Archiv für Januar 2017

#senfdazu31 #drumherum7

„Die beißen nicht, die hau´n uns nur auf die Fresse!“

Celtic Glasgow – Heart of Mitlothian 4:0

FC St. Pauli – VfB Stuttgart 0:1

Nun war es also endlich soweit. Nachdem eine fette Lungenentzündung letztes Jahr einen Trip nach Paradise verhinderte, standen einige Nice Guys in körperlicher Bestform am Freitag früh, wohlwissend, dass eine ähnliche Verfassung am Montag beim Rückflug unmöglich sein würde, am Hamburger Flughafen. Nur mit Handgepäck (3 paar Socken, 3 Boxer und Ibuprofen) bewaffnet, ging es über Edinburgh nach Glasgow, dem Nabel der Welt. Die Terminierung des Spielplans ist in Schottland scheinbar eine ähnliche Wissenschaft wie hier bei uns, weswegen der Rückflug bereits von Sonntag auf Montag umgebucht werden musste. Ich nehme es vorweg – am Sonntag wäre ein Flug für uns eine Tortur gewesen, wie für einen Darmkranken in einem stickigen Bus auf unbefestigten Straßen. Wärmstens wurden wir von der Glasgower Nice Guys-Fraktion vor Ort empfangen und nach kurzem einchecken in das neue Zuhause, schnell noch mit dem notwendigen Wissen zur nächtlichen Heimreise ausgestattet. Sogar eine kleine Sight-Seeing Tour zum Loch Lomond und nach Ibrox („fecking hunnery“) war noch drin.

Was macht man nun an einem Freitag? Richtig! Sahnige Pints Guinness vom Faß im McChuills, gefolgt von Fish and Chips in einem Imbiss, in dem das Inventar seit den 70ern weder gewechselt noch geputzt wurde. Die anschließende Wahl eines Pubs wurde aufgrund eines sichtlich angeknockten zahnlosen Schotten, welcher grad die Fronttür entglaste (welcome to Glasgow), nochmal überdacht und schließlich landeten wir im MacGregors. Könnte natürlich auch das McSonstwas gewesen sein, schließlich hielt dieser Laden alles für uns bereit, was man sich von dieser Stadt erhofft hatte. Beseelt von Livemusik mit Queerflöten und Geigen, zog es uns, mittlerweile stockbesoffen, wieder zurück ins McChuills. Mit Ach und Krach erreichten wir nach weiteren Pints die Bahn. Direkt neben unser Unterkunft für das Wochenende, zog uns die örtliche Lokalität „The laughing fox“ magisch an. Mit Aufreißen der Tür, endeten die Klänge der Karaoke-Nacht abrupt mit einer Bemusterung der Eindringlinge durch alle Augenpaare im Pub. Zärtlich wie immer, stieß mich timbo („Die beißen nicht, die hau´n uns nur auf die Fresse!“) in Richtung letztes Bier.

Tag 2 begann entsprechend schädelig. Nachdem bei einer Runde Celtic-Monopoly festgestellt wurde, dass alle Nice Guys kapitalistische Dreckschweine sind, traf auch endlich der Hausbesitzer Scott ein – nicht minder gezeichnet von voriger Nacht (Dropkick Murphys in London). Aber keine Zeit für Wehleiden, schließlich stand an dem Abend noch der einjährige Geburtstag von Glasgow St. Pauli an. Nach einer Runde Pool in Balloch also wieder rein nach Glasgow. Schneller Zwischenstopp (=zwei Bier) bei der Party und dann verzogen wir uns kurzfristig zum King Blues Konzert. Leider verpassten wir dadurch The Wakes, aber denen läuft man ja glücklicherweise häufiger über den Weg. Kaum zurück auf der Party war die Karaoke-Maschine auch schon angeschmissen. Schemenhaft erinnere ich mich daran, meine Singstimme und die Ohren aller Anwesenden aufs Äußerste mit „Don´t stop me now“ von Queen strapaziert zu haben. Wenn ich jedoch an Foreigner von timbo denke („eeii nooo ju kän schooo miieee!“) steigen sofort wieder Tränen in die Augen. Seinetwegen (bzw. wegen seiner St. Pauli-Mütze) wären wir dann auch fast nicht in den nächsten Laden gekommen. Hier herrscht eben doch etwas mehr Rivalität, als das gehässige Lästern hier in Hamburg. Nach Ansage vom Türsteher; no colours und rein in den Laden. Auf der Taxifahrt machten Jacek und ich dann den Wackel-Dackel, während timbo so tat, als könnte er dem Gespräch zweier Schotten folgen.

Sonntag half dann nur schottisches Frühstück inklusive IRN BRU („Breakfast for Champions“) um wieder am Leben teilzunehmen. Hätten wir timbo nicht erzählt, was black pudding ist, dann hätte er es vielleicht sogar ohne würgen probieren können, aber naja. Mit dem Bus ging es ab nach Parkhead. Ich hatte noch mit den Nebenwirkungen vom ersten Pint des Sonntags zu kämpfen, während Gary Og in unfassbarer Lautstärke mit Irish Rebel den Kopfschmerzen auf die Beine half (herrlich, einfach nur herrlich!). Und dann waren wir da. Celtic Park – Paradise! Wir wurden nicht enttäuscht. Während ich bei meiner letzten Tour ein zähes 0-0 bestaunen durfte, wurden die Hearts mit 4-0 abgestraft; inklusive ausgiebiger Schmähgesänge („Oh the wee-huns are shite!“). Celtic hat mittlerweile 22 Punkte Vorsprung auf Platz 2 und benötigte ohne Rogic, Dembelé und Griffiths (also sogar ohne echten Stürmer) nur die halbe Kraft, um dem Tabellenvierten 4 Dinger einzuschenken. Unfassbare Dominanz. Wer denkt, dass das zu Langeweile führt und der Stimmung einen Abbruch tut, der sieht sich getäuscht – die 90 Minuten ließen uns grinsend und vollgepackt mit Gänsehautmomenten aus dem Stadion wanken.

Euphorisiert fuhren wir zu den lieben Menschen von Glasgow St. Pauli und schauten, ohne das Ergebnis zu kennen, das Spiel gegen Stuttgart. Alles war möglich. Wir malten uns sogar nen Dreier aus. Die Realität schlug uns ziemlich in die Fresse. Wenigstens schmeckte das Guinness. Den Abend beendeten wir dann beim Inder. Endlich mal einigermaßen gesundes Essen… Pah! Die durch Schärfe hervorgerufenen Kreislaufprobleme und Schweißperlen wurden mit Bier bekämpft. Gesund war es nicht, aber geil!

Wortkarg und abgekämpft ging es am Montag nach Hause. Glasgow, Du alte Sau! Schön wars!

Nice Guys Sankt Pauli //flippa

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