#senfdazu42

FC St. Pauli – FC Ingolstadt 0(:)4

Meine Güte! Sind wir verprügelt worden! Erstarrt und mit großen Augen, verfolgte ich die Schlachtung in Halbzeit eins. Es half sicherlich auch nicht, dass die Ingolstädter Spieler auftraten und aussahen, wie Metzger mit McFit-Abo. Schade eigentlich, dass wir uns der Prügel wie ein Schaf der Schur beugten – doch mehr war augenscheinlich auch nicht drin. Trotzdem sehr ärgerlich, schließlich bahnte sich vorab ein hervorragender Samstag an:

Nach einem ruhigen Freitagabend, ging es Samstag früh vor dem Spiel bereits zum Jolly. Dort war der Videodreh für die Single vom neuen Slime-Album angesagt. Freibier abgreifen und Parolen in eine Kamera brüllen kann ich. Anschließend dann ab zum Fanladen, mehrere Kartons mit Übersteigern rausholen und auf dem Gegengeradenvorplatz solange die Leute zusammenschreien, bis die Dinger verkauft sind. Kann ich auch.

Im Millernton 45 (das war mein ruhiger Freitagabend), vernahm ich bereits, dass timbo (der nun festes Mitglied als Taktik-Experte beim Millernton ist), über seine HSV-Vergangenheit und die „nie erloschene kleine Flamme“ für den Dino, ausgepackt hat. Mitleidiges Kopfschütteln war ihm auch in unserer Runde sicher. So wie timbo sich seine Freizeit mit Taktiken im Fußball-Geschäft verdödelt, mache ich das mit American Football. Während ich ihm und Franz grad die Run-Pass-Option mit Pulling Guard von Cincinnati gegen Houston anhand anschaulichem Bildmaterial erklärte, brach erste Panik aus, als Moeller Daehli nicht in der Startelf entdeckt wurde. Fack! Wenn es einen Spieler gibt, der den Unterschied für uns momentan macht, dann er.

Vom Anpfiff weg, war dann recht deutlich, wer hier heute das Nachsehen hat. Selbst mit dem blonden Norweger, wäre das sehr schwer geworden. Nach einem perfekten Freistoß zum 0-1 und zwei bitteren Nehrig-Aktionen, sehnte ich die Halbzeitpause herbei. Doch mit dem 0-4 direkt vor dem Pfiff, war dann schon alles gelaufen. Zu gut die Ingolstädter und zu schlecht der FCSP. Dass man sich hier immer noch in der Halbzeit mit pfeifenden und buhenden Menschen auf der Gegengeraden anlegen muss, vernagelte mir noch mehr die Laune. Verpisst euch bitte! Die Mannschaft weiß selbst, was für ein Mist abgeliefert wurde und wir strafen sie mehr als ausreichend mit nicht vorhandener Stimmung. Pfeifen ist der erste Schritt auf dem Weg zum HSV-Niveau.


Auf jeder Beerdigung gibt es einen guten Lacher – diesmal aus der basch

Halbzeit 2 braucht man dann nicht mehr freizugeben. Ich bin zwar ein Fan von großen Comebacks – stelle mir sogar zwischendurch schon vor, wie wir nach dem 5-4 in der Nachspielzeit ausrasten würden, aber der einfache Vergleich der heutigen Fähigkeiten beider Mannschaften langte, um jede Hoffnung abzutöten. Die Hoffnungslosigkeit wich sehr schnell der Gleichgültigkeit. Ich schäme mich ein wenig, aber ich ging Gedanken und Gesprächen in diesen 45 Minuten nach, anstatt ab Minute 70 nochmal richtig anzufeuern. Dazu wurde auf dem Platz aber auch einfach keine Gelegenheit gegeben. Der einsetzende Nieselregen kurz vor Schluss, zauberte mir, als Freund dramatischer Auftritte, fast wieder ein Grinsen ins Gesicht.

Nach dem Spiel wurden noch schnell zwei weitere Übersteiger-Kartons vertickt, bevor es mit einigen Nice Guys weg vom Millerntor, in Richtung Altona ging. Dort war Doppelkopf spielen angesagt. Bis nachts um halb 2 saßen wir in der verqualmten Küche an einem mittlerweile klebrigen Küchentisch und stritten uns über falsch ausgespielte Füchse und schlechte Ansagen trotz Oma-Blatt, während im Hintergrund das Spotify-Radio abgefahrene Windungen der Jazz-Musik für uns erkundete. Dabei verhält es sich beim Doppelkopf ähnlich, wie mit dem Fansein beim FC; wer es nicht fühlt, kann es nicht verstehen. Seit 15 Jahren in aller Regelmäßigkeit mit besten Freunden Doppelkopf spielen zu können, ist ein Geschenk.
Und ratet wer gewonnen hat? Das Flippa! War doch (fast) ein hervorragender Samstag!

Nice Guys Sankt Pauli //flippa


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zwei × = vierzehn