übersteht und wir Ihn gegen Stuttgart wieder auf dem Platz sehen. Die Mannschaft stand danach, so wie große Teile des Stadions, merklich unter Schock. War ja klar, dass dann das Gegentor fällt.

Mit der roten Karte wird der Schock dann durchbrochen. Auch ich möchte Perthel bei dem Foul keine Absicht vorwerfen, jedoch extrem fahrlässige Unbeholfenheit. Rot geht völlig in Ordnung. Danach erzeugen wir dann mächtig Druck, aber leider will das wichtige Tor gegen unsortierte Bochumer nicht fallen. In Halbzeit zwei sind die Bochumer dann besser sortiert und trotz der Umstellung auf zwei Spitzen mit Empen & Bouhaddouz, fällt es immer schwerer mal den Abschluss zu finden. Was hilft in so einem Moment? Ein nervöser Nice Guy neben mir forderte einen Treffer der Rubrik „irgend so ein Fuck-Tor“. Und siehe da; Riemann segelt unter einer Flanke durch und Bouhaddouz steht genau richtig. Meinetwegen ab sofort in jedem Spiel dreimal so.

Das war es dann leider aber auch. Zwar rennen wir nochmal an, aber sofern nicht geschickt rechtzeitig gefoult wird, haben die Blau-Weissen immer ein Bein im Weg. Grummelnd nehmen wir den einen Punkt mit und damit ist die Hinrunde endlich durch.

Das Grauen hat damit hoffentlich Ende. Spiele gegen Würzburg, Sandhausen und Düsseldorf kann ich dank Instant-Amnesie (besondere Fähigkeit von Fußballfans) gar nicht mehr erinnern. Ich sehe auch nicht, was genau ein anderer Trainer bringen sollte (liegt vielleicht an der Amnesie). Ewald ist der richtige Mann. Warum? Weil wir das verdammt nochmal packen! Forza!

Nice Guys Sankt Pauli //flippa