Archiv für August 2017

#senfdazu41

FC St. Pauli – 1. FC Heidenheim 1:0

Reichlich spät setze ich mich ans Werk. Woran es lag? Orsen ist 50 geworden und lud am Samstag zur Sause ein. Dementsprechend ereilten gestern Lähmungserscheinungen meinen gesamten Körper. Nun sind meine Finger aber wieder hibbelig wie eh und je und daher ab an die Tasten:

Im Schatten der anstehenden Party ging die samstägliche Nice Guys-Fraktion den Tag taktisch an, also ganz nach meinem Geschmack. Ein Bier vor, ein Bier im Stadion und dann ran an die Cola. Völlig überzuckert dann raus aus dem adrenalingeschwängerten Millerntor und dann noch ein „Fuß-Pils“ für’n Weg (ich liebe diesen Gag). Erstmal rein ins Viertel, denn Flippa wollte sich doch tatsächlich noch eine Jacke von Zuhause holen. „Für später, wenn‘s kalt wird“. Jungejunge, bist Du etwa 50 geworden, du alte Frostbeule?! Ich blieb bei Shorts und T-Shirt. Bewaffnet mit Flippa’s Rentner-„ichwillmichnichterkälten“-Equipment ging es dann ab zu Nice Guy Franz, um die 2.Halbzeit der Bundesliga-Konferenz schauen. Orsen, Profi-Fußball-Fan durch und durch lud nämlich erst um Punkt 17.15, also nach Abpfiff der Konferenz ein. Trotz höherer Zucker- als Promillewerten habe ich mir den starken Kaffee gerne reingezogen. Im Anschluss fühlten wir uns dann perfekt vorbereitet: Der aufkommende Hunger konnte auf der Party gestillt werden und das Verlangen nach Bier mit fehlender Kohlensäure stieg bei meinen Nebenleuten. Ich bin bei Bier ja eher norddeutsch: kalt, herb, viel Kohlensäure. Diese ganzen Ale’s und Getränke, die ohne Kohlensäure serviert werden, sind ja nicht so meins – da hatte ich bereits miese Erfahrungen während unseres Glasgow-Trips gemacht. Der Abend wurde dann lang und ganz so schlimm kann ich die fehlende Kohlensäure nicht gefunden haben, zumindest meldete mein Körper das am Sonntag. Der Abend wurde sogar so lang, dass ich tatsächlich nach meiner Ankunft zuhause noch kurz bei Mayweather vs. McGregor reinschauen konnte – was für eine Quatsch-Veranstaltung!

„Moment!“ sagt der gemeine Blog-Leser, „wo ist der Abschnitt zum Spiel? Das ist doch ein Blog über Spiele des FC Sankt Pauli!“. Gemach, gemach liebe Freunde des Ballsports; die vorherigen Zeilen sprudelten nur so aus meinen quick-lebendigen Fingern, die harten Zeilen folgen jetzt:
Der FCSP startet mal wieder mit dem inzwischen gewohnten 4-4-2. Dass das dieses Mal nicht sonderlich gut funktionierte, konnte jeder im Stadion in Halbzeit eins begutachten. Zwar gab es viel Ballbesitz, aber wir schafften es nicht, die Achter/Zehner in den Zwischenräumen anzuspielen. Dieses Problem ist altbekannt und trotzdem weiterhin eine unserer größten Schwächen im Spielaufbau. Dann kommt noch ein so kompaktes Team wie Heidenheim ans Millerntor. Wenn dann zusätzlich die beiden Spitzen einen mäßigen Tag erwischen und die langen Bälle konsequent halbhoch auf den Spieler N. Irgendwo gespielt werden, wird es unappetitlich. Wenn der Gegner auch noch, ähnlich hilflos, versucht mit F. Ehlpass ein Dreiecksspiel aufzuziehen, dann wird es wirklich grauenhaft. So geschehen in Halbzeit eins. Viel schlimmer, man möchte zwar meinen, dass es nicht viel schlimmer sein könnte, aber doch, das war es, finden die Nice Guys dieses Gemotze und Gejammer auf der Gegengeraden. Leute, das ist hier Zweitliga-Fußball! Nur, weil ihr im Fernsehen mal eine Ballannahme von IchspieldreiSpielermitderHackeaus gesehen habt, ist nicht zu erwarten, dass Spieler mit ähnlichen Qualitäten in der zweiten Liga auf dem Platz stehen. Und wenn der Ball zwar bereits im gegnerischen Drittel war und sich keine Räume dort ergeben haben und wir es schaffen, den Ball dann über unseren Torwart zirkulieren zu lassen, um eine neue Situation zu kreieren, dann ist das für mich eine erfolgreiche Aktion. Wesentlich erfolgreicher, als ein Ballverlust durch einen „Kann-Muss-aber-nicht“-Pass. Und dann ist Halbzeit und da wird doch tatsächlich von einigen gepfiffen! Geht woanders hin! Ihr nervt! Oder macht es anders und fangt an einen Blog zu schreiben, wie ich. Da kann man sich herrlich aufregen, ohne, dass es jemanden nervt bzw. der Leser kann selbst entscheiden, ob er dem Mecker-Monolog weiter folgen möchte. Abgesehen davon, muss aber erwähnt werden, dass die Stimmung insgesamt überraschend gut für einen Samstag-Mittag gewesen ist.

Jedenfalls wurde dann zur zweiten Halbzeit reagiert. Mit der Hereinnahme Möller Daehli an Stelle von Allagui wurde auf ein flexibles 4-1-4-1 umgestellt. Die vier offensiven Mittelfelder haben sich dabei klug zwischen den Ketten bewegt und sehr variabel ihre Positionen getauscht. Dadurch entstand ein Übergewicht 30-40 Meter vor des Gegners Tor und es konnten so sehr viel mehr Situationen kreiert werden, in denen wir zu Torchancen hätten kommen können. Ja, „hätten kommen können“, denn bis auf das Ding von Atze kurz vor Schluss, gab es nicht wirklich nennenswerte Abschlüsse. Zwar wurde unser Spiel besser, aber es fehlte der berühmte letzte Pass. Grundsätzlich zeigte sich aber, dass ein 4-1-4-1 eine gute Lösung ist, um die Bälle kontrolliert ins letzte Drittel zu bekommen. Den Verteidigern bieten sich einfach mehr flache Anspielstationen in dieser Zone. Es war ein großer Spaß in der zweiten Halbzeit die Spielfreude zu erleben. Und wenn man ehrlich ist, dann ist die Reihe mit Sobota-Sahin-MöllerDaehli-Buchtmann schon ein echtes Brett für andere Zweitligisten. Ein Glück ist diese zweite Halbzeit dann nicht nur zur Schönspielerei verkommen, sondern wurde mit einem Tor der Kategorie „Kack-Tor des Monats“ veredelt. Egal, ich habe mal gelesen, dass in einem Stadion eine Lautstärke von bis zu 124 Dezibel erzeugt werden kann. Ich vermute, dass wir letzten Samstag ganz nah dran waren an diesem Wert. Man, Siegtore in der Nachspielzeit, ihr kommt immer dann, wenn man nicht mehr daran glaubt und der Frust gerade dabei ist die Hoffnung zu besiegen! Ich liebe Euch!

Nice Guys Sankt Pauli //timbo

Gröni – In letzter Sekunde…
BeebleBlox – Ecke Ecke Ecke Tooor
Magischer FC – Prozessorientiert
SouthEndScum – Matchday 04

#senfdazu40

FC St. Pauli – SG Dynamo Dresden 2:2

Der Wind dreht ganz schön schnell am Millerntor. Aber eigentlich hat die Mannschaft selbst Schuld. Nur aufgrund der Verwöhnergebnisse der letzten Rückrunde sind die Erwartungen gestiegen. Dazu noch ein Dreier in Bochum, der (durchaus verdient) auch nur ein einzelner Punkt hätte gewesen sein können, und schon müssen die Dresdener zuhause an die Wand gespielt werden. Die sind übrigens letztes Jahr 5. geworden, obwohl aus den letzten sieben Spielen nur ein Sieg geholt wurde! Trotzdem wird im Stadion von manchen genörgelt, was das Zeug hält.

An einem Sommertag wie gestern fragt man sich, warum eigentlich die beste Jahreszeit für Fussball durch den Spielplan verschenkt wird. Ich war es zumindest ziemlich häufig leid, mich auf jämmerliche Art und Weise bei einstelliger Temperatur und Nieselregen furchtbar über schlechten Fussball aufzuregen. Den zweiten Punkt habe ich abgestellt. Wenn nun noch der Spielplan umgestellt wird, fehlt mir wenig anderes zu absoluter Glückseligkeit. In Sommerklamotte trafen sich die Nice Guys also vorm Fanladen. Nach fünf Minuten Beine in den Bauch wurde entschieden, dass dieser Aktivität auch im Stadion nachgegangen werden kann. Plätze ganz oben, direkt auf Höhe der Mittellinie – die feuchten Taktiker-Augen von timbo verrieten mir, dass der schon ein Stück näher an der Glückseligkeit dran war als ich.

Der Stresstest vieler Ohren im Stadion beim Herz von St. Pauli erweiterte meine Vorfreudeskala nochmal um zwei Stufen. Die unaufgeregten, aber klaren Statements der eigenen Fanszene zur Flora passten mir auch sehr gut. Der Handicap-Wette auf St. Pauli vom Nebenmann hätte ich zu dem Zeitpunkt gar keine Quote mehr gegeben. Dresden? Pah!
Was fehlte, war ein Großteil der Gästefans. Bei den Nice Guys wurde das von „selber Schuld“, bis „personalisierte Tickets für´n Arsch“ diskutiert.

Zum Spiel:
Natürlich ist der Sieg zum Greifen nah, wenn man Zuhause zweimal in Führung geht. Dabei darf man nicht verkennen, dass unsere Führung aus dem Nichts kommt – bis dato hatten die Sachsen 65% Ballbesitz. Über außen (sowohl links als rechts) wurden wir immer wieder überrascht. Mit einem 1:1 kommen wir gut in die Pause.

Was war besser danach? Viele Chancen wurden in Halbzeit zwei erspielt. Das lag insbesondere daran, dass das gesamte Mittelfeld nach der Halbzeit nicht länger ständig versucht war, Sami und Aziz anzuspielen. Die wurden nämlich überaus stark von der Dresdener Hintermannschaft kalt gestellt. Somit war es hauptsächlich Mats, der die Führung auf dem Fuß hatte. Völlig verdient erzielen wir diese dann einige Minuten später. Wenn eine solche Druckphase über weite Teile der Saison kompensiert werden kann, dann sind zu wenig Chancen kein Problem in diesem Jahr.
Am Ende langt es leider nicht ganz. Dresden ist sicherlich froh, einen Punkt hier mitzunehmen, aber insbesondere in Hälfte eins waren die deutlich besser.

Nach dem Spiel hoppelten wir dann wie Lemminge timbo hinterher, da „er mal gehört hätte“, dass es bei der Weinbar nach dem Spiel nett sein soll. Trifft sicherlich zu, nur ist timbo nunmal nicht grad als Trauben-, sondern eher als Gerstenliebhaber unterwegs. Also trotteten wir ihm (nach kurzem Besuch in der Weinbar) dankbar lachend, schließlich werden ab sofort auf gewisse Zeit grundsätzlich alle seine Vorschläge mit dieser Anekdote abgetan, hinterher in die entgegengesetzte Richtung zum Clubheim. Immer noch in T-Shirt und trotz 2:2 immer noch nah dran an der Glückseligkeit.

Nice Guys Sankt Pauli //flippa

Weitere Berichte:
Stefan Groenveld – Zwischen Aaargh und ist ok so..
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Magischer FC: And justice … not for all