Archiv für Februar 2018

#senfdazu50

FC St. Pauli – KSV Holstein Kiel 3:2

Gar nicht lange her, da regten wir uns hier im Blog über katastrophale Zustände am Eingang des Stadions in Kiel auf. Ein paar Monate später stehen die Nice Guys bei deutlichen Minusgraden und Schneefall seit 35 Minuten in der Schlange vor der Gegengerade. Zuerst dachte ich noch, dass heute wohl etwas genauer kontrolliert wird, da Risikospiel und keine Gästefarben im Block erwünscht waren. Doch die „Schlangenproblematik“ verfolgt uns nun schon eine ganze Weile. Nämlich seitdem der Ordnungsdienst des Stadion gewechselt wurde, soweit ich mich erinnere. Bei Sonnenschein mit einem Bier in der Hand, kann man gerne mal eine halbe Stunde in Kauf nehmen, um dann weitere Stunden (allerdings weniger gelangweilt) rumzustehen. An Tagen, an denen man morgens, der Verzweiflung nahe, den Schrank durchwühlt um die Thermoklamotten zu finden, bin ich da nicht ganz so entspannt. Im Stadion steht man zwar auch, aber der Wind macht die Musik..

Wie dem auch sei. Was micht deutlich entspannt, ist ein knapper Sieg in einem torreichen Spiel gegen einen ungeliebten Gegner. Woran merkte ich das? Ich stand einige Minuten nach Abpfiff mit einem ins Gesicht genagelten Serienkiller-Grinsen im Stadion und „lächelte“ in Richtung des Gästeblocks. Kiel und St. Pauli waren sich nie besonders grün. Die neue Feindschaft unterliegt dem Prinzip von Actio und Reactio und zeigt sich mir etwas pubertär. Trotzdem ist ein Sieg gegen Gäste, die sich insbesondere durch „Scheiß St. Pauli-Rufe“ bemerkbar machen, vergleichbar mit dem auffinden eines Fuffis in einer längst vergessenen Jeanstasche.

Kiel
Anbei der neue Bildschirmschoner

Heimsieg? Ich musste glatt im Duden nachschlagen. „Auf eigenem Platz, in eigener Halle o.Ä. errungener Sieg“. Direkt nach Heimschwäche. Ich hatte fast schon vergessen, wie dieser süße Nektar des Fandaseins schmeckt. 3 Tore in einem (Punkt)Heimspiel gelangen uns zuletzt im April 2017. Woher kommt diese Heimschwäche? Wir Nice Guys haben schon während des Spiels einen Faktor ausfindig gemacht: Es wird ganz schön viel gemeckert an der eigenen Mannschaft. Zugegeben; in vielen Punkten zurecht. Machen das aber 20.000 Menschen gleichzeitig, dann kann dadurch auch große Unsicherheit auf dem Platz entstehen. Von dem Gemecker kann ich meine Bezugsgruppe auch nicht ausnehmen. „Wir meckern ja nur, wenn es wirklich angebracht ist!“, wird als Begründung hervorgebracht. Ich kann mir vorstellen, dass jede/r im Stadion dieser Meinung ist. Man kann nach einem Fehlpass enttäuscht sein, selbstverständlich. Man kann da auch mal raunen, keine Frage. Aber man sollte sich selbst mal die Frage stellen, ob Unterstützung in Form von „Nächstes Mal klappt es, auf gehts!“ oder „VERDAMMTE KACKE! SPIEL DEN BALL! BEWEG DEINEN ARSCH!“ bei einem selbst hilfreicher ist?!

Wie auch immer. In der ersten Halbzeit und in großen Teilen der zweiten Halbzeit ist Kiel klar die bessere Mannschaft. Geschenkt. Zwei mögliche Vorab-Wetten: Duksch trifft und kein Stürmertor von uns. Auch geschenkt. Denn wir hatten das nötige Glück. Aus den ersten 3 von 4 Spielen gegen vermeintliche Topmannschaften haben wir nun 7 Punkte geholt. So richtig können wir aber nicht sagen, warum. Ist mir auch ehrlich gesagt scheißegal.

„Har-har-har!“ dröhnte das flippa mit dem Serienkiller-Grinsen.

Nice Guys Sankt Pauli //flippa

Auch an den Tasten:
Stefan Groenveld: Welcome to the Storchenbraterei…
BeebleBlox: Brat mir einer ´nen Storch
Admit nothing: Störche? Kiel holen!

#senfdazu49

FC St. Pauli – 1. FC Nürnberg 0:0

Montags ist immer scheiße. So richtig in Stimmung für Fußball kommt man nie, wenn man genau weiß, dass nach dem Spiel noch ganz viel Woche vor einem liegt. Aber ich will mich gar nicht beschweren. Im Gegensatz zu anderen, hasse ich meinen Job gar nicht. Gestern hatte ich sogar überaus rechtzeitig Feierabend.

Ich also schnell nach Hause, lange Unterhose und diverse Sachen aus der Rubrik „Winterstadionsachen“ übergeworfen und dann ging es aufs Rad – schließlich wollte ich noch kurz nach den Rechten schauen. Als ich mit dem Fahrrad auf spiegelglatter Straße am Bahnhof St. Pauli ankam, bewegt sich dort grad der Marsch der Nürnberger Anhänger in Richtung Stadion. Mit maßloser Kreativität wurde „Scheiß St. Pauli!“ skandiert. Anschließend nichts. Muss ganz schön schwer sein, so ein Leben in dem man immer alles Mögliche scheiße findet und ernst sein muss, statt sich für etwas zu freuen. Ich bekam etwas Mitleid. Nicht. Nicht mit einer Fanszene bei denen eine Südstaatenfahne Teil des Blocks ist. Für diese Fahne habe ich schon so viele beschissene Begründungen/Ausreden gehört bzw. gelesen und keine rechtfertigt die Verwendung eines Symbols für Rassismus. „Aber die weht da schon so lange und hat Tradition..“. Ach ja? Fick Dich!

Jetzt fange ich hier auch schon an, alles scheiße zu finden. Und es wurde nicht besser. 10 Minuten später komme ich am Jungfernstieg an und skandiere dafür, dass der rechte Dreck sich verpissen soll. Das Verhältnis zwischen Pennern und Gegendemonstranten kann mit 1:10 ganz gut beschrieben werden. Noch präsenter anwesend war nur die Polizei mit vier Wasserwerfern und Hamburger Gittern. Um Punkt 19.10 Uhr beschloss ich, mich in Richtung Stadion zu begeben und endlich meinen Endorphin-Haushalt wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Im Stadion stehen wir direkt auf Höhe der Mittellinie und stellten sofort fest, dass die sonstige Faustregel „im Stadion isses immer zwei Grad wärmer“ heute nicht greift. Als ein Nice Guy Konfetti aus seinem Bier fingerte, musste ich tatsächlich nachfragen, ob das ein Eisklumpen oder Papier war. Komisch eigentlich, dass das Spiel nicht wirklich für aufsteigende Hitze sorgte. Auf dem Weg nach Hause rekapitulierte ich unsere Chancen auf ein Tor und da kam doch einiges an Großchancen zusammen. Insbesondere Bouhaddouz gefiel mir als, bisher für mich unentdeckter, Freistoßschütze. Auch Nürnberg hatte viele gute Gelegenheiten uns einen einzuschenken, von dem wir uns nicht mehr erholen (DAS hab ich früher als Barkeeper bei ungeliebten Gästen immer gemacht!).


Ein Bild aus dem Sommer – zum aufwärmen

Doch es wäre kein Montagsspiel, wenn zwischen den Großchancen nicht viel Leerlauf und talentfreier Raum gewesen wäre. Am Ende fühlt sich ein Punkt gegen den Club dann komischerweise nicht wie ein Punkt gegen eine Topmannschaft der Liga an. Vielleicht war es dem Wetter geschuldet, vielleicht auch dem Zustand des Rasens – wir spielen unansehnlichen Zweitligafußball ohne Feuer und Hoffnung auf Besserung. Selbst ein Trainerwechsel hat nichts daran geändert. Wir sollten uns für den Rest der Saison damit abfinden.

Nice Guys Sankt Pauli //flippa

Immer vor den Nice Guys mit dem Beitrag fertig:
Stefan Groenveld – Eine Nullnummer der besseren Sorte