#senfdazu39

VfL Bochum – FC St. Pauli 1:3

Mystische Rauchschwaden umgeben ihn: Der Sonderzug. Nimbus aller Auswärtsfahrten. Tickets sind rar gesät und beliebt wie Bochumer Currywürste. Wir erhielten circa 25% der angefragten Karten und ein paar weitere konnten noch nachorganisiert werden, sodass sich sechs Nice Guys überpünktlich früh morgens am Bahnhof Altona einfanden, um die Tour ins Ruhrgebiet anzutreten.

Mit dabei war der Besuch aus Schottland, welcher bereits am Samstag eintraf. Gemeinsam wurde munter Geld beim letzten Bundesliga-Spieltag verwettet und anschließend in der Weinbar am Millerntor, Glasgow und Yorkshire St. Pauli getroffen. Bereits zu diesem Zeitpunkt ahnte ich, dass ich spätestens auf der Rückfahrt aus Bochum überhaupt keinen Überblick mehr haben werde, ob meine Muttersprache nun deutsch oder englisch ist und welche der beiden ich grad anwende. Nach einem kurzen Ausflug in den Dschungel, ging es brav und rechtzeitig nach Hause.

Rückwirkend betrachtet, klingelte der Wecker am Sonntag viel zu früh, aber scheinbar plante ich am Vorabend sehr großzügig einen Zeitpuffer ein, falls etwas Unvorhergesehenes uns auf dem Weg zum Zug aufhalten sollte. Zwar ist mir immer noch nicht klar, was das hätte sein sollen, aber so hatten wir sogar noch Zeit für einen Kaffee in der Küche. In der Trikotfrage entschied ich mich für die Camouflagevariante, während der Großteil der anderen Nice Guys in unglaublich hässlichen Celtic-Trikots rumlief. Schnell wurde eine Theorie aufgestellt, wie es dazu kommen kann, dass Celtic Jahr für Jahr in der Farbpalette daneben greift: Die Deadline für den Trikotentwurf scheint den Designer (mit einem Hang zu billigen Drogen) jedes mal in der Nacht vor Abgabe zu überraschen – das Ergebnis ist einfach gruselig.

Wie dem auch sei. Gut gelaunt und mit Stullen und Bier bewaffnet, gangsterten wir also auf der Hinfahrt im Sonderzug rum. Bochum war recht schnell erreicht und empfing uns mit bestem 34. Spieltag-Wetter. Der gemeinsame Marsch zum Stadion war eher ein gemütlicher Spaziergang in der Sonne und verlief ereignislos. Wir landeten kurz vor dem Stadion auf einer Wiese, dazu ein Moritz-Fiege-Pils in der Hand. Davon hatte ich noch nie gehört und nach dem ersten Schluck… naja. Schön war allerdings, wie viele gut gelaunte Menschen sich in Richtung Gästeblock bewegten.

Im Stadion wunderte ich mich dann doch etwas, dass am Bierstand von 6 Zapfhähnen nur zwei in Betrieb genommen wurden, während die Verkäufer tatenlos zusehen mussten – aber das ist anderswo ja auch ständig so. Das trübte allerdings das Stadionerlebnis in Bochum kaum. Ein schmuckes Stadion, zudem noch mit circa 5.000 St. Pauli-Fans bestückt. Schon vor Anpfiff vibrierte der Bierbecher bei den Gesängen. Die Architektur des Stadions sorgte für eine perfekte Gästeblock-Akustik. Dies wurde gepaart mit singfreudiger Stimmung. Absolut traumhaft.

Das Spiel ist schnell abgehandelt: Wir sind über 90 Minuten klar besser und zielstrebiger. Ein Rückstand kann der Truppe in aktueller Verfassung rein gar nichts mehr anhaben. Es ist furchtbar schade, dass die Sommerpause dazwischen kommt. Lennart Thy kann auch endlich wieder knipsen und als Bochum grad ein wenig anfängt, eine Druckphase für den Ausgleich aufzubauen, macht er den Killer. Alles danach ist viel Lachen, Ausgelassenheit und Gesang. Nach dem Spiel dann noch eine (für mich) deutliche Szene, als Ewald Olaf Janßen von der Kurve feiern lässt. Zwar kann man sagen, dass er nur sich selbst mal aus dem Fokus nehmen wollte und damit gezeigt hat, dass auch Olaf einen großen Anteil an der Leistungssteigerung zur Rückrunde hat, aber für mich sah das eindeutig nach Staffelübergabe aus. Bin ich ausdrücklich mit einverstanden. Auch die Verpflichtung von Sami Allagui, sowie die gezogene Kaufoption bei Sahin, sind gute Moves. Wobei man bei Sahin davon ausgehen kann, dass dieser (jaja die antikapitalistischen St. Paulianer!) weiterverkauft wird. Zwei Millionen ist keine Summe, die zu unseren sonstigen Aktionen auf dem Transfermarkt passt.

Damit endete gestern unsere rekordbrechende Rückrunde. Ein schwieriger Start (0-1 gegen Stuttgart) und ein kleines Tief (insbesondere Aue und Sandhausen) verhinderte eine noch bessere Bilanz. Trotzdem ist es unglaublich, was hier geleistet wurde. 10-4-3 lautet das Ergebnis. Wohlgemerkt, von einem Team, dass die Hinrunde mit 2-5-10 beendet hat. Nach dem Spiel, beim Blick auf die Tabelle, wurde grinsend der Kopf geschüttelt; Platz sieben! Absoluter Wahnsinn.

Angeschwipst von der Stimmung und dem Vollbier im Stadion, traten wir die Rückreise an. Wie immer entwickelte sich in den beiden Party-Waggons ein lautes und buntes Chaos, welches einen spätestens nach zwei Songs bierbespritzt und strahlend zurücklässt. Ich bin ganz froh, dass ich das hier tippen kann und nicht reden muss, denn irgendwo zwischen Osnabrück und Minden scheine ich meine Stimme verloren zu haben. Mein persönlicher Moment des Abends kam dann mit Robert Palmer (der Ohrwurm ist übrigens gratis). Der wiederentdeckte Fangesang wurde die gesamten 3:47 (und die liedfreien Minuten danach) durchgezogen. Ein Moment für Pipi in den Augen.

Überraschend dann die Ansage, dass wir gleich schon in Hamburg sind. What?!? Wir versuchten die Tour noch künstlich durch einen Besuch im Jolly am Leben zu halten, aber es half nichts; 18 Stunden sind genug.

Danke, dass Du alle zusammenführst und uns dadurch solche Touren ermöglichst, Herzensverein! Ich verspreche, nächstes Jahr auch wieder mehr auswärts zu fahren, aber jetzt folgt erstmal die wohlverdiente Sommerpause.

Nice Guys Sankt Pauli //flippa

Weitere Berichte:

Magischer FC – Tief im Westen (Stelle anhand der Bilder grad fest, dass das meine Abteilkollegen und -kolleginnen waren. Vielen Dank für den Baileys zum Frühstück an dieser Stelle!) ;)
Grenzenlos Sankt Pauli – 45 Punkte, Platz 7 und grenzenlose Liebe!
admit nothing – Aufgewacht auf Platz 7


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