Beiträge von josy

#senfdazu52

FC St. Pauli – SV Sandhausen 1:1

Völker hört die Signale/auf zum letzten Gefecht!/Die Internationale erkämpft das Menschenrecht! Und natürlich aux Armes, nous allons gagner, nur leider nicht dieses Wochenende, denn St. Pauli scheint seine Unentschiedenserie fortführen zu wollen und was man einmal kann, sollte man ja bekanntlich weitermachen. Da bleibt es an mir, das post-Osterfeuerspiel zu kommentieren und damit, without further due, herzlich Willkommen beim Osterspecial mit Josy—jetzt aber wirklich! Live und in Farbe!

Die triste Grauheit der Mark Brandenburg hinter mich gelassen habend, dem Wilden Osten den Rücken zugekehrt, dachte ich an die Worten jenes Philosophen, der schon 1775 in einem Brief an Voltaire zu schlaumeiern wusste „Im Exil leben heißt auf Fußball zu verzichten“ (Jean-Jacques Rousseau, François oder Über die Sakralität des Liberos) und freute mich, im Schoße der Nice Guys mal wieder ein Spiel zu sehen. Und, alas!, selbst der zweitjüngste Nachwuchs unseres Clans jointe unsere traute Gemeinsamkeit, sodass die definitorische Trennlinie zwischen Fußballgucken und intergenerationellem Familientreffen zunehmend verwischt wurde.

Relativ spät reingegangen und mit Kind unterwegs, stellten wir uns weit unten an das Geländer, nur einen schwachen Steinwurf von meiner alten Heimat, Block B auf der Südtribüne entfernt; bunte Erinnerungen an alte Zeiten kamen hoch, Zeiten, in denen Fabian Boll zum 1:0 gegen den HSV traf oder wir Miroslaw Klose anfeuerten, weil wir eh schon 0:6 gegen die Bayern zurücklagen….doch von diesen alten Zeiten (mit der rosaroten „früher war mehr Lametta“-Rückblickbrille romantisch verklärt) war nicht mehr viel übrig. Von den Freuden des Osterfeuers noch leicht zerditscht, entwickelte sich das Spiel schnell zu einem jener Hol-noch-mal-Bier-in-der-80. Minute-nach-Spiele, die immer dann entstehen, wenn a) das Spiel langweilig ist, oder b) man richtig Bock hat, sich voll lauf zu lassen. Dieses Spiel gehörte unbestritten in die Bastardkategorie a x b, da die Langweiligkeit des Spiels nur durch die Lust auf’s Trinken reduziert wurde (Danke, flippa, für diese weise Einsicht und danke, „Russel Crowes Charakter in A Beautiful Mind“ für die mathematische Unterstützung).

Nach anfänglichem Mittelfeldgeplänkel dann der erste Höhepunkt, als völlig überraschend Allagui „goldrichtig“ stand, wie es im Kommentatorensprech heißt und in der 26. Minute zum 1:0 traf—oder, um Nostracarlos zu zitieren, nicht mehr rechtzeitig ausweichen konnte. Danach machte das Spiel dort weiter, wo es vor dem Tor aufgehört hatte, nämlich bei einem ausgeglichenen Mittelfeldduell. Bei all der seelenruhigen Ballspielerei dann in der 30. Minute die entsetzte Realisierung: bei diesem Spiel geht es tatsächlich um etwas! Und nicht nur etwas, nein, eigentlich um das vielbeschworene Alles. Denn die fehlende Euphorie auf Platz und Rängen sollte nicht vergessen machen, dass wir nur 3 Punkte vorm Relegationsplatz nach unten stehen, damit an und für sich im beinharten Abstiegskampf stecken. Ein Sieg täte dem Verein also gut, um mal einen meiner Hausphilosophen, Karl Popper, zu zitieren.

Der Vorsprung konnte über die Pause gerettet werden, was uns so sehr beruhigte, dass einige von uns in den Armen ihrer Väter einschliefen. #lebenistdiebestemetapher
Nach der Pause ist vor der Pause und so ging es mit dem Fußballzauber gleich weiter. Dann der Schock und der Grund meiner zwei grauen Haupthaarhaare, als in der 54. Minute Sandhausen nach einer jener Strafraumkuddelmuddelszenen, bei denen sich jedem ehemaligen Jugend- und Amateurfußballer die Nackenhaare in böser Vorahnung sträubten und nach mehreren Fußstelzen der Ball irgendwie im Netz zappelt, den Ausgleich erzielte. Keine glückliche Situation, ein weiteres Tor musste also her. Der Blick auf die Blitztabelle zeigte gleich: keine Rettung, keine Sicherheit, weiterhin Zittern und Bangen.

Doch wenn du glaubst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her! Und im vergrauten Hamburg ist das nicht mal metaphorisch und so war es Sir Lancelot Licht/der hier kraftvoll die Dunkelheit durchbricht! Sonntag, 1. April 2018, 14:42; die Nice Guys erblicken zum ersten Mal seit dem Abstieg aus der 1. Liga (gefühlt) die Sonne. Es war kein durchgedrehtes Flutlicht, nein, es war der Vater vom Sonnengott persönlich. (Oder die Mutter? Die Sonne ist weiblich; aber ist Gender nicht eh ein heteronormatives Konstrukt?)
Während also am Himmel Geschichte geschrieben wurde, lupft Bouhaddouz erst in der 60. Minute den Ball formvollendet über den Torwart—der ihn jedoch noch fangen kann—und hat dann das Siegtor am Fuß: nach einem Foul im Strafraum darf er den Elfer treten. Und scheitert, ich sage mal, am Rasen? Oder so. Jedenfalls behaupten nach dem Spiel alle, diesen Elfmeter besser hätten schießen zu können. Ich enthalte mich mal des Urteils, immerhin habe ich immer noch Grant im Oberschenkel, weil ich mal bei einer 6:0 Klatsche gegen Meiendorf ohne weiteren Feindkontakt beim Kopfball ausgerutscht bin und mir feinste Asche in die offene Wunde geholt habe. Da würde ich am Elfmeterpunkt auch keine gute Figur geben.

In der finalen Schlussphase ging es dann noch ein wenig nervös hin und her und Sandhausen hatte noch einige gute Szenen, war aber in letzter Konsequenz zu unbeholfen, sodass nach quälend langen 90 Minuten dieses zweitklassige Spiel unentschieden ausging. Unserem Tabellenplatz hat dies nichts genützt und wir müssen weiterhin auf die Erlösung von der Abstiegsgefahr warten.

Zum restlichen Tag möchte ich nichts weiter sagen; außer diesem einen: ich hatte fast nichts gegessen, hatte keine Grundlage, habe interessanterweise jetzt aber 3€ mehr als vorher…

Nice Guys Sankt Pauli //josy

Andere Berichte:
Stefan Groenveld-Blog: Ich bin froh, wenn die Saison vorbei ist…
Beeble-Blox: Ostereier, Aprilscherze und andere Wunder

#senfdazu33

FC St. Pauli – Karlsruher SC 5:0

Wow! Das erste Mal seit Monaten, dass ich wieder im Stadion bin und dann solch eine Überraschung! Mein Exil in Berlin fristend, war ich seit Anfang dieser Saison nur wenige Male am Millerntor und in diesem Jahr noch gar nicht und habe darüber hinaus auch nicht viel erwartet. Aber genau, wie Nick Hornby und seine Gruppe vor Spielen von Cambridge United Zuckermäusen die Köpfe abbissen und sie auf die Newmarket Road spuckten, ist der Fußballfan an sich sehr abergläubig, sodass ich von nun an immer und unabhängig vom Wetter mit frisch geschnittener Glatze, Seemann-Mantel, Wollmütze, Hosenträgern und aus Lissabon kommend zum Spiel gehen werde, um das Furiosum vom Montag wieder zu erleben.

Die erste Halbzeit war sicherlich kein Triumph der Fußballkunst, dennoch zeigte St. Pauli einen leichten Vorteil, nicht zuletzt durch das Tor zur 1:0-Führung durch Möller Daehli, nachdem ich vergeblich—und falsch liegend—Cenk Sahin zugerufen hatte, er möge doch bitte den Ball abgeben, worin er mich durch einen großartigen Lauf über den rechten Flügel widerlegte und er nur durch den Pfosten aufgehalten wurde.

In der zweiten Halbzeit drehte St. Pauli richtig auf, der KSC war nun kaum noch aktiv am Spielgeschehen beteiligt und versuchte anscheinend nur noch, das Unvermeidliche zu verhindern—vergeblich. Nach einem Hattrick von Bouhaddouz und einem weiteren Treffen von Sobota konnten wir so zum 5:0-Endstand auftrumpfen. Erneut: WOW! Meine Erinnerung ist in dieser Hinsicht sehr löchrig, aber wann haben wir das letzte Mal so hoch gewonnen? Ernsthaft, weiß das jemand? Irgendjemand? Und ich meine jetzt nicht die Vorbereitungsspiele gegen Vfl Grünhof-Tesperhude und ihresgleichen, sondern Liga oder Pokal!

Zum Schluss gab es noch eine unschöne Szene, als die Karlsruher Fans ihre Mannschaften ausbuhten, als diese sich verabschieden wollte. Immerhin eine nette Geste, dass stattdessen sich St. Pauli-Fans vom KSC gebührend und ironiefrei verabschiedeten.

Nice Guys Sankt Pauli //josy

#senfdazu16

St. Pauli-Fans gegen Fußballgötter

FC St. Pauli – Eintracht Braunschweig 1:0

Das macht doch Laune auf mehr: „Beide Teams zeichnet in dieser Saison vor allem ihre defensive Stabilität aus“, schreibt der Kicker und meint damit genau die Mannschaften, die wir uns auf so einem wunderschönen Donnerstagabend angucken dürfen. Nun kann man über das Für und Wider der Englischen Wochen wie über alle Anstoßzeiten aller deutschen Ligen fröhlich diskutieren und mit einigem Recht kritisieren; ein Donnerstagabendspiel gibt aber immerhin noch mehr fußballerische Euphorisierung her, als der klassische Kick auf einem Mittwoch um 17.30. Man kann über Kommerzialisierung des Fußballs sagen, was man will; immerhin gab’s Flutlicht. Und, im Gegensatz zu meinen bedauernswerten Mit-Nice Guys, die sich nach Duisburg aufgemacht haben letztes Wochenende, auch Bier im Stadion.

In unserer Verteidigung mussten wir wieder am Anfang auf den starken Sobiech verzichten, der zunächst auf der Bank saß und erst für die letzten 5 Minuten ins Spiel kam. Auch Buchtmann war leider verhindert, war wohl wegen zu vieler Gelber Karten gesperrt.

Beide Mannschaften waren gleich zu Beginn ungewöhnlich offensiv, womit mal wieder bewiesen wäre, dass die Ausnahme die Regel bestätig, so was waren wir alle doch gar nicht gewöhnt. Obwohl ohne viele wirklich großartigen Chancen, spielten beiden Mannschaften recht soliden Offensivfußball, ohne, dass man gleich von einer Abkehr der bisherigen Spielphilosophie sprechen müsste. Um mal den bei Puristen des Fußball eigentlich verpönten Entertainment-Faktor hinzuzunehmen, war diese Partie um einiges unterhaltsamer als das letzte Duisburg-Spiel, bei dem dieser Autor Mr Bean-mäßig mit Streichhölzern in den Augen verzweifelt gegen die Langeweile und die ihn übermannende Müdigkeit ankämpfte.

Trotz mehrerer Hinweise vom „Hintermann“, konnte Unser Aller Lieblings-Rzatkowski kein Tor erzielen, obwohl er bei mehreren Situationen nach Ecken und Freistößen erstaunlich frei lauerte und wo er da schon mal stand, auch den Ball gen Tor hämmerte. Freilich erfolglos. Weitere drei Punkte verdanken wir wohl ausgerechnet dem Mann, den meine Vorderfrau schmeichelhaft als den „Chancentod“ beschrieb, der aber dafür jetzt schon in seinem zweiten Spiel in Folge den Ball ins Netz semmelte: John Verhoek. Der übrigens, ich konnte es kaum fassen, mittlerweile von einigen bei der Aufstellungsaufrufung schon als „Fußballgott“ betituliert wurde. Nebst Ratsche und Sobiech. Da muss ich jetzt mal pedantisch dazwischen grätschen und zum Boykott der „Fußballgott“-Rufe aufrufen, das wird zu inflationär. Wie groß soll denn das St. Pauli-Pantheon noch werden? Wir wollen ja hier keinen engstirnigen Monotheismus fordern, aber auch keinen egalitären Free-for-all-ismus. Wenn ihr auf meiner Seite steht, dann postet bitte euren Support bei Twitter mit dem Hashtag #ReligionistheilbarFußballnicht oder drückt auf Like bei Facebook für „St. Pauli-Fans gegen Fußballgötter“. Nur um klarzustellen: unser Pantheon ist mit Truller, Stani, Ebbers, Asamoah (forever 16.2.2011) und vielen mehr bereits gut gefüllt, da müssen sich Leute wie Verhoek noch mehr verdienen, um dort aufgenommen zu werden.

Das hat jetzt nichts im engeren Sinne mit dem Spiel zu tun, aber musste mal erwähnt werden.

In diesem Sinne fassen wir noch mal zusammen: ein erstaunlich frisches Spiel (für alle im Stadion) bringt uns drei Punkte und nun stehen wir mit 42 weit oberhalb der Abstiegsplätze und stehen auf dem 4. Platz recht komfortabel da und wir fragen uns wohl alle angesichts der teilweise verheerenden Offensivleistung, wie wir das eigentlich gemacht haben. Aber als guter Fußballfan wollen wir auch gar nicht zu lange darüber nachdenken, nachher ist das alles nur ein Traum und wir wachen irgendwann auf und stellen fest, dass wir eigentlich in der 3. Liga gegen den Dino spielen müssen. Ächz. Dann doch lieber torlos (#liebertorlos).

Nice Guys Sankt Pauli //josy

Auch am Start:
Grenzenlos Sankt Pauli: Klassenerhalt, nein danke!
BeebleBlox: Maulwurfshügeltore
Magischer FC: Macht und Ohnmacht
KleinerTod: Neue Ziele? Alle Richtungen nach wie vor
SouthEndScum: Now, GTFOOH!
Stefan Groenveld-Blog: Klassenerhalt

#senfdazu11

FC St. Pauli – 1.FC Nürnberg 0:4

Liebe Genossen des gepflegten Nieselregens,

Zwei Tage nach dem verheerendem Spiel ist das Ergebnis kein unausgesprochenes Geheimnnis mehr, so will ich die schmerzliche Wahrheit gleich noch mal zu Anfang aussprechen: 0:4 ist scheiße. Bei aller Rhetorik und Positivitätsduselei bleibt es dabei. Shit is always shit/No matter how you look at it!, um mal den berühmten Vers aus Shakespeares „Romeo und Julia“ zu zitieren. Doch wollen wir den Karren nicht vor den Ochsen spannen und back to the roots gehen. Als Ihr aufrichtiger und bemühter Korrespondent stehe ich in der journalistischen Bringschuld zu erwähnen, dass sich der Zentralrat der Nice Guys beim dieswöchigen Blogeintrag für das beschränkteste und sachunkundigste Mitglied ihrer illustren Runde entschieden hat, weswegen ich meine Ignoranz mit 60% unnötig langen Sätzen und 60% augenverdrehenden Plattitüden salzen muss.

So nun, lasst die Spiele beginnen!…! Alle Spiele? Nein! Nur eines, sonst reicht der Platz und das Citalopram nicht. Es war ein schöner Herbsttag, einer jener Tage, die in romantischer Literatur gerne als „golden und warmer Herbsttag“ bezeichnet werden, auch wenn ich nie verstanden habe, was an grauem Nieselregen „golden“ sein soll, aber das lass ich ma dahingestellt sein, be it wie it be, und so waren wir alle nicht überrascht, als in der 1. Minute der Schiedsrichter, dessen Namen ich leider nicht in Erfahrung bringen kann, weil ich den entsprechenden Eintrag bei kicker.de nicht finden kann, jedenfalls dieser Schiedsrichter, den ich im Folgenden einfach Q nenne, benannt nach der in Grundzügen rekonstruierbaren, aber verschollenen, Logienquelle Q, pfiff das Spiel an.

Wir schalten live, aber verspätet, zu unseren Freunden auf der Geschäftsführung, da ich hier ja nicht nur einen Blog über das Fußballgeschehen verfassen möchte, sondern im Sinne der Aufklärungsideale von Bildung und engagiertem Bürgertum auch allgemein gesellschaftliche Themen bezogen auf Fußballkultur abhandeln möchte, die für Ignoranten und schludrige kicker.de- und St. Pauli-App-Leser wie mich überraschend, verkündete, dass St. Pauli den jahrelangen Rechtsstreit um die Vermarktungsrechte mit dem Vermarktungsrechtebesitzer mit dem bescheidenen, wenn auch nervig fehlerhaften Namen Upsolut beendet hat, indem der Verein das Unternehmen kurzerhand übernehmen wird. Jubelheitereundjuchzende Freudigkeit! Olé! Aber verzeihung, you were sayin‘….?

Das Spiel begann mit einer guten Choreo, deren wahres Ausmaß ich unter den hochgehaltenen Pappschildern leider nur erahnen konnte, aber das, was man auf dem Bildschirm gesehen hat, war schon recht cool, um mal ein wirklich sehr abgenutzten und kaum noch irgendwas aussagendes Adjektiv zu benutzen. Ich könnte jetzt meine Notizbucheintragungen herunterrattern und es dann euphemistisch „Analyse“ nennen, aber das werde ich nicht tun. Einerseits weil wahrscheinlich alle Leser dieses Blogs das Spiel geguckt haben und zweitens, und darauf aufbauend, werden diese Leser das Spiel viel besser analysieren können als ich. Aber dennoch möchte ich ein paar Zeilen über meine Eindrücke des Spiels verfassen, weil dieser Eintrag sonst jeglicher Sinnhaftigkeit entbehren würde. Auch hierfür konnte ich jetzt leider keine Statistik finden, aber St. Pauli hatte deutlich mehr Ballbesitz, von Dominanz kann aber wahrlich keine Rede sein, dafür ist das hoffnungs- und ideenlose Ballherumgeschiebe zu ungefährlich und letztlich erfolglos. Beherrschendes Syndrom der Saison ist leider Chronische Torlosigkeit, was dazuführt, dass wir gerade mal zwei Tore mehr als Heidenheim haben….die auf dem 10. Platz sind! Kaum zu glauben, dass wir damit auf dem 3. Platz liegen, aber bislang glich die starke Defensive um „El Grande Muro“ Sobiech alles wieder aus. Hiervon war leider nicht mehr so viel zu sehen im Spiel gegen Nürnberg….oh, übrigens, St. Pauli hat gegen Nürnberg gespielt, falls das jemand vergessen haben sollte, ich hab es glaube ich vorher noch nicht erwähnt!…., sodass wir leider mehrfach gnadenlos ausgekontert wurden und nur mit Mühe und Not die sprintstarken Nürnberger aufgehalten werden konnten. Was offensichtlich nicht häufig genug der Fall war. Das Spiel der Bhoys in Brown kann man wohl als die dystopische Perversion des Bayrischen Spiel kategorisieren, will heißen, viel Ballbesitz, viele Pässe, aber leider ohne die Finesse und Eleganz der Master of Football, sodass man über weite Strecken des Spiels in tagesphantasierenden Einkaufsüberlegungen abdriftete, ohne viel verpasst zu haben. Die Nürnberger standen kompakt, um mal dieses ubiquitäre Wort des Defensivfußballs-Sprech zu benutzen, und lauerten, auch hier denke ich, dass kein anderes Wort dem abwartenden Charakter des Nürnberger Spiels gerecht wird, auf Konter.

Bei St. Pauli grassierten die Fehler: auch unabhängig vom desaströsen Dudziak, der zweimal meiner Rechnung nach mit einem Mitspieler zusammenrannte (53. mit Thy; 56. mit Buchtmann), spielten viele St. Paulianer überspannten Fußball: Gonther rannte in seiner ersten Aktion nach Einwechslung ins Abseits (78.), Verhoek versprang der Ball äußerst albern (76.) und ansonsten verstammelten alle und kollektiv mehrfach den Ball vorm Strafraum.

Um mal wieder eine weitere Plattitüde zu bedienen: Quo vadis St. Pauli? Die sichere Defensivarbeit, die wir bislang konstant zeigen konnten, wird meinem Optimismus zufolge wiederkommen. Wir sind uns wohl alle einig, dass dies ein maßgeblicher Baustein unseres Erfolges der bisherigen Saison ist. Für die Offensive jedoch muss noch viel getan werden. Mit unserer bisherigen Leistung nach vorne können wir solche Spiele nicht drehen, wir können sie nur verwalten. Dafür ist unser Spiel leider zu stark auf einen glücklichen Treffer und das folgende Verwalten der leichten Führung ausgerichtet. Geht diese Taktik einmal nicht auf, so können wir auch in solch einem Spiel keine Punkte holen. Denn seien wir ehrlich: vom Spielanteil und von den Chancen her, hätte St. Pauli am Sonntag deutlich mehr herausholen müssen. Gerade weil sie dies aber nicht geschafft haben, ist die Niederlage, und es fällt mir schwer, dies überhaupt nur auszusprechen, weswegen ich ganz froh bin, das nicht zu tun, sondern mich auf’s Schreiben beschränken zu können, gerechtfertig und eigentlich verdient.

Kommen wir also noch zu leichteren Themen: der Zukunft des deutschen Fußballs. Breite Runde gemacht hat in den letzten Tagen der umstrittene Antrag des FC St. Pauli über die Ausnahme von die 50+1-Regel brechende Vereinen wie Wolfsburg, Hoffenheim, Leverkusen und demnächst auch Hannover, von der sogenannten Solidargemeinschaft der Gesamtvermarktung der Fernsehrechte der 1. und 2. Bundesliga. Diskursanalytisch höchst interessant und leider auch genauso traurig, ist das framing in der öffentlichen Debatte von St. Pauli als den eigentlichen Auflöser der Solidargemeinschaft, während doch der Antrag eigentlich darauf abzielt, die Auflösung der Solidargemeinschaft--im Sinne der gleichen Rechte für alle--durch benannte Vereine zu relativieren. Der langen Rede kurzer Sinn: Hoffenheim und Konsorten sind unsolidarisch, weil sie sich Vorteile verschaffen durch die Unterstützung durch DAX-Unternehmen oder reiche Gönner. Leider ist die öffentliche Reaktion dieser Vereine mehr als beschämend, stellen sich doch jetzt diese reichen Vereine als gebeutelte Opfer einer Hetzkampagne dar, während selbst wohlmeinende Unterstützer der Gesamtvermarktung wie Rummenigge in gutsherrlicher Arroganz versuchen, den Vereinen der 2. Liga kollektiv ihren paternalistischen Willen aufzuzwängen, nach dem Motto „Wir sind solidarisch, aber nur weil wir so nett sind“. Gut, soll er sein. Hoffnung machen da vor allem Meldungen, dass die Chefetagen von Schalke und Dortmund anders über die neureichen Vereine denken und dem Vorhaben von St. Pauli sogar eventuell sympathisch gegenüberstehen. Wir werden sehen, was die Zukunft bringen wird. Deswegen möchte ich mit den Introworten von Monty Python’s Flying Circus enden: It’s….

Nice Guys Sankt Pauli //josy

Auch an den Tasten:
Stefan Groenveld-Blog: Crystal gegen Valium
SouthEndScum: WAKE UP PEOPLE!!
Magischer FC: Vier Gegentore mehr, fünf Ringe weniger
Grenzenlos Sankt Pauli: Egal, aber
beebleblox: Straight outta Spitzengruppe
KleinerTod: Alles Käse? Nein. Aber #FCSP verliert daheim gegen Nürnberg am NOlympia-Sonntag.
Übersteiger-Blog: 16.Spieltag (H) – 1.FC Nürnberg