Beiträge von flippa

#senfdazu45

FC Sankt Pauli – 1.FC Kaiserslautern 1-1

Ganz kurz: Ich habe Freitag ein „Praktikum“ beim AFM-Radio machen dürfen. Das spülte mich hoch oben auf die Gegengerade. Dank wlan und bester Sicht auf Höhe der Mittellinie und gänzlich ohne Bier/Schnack/Gesang habe ich Taktisches getwittert. Ob das nun gehobene Analyse-Kunst oder eine Aneinanderreihung gewürfelter Begriffe aus „Fußball-Taktik für Dummies“ ist, dürft ihr selbst entscheiden. Hier meine 38 Tweets in ausgeschriebener Form:

Vor dem Spiel

…konnte ich ein wenig mit Andrew Meredith, unserem Video-Analysten, sprechen. Er erwartete den FCK unter Jeff Strasser ähnlich wie bei seinem erfolgreichen Debüt gegen Greuter Fürth. Ein 3-4-3 in offensiver Ausrichtung, bei dem sich defensiv eine 5er-Kette bilden würde. Ist ja ziemlich En Vogue dieses System momentan. Zwei Außenspieler beackern die gesamte Bahn, das Zentrum ist gut besetzt und die Formationen können so dermaßen variabel gestaltet werden, dass man im Grunde auf jede andere Formation und Spielsituation reagieren kann. Grundsätzlich sind Spiele gegen Teams, die erst kurz vorher ihren Trainer gewechselt haben, für diejenigen, die den Gegner analysieren natürlich ein absolutes Desaster. Zu wenig Infos kann man über die Spielidee des Gegners erlangen, Überraschungen sind da vorprogrammiert. Ich jedenfalls erwartete eine gänzlich andere Formation des FCK. Das mag aber auch daran gelegen haben, dass ich Infos vom Spiel gegen Fürth nur vom Kicker bezogen habe und da war eine 3er-Kette angezeigt.

Halbzeit 1 – Kein Interesse an Fußball

Wir starten mit Dudziak anstelle von Buballa und Buchtmann statt Neudecker. Zudem begann Flum. Das entwickelte sich dann zu dem üblichen 4-2-3-1 oder besser einem 4-1-4-1, da Buchtmann und Flum für den Spielaufbau abwechselnd ins defensive Mittelfeld zurückfielen. Der andere der beiden Zentrums-Spieler rückte dann teilweise auf die Höhe von Sami Allagui. War dieses hohe Aufstellen nicht der Fall, so gesellten sich Sahin und/oder Sobota mit auf die Höhe von Allagui. Die Formation des FCK war dann aber doch eine andere als die erwartete 5er-Kette. Stattdessen gesellte sich bei FCSP-Ballbesitz Mwene in die letzte Kette, während Abu Hanna mit den beiden Sechsern davor eine 3er-Kette bildete. Es entwickelte sich also ein klassisches 4-3-3, wie wir es z.B. in der zweiten Halbzeit gegen Heidenheim diese Saison zeigten. Der Unterschied zu Heidenheim ist allerdings, dass der FCK nicht ansatzweise ein Interesse daran hatte, ein Fußballspiel zustande kommen zu lassen. Das 4-3-3 des FCK stellte uns in Halbzeit eins vor enorme Probleme. Im Zentrum waren wir unterbesetzt und der Druck auf den Sechser hoch, sodass versucht wurde das Spiel über die Außenverteidiger aufzuziehen. Die beiden 3er-Ketten verschoben jedoch recht gut, sodass zum Doppeln dieser nicht einmal ein Spieler aus der 4er-Kette benötigt wurde. Dieses provozieren von Pässen auf die Außen spielt aber nicht nur der FCK. Es ist häufig das Ziel von Teams mit Mittelfeld-Pressing, dass Spiel auf eine Bahn zu lenken. Dafür wird dem Gegner die Pass-Option Außenverteidiger bereitgestellt. Ist der Pass dort angelangt, greifen mehrere Gegenspieler an, während mögliche Pass-Optionen in deren Deckungsschatten verschwinden.


Die defensive Grundordnung des FCK im 4-3-3 (fett Rot) und das von mir erwartete 5-4-1 (tranparentes Rot)

Nach Ballverlusten zog sich der FCSP weit in die eigene Hälfte zurück und bildete nach Überspielung der ersten Reihe mal wieder eine 6er-Kette in letzter Reihe. Weder das tiefe Pressing des FCSP, noch das unerwartete 4-3-3 des FCK sorgten für Ballgewinne, die sich für ein schnelles Umschaltspiel eigneten. Zumal beide Teams darauf bedacht waren, eben diese Situationen zu vermeiden. Das führte zu einer enormen Chancen-Armut in Halbzeit 1 und zu Unruhe auf den Rängen. Aber mal ehrlich, was haben wir erwartet. Die letzten beiden Heimspiele haben wir massiv auf die Fresse bekommen dafür, dass wir ein höheres Pressing mit der Option auf vielversprechende Ballgewinne spielten. Ein vorsichtigeres Vorgehen war daher selbst gegen den FCK zu erwarten. Für weitere Unruhe im Stadion sorgt auch immer wieder das Spiel über unseren Torwart, wobei das eigentlich nicht mehr für Schweißausbrüche sorgen sollte, seit Matze Hain nicht mehr im Tor steht. Gerade bei Gegnern, die so zentrumsorientiert verteidigen, ist es einfach schwierig über dieses den Ball zirkulieren zu lassen. Für einen Seitenwechsel bieten sich daher nur zwei Optionen: Lange Bälle auf die andere Seite (riskant) oder das Spiel über den Torwart bzw. hinten herum (relativ sicher). Zusätzlich provoziert das Spiel hinten herum auch ab und an den Gegner, der sich dann zu weit aus der eigenen Hälfte locken lässt. Dadurch bieten sich hinter der ersten Reihe enorme Räume, die dann genutzt werden können. Das wurde gestern auch versucht, aber der FCK hielt sich meist absolut diszipliniert an die eigenen Vorgaben. Von dieser Seite bestand eigentlich kein Interesse an Fußball. Das machte es natürlich schwierig für uns; motzen tun dann im Stadion meist immer die, die sich im Fernsehen gerne die Champions League und die Sportschau ansehen. Klar, in diesen Ligen wird mehr Fußball gespielt und es gibt dort einige Teams, die so ein tiefes 4-3-3, wie das des FCK, einfach auseinanderspielen können. Solche Teams gibt es aber nicht in unserer Liga. Die zweite Liga ist eine Umschalt-Liga, noch mehr als die erste Liga. Das führt dazu, dass viele der Teams, die über viel Ballbesitz zum Erfolg kommen wollten, meist krachend gescheitert sind (z.B. 1860 und KSC in der letzten Saison).
Die einzig nennenswerte Chance in der ersten Halbzeit entstand dann durch einen der wenigen gelungenen Pässe des FCSP ins gegnerische Zentrum. Diese wurde durch das kurzfristige Erschaffen einer massiven Überzahl im Zentrum entwickelt indem Sobota und Sahin einrückten. Zeitgleich war der FCK eines der wenigen Male mit einem 5-4-1 aufgestellt, welches sogleich ausgenutzt wurde.


(gestrichelt: Ballwege; durchgezogen: wichtige Laufwege) Sobota und Sahin verdichten das Zentrum und erschaffen so eine Überzahl. Moritz und Fechner können jedoch nicht wirklich rausrücken, da Buchtmann, Allagui und Dudziak in deren Deckungsschatten stehen und sonst als Anspielstationen „zwischen den Ketten“ dienen können.

Halbzeit 2 – Flum als Spitze belebt Allagui

Als Reaktion auf das tiefe 4-3-3 des FCK wurde der Druck auf die 4er-Kette erhöht, indem Sobota, Sahin und vor allem Flum nun wesentlich konsequenter auf die Höhe von Allagui rückten. Dieser konnte sich dadurch etwas freier bewegen, wich vor allem auf die Außen, aber auch in den Rückraum aus. Als Reaktion auf den gestiegenen Druck, bildete sich nun partiell auch die anfangs erwartete 5er-Kette beim FCK und bot mehr Räume zum Spielaufbau. Das führte zu einem optischen Übergewicht und letztlich auch zum verdienten 1-0. Danach war aus meiner Sicht eigentlich alles in geordneten Bahnen. Durch unsere Führung war der FCK gezwungen seine äußerst defensive Grundordnung zu lockern, während wir uns weit zurückziehen konnten. Das ist genau die Spielsituation, die uns liegt und die uns auswärts momentan so dermaßen erfolgreich spielen lässt. Für mich war es eine Frage der Zeit bis wir das zweite und entscheidende Tor erzielen würden. Nach der Führung boten sich zum ersten Mal im gesamten Spiel vielversprechende Umschalt-Situationen. Bei der besten hatten wohl nahezu alle bereits den Torschrei auf den Lippen als Möller Daehli am überragend reagierenden Müller scheiterte. Nun, es kam anders. Viele empfanden es als falsch, sich nach dem Führungstor so weit zurückfallen zu lassen. Man muss jedoch feststellen, dass der FCK spielerisch zu keiner Zeit ansatzweise Gefahr versprühte. Und Gegentore nach Ecken sind zwar immer möglich, selbst für die größten Blinsen, aber eigentlich auch relativ unwahrscheinlich (siehe MillernTon043).


Immer wieder beeindruckend: Die 6er-Kette, die der FCSP als letzte Option im tiefen Pressing zieht.

Nach dem Ausgleich ist dann von Taktik eher weniger zu sehen, welches natürlich auch mit den nachlassenden Kräften zusammenhängt. Häufig holten sich Möller Daehli und Sahin die Bälle nun wesentlich früher ab und strahlten von dort in die Mitte aus, während die Außenverteidiger in offensiverer Position die Gegenspieler fixierten. Eigentlich eine gute Option, aber leider nicht mehr von Erfolg gekrönt.
Fazit: Sämtliche Teams der zweiten Liga agieren mehr oder weniger auf einer Höhe. Spielen beide Teams so vorsichtig wie der FCSP und vor allem so diszipliniert wie der FCK in der ersten Halbzeit, dann ist Fußball ein destruktiver Albtraum. Ich hoffe auf bessere Zeiten…

Nice Guys Sankt Pauli //timbo

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#senfdazu44

FC St. Pauli – Fortuna Düsseldorf 1:2

Seit einer Stunde sitze ich vor dem Rechner und versuche einen Einstieg in diesen Blog zu finden. Völlig vergeblich. Während timbo über den Auswärtssieg in Kiel berichten durfte, kriege ich nämlich mal wieder den Mist ab. Wobei das Ergebnis schlechter klingt, als es tatsächlich war.

Der Wecker holte mich früh aus dem Bett. Vor dem Spiel war wieder Übersteiger verticken angesagt. Der krasse Temperaturanstieg zwischen 9 Uhr (Zielperson verlässt das erste Mal die Wohnung) und 11 Uhr (Zielperson verlässt Wohnung in Richtung Stadion), ist Schuld für den vielen Schweiß beim Verkaufen in Pullover und Jacke. Dabei fiel mir schon auf, wie viele Gästefarben heute unterwegs sind. Und es gefiel mir. Ein voller Gästeblock macht jedes Spiel (auch auf der Gegengerade) lauter.

Die ersten Lacher des Tages dann durch das Team aus der Sprecherkabine. Schön, dass nach Ansage der Aufstellung „Song 2″ angespielt wird, gefolgt von einem kurzem Ausflug zu den „Hells Bells“, bevor „Das Herz von St. Pauli“ mit einem dicken Grinsen im Gesicht genossen werden kann.

Schnell nach dem Anpfiff kippte die Stimmung auch schon wieder. Das 0-2 nach 23 Minuten wurde dann logischerweise vom Ehemaligen besorgt und die Angst wuchs, dass man schon wieder so unter die Räder kommen würde, wie eine Woche zuvor an selber Stelle. Timbo und ich gerieten gar in eine Diskussion über das Jenaer Tor gegen auf Fair-Play hoffende Meppener (folgende Szene). Während des Spiels! Mit timbo diskutieren ist kein Zuckerschlecken. Auch ich war da sicherlich nicht der deeskalierende Part der Diskussionsteilnehmer. Streiten sich Geschwister, wird es zudem selten schön für versehentlich Beiwohnende. Keifend nervten wir also die Umstehenden, während St. Pauli sich auf dem Platz zurück in das Spiel arbeitete. Ich nutze die Gunst der Stunde und richte die folgende Nachricht an meinen Blogkollegen: Ich habe Recht und erkläre diese infantile Diskussion damit an dieser Stelle für beendet, Mr. Pupswindel!

Cenk Sahin half uns mit seinem herrlich ansatzlosen Schuss in den Knick dabei, den Fokus wieder auf das Wesentliche zu richten. In den zweiten 45 Minuten sind wir dann deutlich besser. Leider ist Tore schießen nicht die Spezialdisziplin dieser Mannschaft und wir bringen uns so, trotz besten Chancen, um einen Punkt. Trotzdem darf nun nicht die ganze Saison in Frage gestellt werden. Ein Blick auf die Tabelle langt, um zu sehen, dass wir bereits (vorausgesetzt Nürnberg gewinnt heute das Frankenderby) gegen Platz 1-4 gekickt haben. So schlecht haben wir gegen die alle gar nicht ausgesehen.Trotzdem immer ärgerlich, wenn Punkte liegen gelassen werden.

Was macht man nach so einem enttäuschenden Spiel? Richtig! Man schleicht sich auf das Reeperbahnfestival auf dem Heiligengeistfeld. Ein Nice Guy war mit so viel krimineller Energie überfordert und hätte sich am liebsten selbst angezeigt. Das Einbruchadrenalin war dann aber auch das Spannendste vor Ort. Wir zogen weiter in Richtung Spielbudenplatz. Dort gab es gute Musik und Gin Tonic für umme. Die Nice Guys Fraktion „Heitere Suffgeschichten“ hatte ihren Spaß.

Nun liege hier leicht verkatert im Wohnzimmer auf der Couch und da euch das schon überhaupt nicht interessiert, erzähle euch nun noch, dass wir einen neuen Teppich haben. Was soll ich sagen: Der Teppich macht das Zimmer erst richtig gemütlich!

Heute Abend dann Horrorfilme auf allen Kanälen. Ich atme tief durch und hoffe das Beste.

Nice Guys Sankt Pauli //flippa

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Stefan Groenveld-Blog: Gegen den Spitzenreiter verloren
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#senfdazu42

FC St. Pauli – FC Ingolstadt 0(:)4

Meine Güte! Sind wir verprügelt worden! Erstarrt und mit großen Augen, verfolgte ich die Schlachtung in Halbzeit eins. Es half sicherlich auch nicht, dass die Ingolstädter Spieler auftraten und aussahen, wie Metzger mit McFit-Abo. Schade eigentlich, dass wir uns der Prügel wie ein Schaf der Schur beugten – doch mehr war augenscheinlich auch nicht drin. Trotzdem sehr ärgerlich, schließlich bahnte sich vorab ein hervorragender Samstag an:

Nach einem ruhigen Freitagabend, ging es Samstag früh vor dem Spiel bereits zum Jolly. Dort war der Videodreh für die Single vom neuen Slime-Album angesagt. Freibier abgreifen und Parolen in eine Kamera brüllen kann ich. Anschließend dann ab zum Fanladen, mehrere Kartons mit Übersteigern rausholen und auf dem Gegengeradenvorplatz solange die Leute zusammenschreien, bis die Dinger verkauft sind. Kann ich auch.

Im Millernton 45 (das war mein ruhiger Freitagabend), vernahm ich bereits, dass timbo (der nun festes Mitglied als Taktik-Experte beim Millernton ist), über seine HSV-Vergangenheit und die „nie erloschene kleine Flamme“ für den Dino, ausgepackt hat. Mitleidiges Kopfschütteln war ihm auch in unserer Runde sicher. So wie timbo sich seine Freizeit mit Taktiken im Fußball-Geschäft verdödelt, mache ich das mit American Football. Während ich ihm und Franz grad die Run-Pass-Option mit Pulling Guard von Cincinnati gegen Houston anhand anschaulichem Bildmaterial erklärte, brach erste Panik aus, als Moeller Daehli nicht in der Startelf entdeckt wurde. Fack! Wenn es einen Spieler gibt, der den Unterschied für uns momentan macht, dann er.

Vom Anpfiff weg, war dann recht deutlich, wer hier heute das Nachsehen hat. Selbst mit dem blonden Norweger, wäre das sehr schwer geworden. Nach einem perfekten Freistoß zum 0-1 und zwei bitteren Nehrig-Aktionen, sehnte ich die Halbzeitpause herbei. Doch mit dem 0-4 direkt vor dem Pfiff, war dann schon alles gelaufen. Zu gut die Ingolstädter und zu schlecht der FCSP. Dass man sich hier immer noch in der Halbzeit mit pfeifenden und buhenden Menschen auf der Gegengeraden anlegen muss, vernagelte mir noch mehr die Laune. Verpisst euch bitte! Die Mannschaft weiß selbst, was für ein Mist abgeliefert wurde und wir strafen sie mehr als ausreichend mit nicht vorhandener Stimmung. Pfeifen ist der erste Schritt auf dem Weg zum HSV-Niveau.


Auf jeder Beerdigung gibt es einen guten Lacher – diesmal aus der basch

Halbzeit 2 braucht man dann nicht mehr freizugeben. Ich bin zwar ein Fan von großen Comebacks – stelle mir sogar zwischendurch schon vor, wie wir nach dem 5-4 in der Nachspielzeit ausrasten würden, aber der einfache Vergleich der heutigen Fähigkeiten beider Mannschaften langte, um jede Hoffnung abzutöten. Die Hoffnungslosigkeit wich sehr schnell der Gleichgültigkeit. Ich schäme mich ein wenig, aber ich ging Gedanken und Gesprächen in diesen 45 Minuten nach, anstatt ab Minute 70 nochmal richtig anzufeuern. Dazu wurde auf dem Platz aber auch einfach keine Gelegenheit gegeben. Der einsetzende Nieselregen kurz vor Schluss, zauberte mir, als Freund dramatischer Auftritte, fast wieder ein Grinsen ins Gesicht.

Nach dem Spiel wurden noch schnell zwei weitere Übersteiger-Kartons vertickt, bevor es mit einigen Nice Guys weg vom Millerntor, in Richtung Altona ging. Dort war Doppelkopf spielen angesagt. Bis nachts um halb 2 saßen wir in der verqualmten Küche an einem mittlerweile klebrigen Küchentisch und stritten uns über falsch ausgespielte Füchse und schlechte Ansagen trotz Oma-Blatt, während im Hintergrund das Spotify-Radio abgefahrene Windungen der Jazz-Musik für uns erkundete. Dabei verhält es sich beim Doppelkopf ähnlich, wie mit dem Fansein beim FC; wer es nicht fühlt, kann es nicht verstehen. Seit 15 Jahren in aller Regelmäßigkeit mit besten Freunden Doppelkopf spielen zu können, ist ein Geschenk.
Und ratet wer gewonnen hat? Das Flippa! War doch (fast) ein hervorragender Samstag!

Nice Guys Sankt Pauli //flippa

#senfdazu40

FC St. Pauli – SG Dynamo Dresden 2:2

Der Wind dreht ganz schön schnell am Millerntor. Aber eigentlich hat die Mannschaft selbst Schuld. Nur aufgrund der Verwöhnergebnisse der letzten Rückrunde sind die Erwartungen gestiegen. Dazu noch ein Dreier in Bochum, der (durchaus verdient) auch nur ein einzelner Punkt hätte gewesen sein können, und schon müssen die Dresdener zuhause an die Wand gespielt werden. Die sind übrigens letztes Jahr 5. geworden, obwohl aus den letzten sieben Spielen nur ein Sieg geholt wurde! Trotzdem wird im Stadion von manchen genörgelt, was das Zeug hält.

An einem Sommertag wie gestern fragt man sich, warum eigentlich die beste Jahreszeit für Fussball durch den Spielplan verschenkt wird. Ich war es zumindest ziemlich häufig leid, mich auf jämmerliche Art und Weise bei einstelliger Temperatur und Nieselregen furchtbar über schlechten Fussball aufzuregen. Den zweiten Punkt habe ich abgestellt. Wenn nun noch der Spielplan umgestellt wird, fehlt mir wenig anderes zu absoluter Glückseligkeit. In Sommerklamotte trafen sich die Nice Guys also vorm Fanladen. Nach fünf Minuten Beine in den Bauch wurde entschieden, dass dieser Aktivität auch im Stadion nachgegangen werden kann. Plätze ganz oben, direkt auf Höhe der Mittellinie – die feuchten Taktiker-Augen von timbo verrieten mir, dass der schon ein Stück näher an der Glückseligkeit dran war als ich.

Der Stresstest vieler Ohren im Stadion beim Herz von St. Pauli erweiterte meine Vorfreudeskala nochmal um zwei Stufen. Die unaufgeregten, aber klaren Statements der eigenen Fanszene zur Flora passten mir auch sehr gut. Der Handicap-Wette auf St. Pauli vom Nebenmann hätte ich zu dem Zeitpunkt gar keine Quote mehr gegeben. Dresden? Pah!
Was fehlte, war ein Großteil der Gästefans. Bei den Nice Guys wurde das von „selber Schuld“, bis „personalisierte Tickets für´n Arsch“ diskutiert.

Zum Spiel:
Natürlich ist der Sieg zum Greifen nah, wenn man Zuhause zweimal in Führung geht. Dabei darf man nicht verkennen, dass unsere Führung aus dem Nichts kommt – bis dato hatten die Sachsen 65% Ballbesitz. Über außen (sowohl links als rechts) wurden wir immer wieder überrascht. Mit einem 1:1 kommen wir gut in die Pause.

Was war besser danach? Viele Chancen wurden in Halbzeit zwei erspielt. Das lag insbesondere daran, dass das gesamte Mittelfeld nach der Halbzeit nicht länger ständig versucht war, Sami und Aziz anzuspielen. Die wurden nämlich überaus stark von der Dresdener Hintermannschaft kalt gestellt. Somit war es hauptsächlich Mats, der die Führung auf dem Fuß hatte. Völlig verdient erzielen wir diese dann einige Minuten später. Wenn eine solche Druckphase über weite Teile der Saison kompensiert werden kann, dann sind zu wenig Chancen kein Problem in diesem Jahr.
Am Ende langt es leider nicht ganz. Dresden ist sicherlich froh, einen Punkt hier mitzunehmen, aber insbesondere in Hälfte eins waren die deutlich besser.

Nach dem Spiel hoppelten wir dann wie Lemminge timbo hinterher, da „er mal gehört hätte“, dass es bei der Weinbar nach dem Spiel nett sein soll. Trifft sicherlich zu, nur ist timbo nunmal nicht grad als Trauben-, sondern eher als Gerstenliebhaber unterwegs. Also trotteten wir ihm (nach kurzem Besuch in der Weinbar) dankbar lachend, schließlich werden ab sofort auf gewisse Zeit grundsätzlich alle seine Vorschläge mit dieser Anekdote abgetan, hinterher in die entgegengesetzte Richtung zum Clubheim. Immer noch in T-Shirt und trotz 2:2 immer noch nah dran an der Glückseligkeit.

Nice Guys Sankt Pauli //flippa

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#senfdazu39

VfL Bochum – FC St. Pauli 1:3

Mystische Rauchschwaden umgeben ihn: Der Sonderzug. Nimbus aller Auswärtsfahrten. Tickets sind rar gesät und beliebt wie Bochumer Currywürste. Wir erhielten circa 25% der angefragten Karten und ein paar weitere konnten noch nachorganisiert werden, sodass sich sechs Nice Guys überpünktlich früh morgens am Bahnhof Altona einfanden, um die Tour ins Ruhrgebiet anzutreten.

Mit dabei war der Besuch aus Schottland, welcher bereits am Samstag eintraf. Gemeinsam wurde munter Geld beim letzten Bundesliga-Spieltag verwettet und anschließend in der Weinbar am Millerntor, Glasgow und Yorkshire St. Pauli getroffen. Bereits zu diesem Zeitpunkt ahnte ich, dass ich spätestens auf der Rückfahrt aus Bochum überhaupt keinen Überblick mehr haben werde, ob meine Muttersprache nun deutsch oder englisch ist und welche der beiden ich grad anwende. Nach einem kurzen Ausflug in den Dschungel, ging es brav und rechtzeitig nach Hause.

Rückwirkend betrachtet, klingelte der Wecker am Sonntag viel zu früh, aber scheinbar plante ich am Vorabend sehr großzügig einen Zeitpuffer ein, falls etwas Unvorhergesehenes uns auf dem Weg zum Zug aufhalten sollte. Zwar ist mir immer noch nicht klar, was das hätte sein sollen, aber so hatten wir sogar noch Zeit für einen Kaffee in der Küche. In der Trikotfrage entschied ich mich für die Camouflagevariante, während der Großteil der anderen Nice Guys in unglaublich hässlichen Celtic-Trikots rumlief. Schnell wurde eine Theorie aufgestellt, wie es dazu kommen kann, dass Celtic Jahr für Jahr in der Farbpalette daneben greift: Die Deadline für den Trikotentwurf scheint den Designer (mit einem Hang zu billigen Drogen) jedes mal in der Nacht vor Abgabe zu überraschen – das Ergebnis ist einfach gruselig.

Wie dem auch sei. Gut gelaunt und mit Stullen und Bier bewaffnet, gangsterten wir also auf der Hinfahrt im Sonderzug rum. Bochum war recht schnell erreicht und empfing uns mit bestem 34. Spieltag-Wetter. Der gemeinsame Marsch zum Stadion war eher ein gemütlicher Spaziergang in der Sonne und verlief ereignislos. Wir landeten kurz vor dem Stadion auf einer Wiese, dazu ein Moritz-Fiege-Pils in der Hand. Davon hatte ich noch nie gehört und nach dem ersten Schluck… naja. Schön war allerdings, wie viele gut gelaunte Menschen sich in Richtung Gästeblock bewegten.

Im Stadion wunderte ich mich dann doch etwas, dass am Bierstand von 6 Zapfhähnen nur zwei in Betrieb genommen wurden, während die Verkäufer tatenlos zusehen mussten – aber das ist anderswo ja auch ständig so. Das trübte allerdings das Stadionerlebnis in Bochum kaum. Ein schmuckes Stadion, zudem noch mit circa 5.000 St. Pauli-Fans bestückt. Schon vor Anpfiff vibrierte der Bierbecher bei den Gesängen. Die Architektur des Stadions sorgte für eine perfekte Gästeblock-Akustik. Dies wurde gepaart mit singfreudiger Stimmung. Absolut traumhaft.

Das Spiel ist schnell abgehandelt: Wir sind über 90 Minuten klar besser und zielstrebiger. Ein Rückstand kann der Truppe in aktueller Verfassung rein gar nichts mehr anhaben. Es ist furchtbar schade, dass die Sommerpause dazwischen kommt. Lennart Thy kann auch endlich wieder knipsen und als Bochum grad ein wenig anfängt, eine Druckphase für den Ausgleich aufzubauen, macht er den Killer. Alles danach ist viel Lachen, Ausgelassenheit und Gesang. Nach dem Spiel dann noch eine (für mich) deutliche Szene, als Ewald Olaf Janßen von der Kurve feiern lässt. Zwar kann man sagen, dass er nur sich selbst mal aus dem Fokus nehmen wollte und damit gezeigt hat, dass auch Olaf einen großen Anteil an der Leistungssteigerung zur Rückrunde hat, aber für mich sah das eindeutig nach Staffelübergabe aus. Bin ich ausdrücklich mit einverstanden. Auch die Verpflichtung von Sami Allagui, sowie die gezogene Kaufoption bei Sahin, sind gute Moves. Wobei man bei Sahin davon ausgehen kann, dass dieser (jaja die antikapitalistischen St. Paulianer!) weiterverkauft wird. Zwei Millionen ist keine Summe, die zu unseren sonstigen Aktionen auf dem Transfermarkt passt.

Damit endete gestern unsere rekordbrechende Rückrunde. Ein schwieriger Start (0-1 gegen Stuttgart) und ein kleines Tief (insbesondere Aue und Sandhausen) verhinderte eine noch bessere Bilanz. Trotzdem ist es unglaublich, was hier geleistet wurde. 10-4-3 lautet das Ergebnis. Wohlgemerkt, von einem Team, dass die Hinrunde mit 2-5-10 beendet hat. Nach dem Spiel, beim Blick auf die Tabelle, wurde grinsend der Kopf geschüttelt; Platz sieben! Absoluter Wahnsinn.

Angeschwipst von der Stimmung und dem Vollbier im Stadion, traten wir die Rückreise an. Wie immer entwickelte sich in den beiden Party-Waggons ein lautes und buntes Chaos, welches einen spätestens nach zwei Songs bierbespritzt und strahlend zurücklässt. Ich bin ganz froh, dass ich das hier tippen kann und nicht reden muss, denn irgendwo zwischen Osnabrück und Minden scheine ich meine Stimme verloren zu haben. Mein persönlicher Moment des Abends kam dann mit Robert Palmer (der Ohrwurm ist übrigens gratis). Der wiederentdeckte Fangesang wurde die gesamten 3:47 (und die liedfreien Minuten danach) durchgezogen. Ein Moment für Pipi in den Augen.

Überraschend dann die Ansage, dass wir gleich schon in Hamburg sind. What?!? Wir versuchten die Tour noch künstlich durch einen Besuch im Jolly am Leben zu halten, aber es half nichts; 18 Stunden sind genug.

Danke, dass Du alle zusammenführst und uns dadurch solche Touren ermöglichst, Herzensverein! Ich verspreche, nächstes Jahr auch wieder mehr auswärts zu fahren, aber jetzt folgt erstmal die wohlverdiente Sommerpause.

Nice Guys Sankt Pauli //flippa

Weitere Berichte:

Magischer FC – Tief im Westen (Stelle anhand der Bilder grad fest, dass das meine Abteilkollegen und -kolleginnen waren. Vielen Dank für den Baileys zum Frühstück an dieser Stelle!) ;)
Grenzenlos Sankt Pauli – 45 Punkte, Platz 7 und grenzenlose Liebe!
admit nothing – Aufgewacht auf Platz 7