#senfdazu

#senfdazu46

FC St. Pauli – Erzgebirge Aue

Freitag, Flutlicht und so weiter. Perfekte Umstände, um meinen Endorphin-Spiegel in die rote Zone zu heben. Doch jedes Mal bevor es dazu kommen konnte, machte der Gedanke an den Gegner alles kaputt. Aue. Wir spielen gegen Aue. Zwar verriet mir die Statistik, das wir tatsächlich schon mal gegen Aue am Millerntor gewonnen haben, aber das Gefühl lässt sich nicht abschütteln; Zuhause gegen Aue gibt es nichts zu holen. Es ist wie verhext.

Damit lässt sich das hier auch schön abkürzen. Schließlich sind das höhere Mächte, gegen die man nichts ausrichten kann. Blog-Kollege timbo hat noch kräftig zur Taktik am Freitag getwittert, doch scheinbar können wir machen, was wir wollen und gewinnen nicht.

Das dritte 1:1 in Folge ist im ersten Moment frustrierend, doch bei der Verletztenliste durchaus respektabel. Wenn wir die Kapelle voll haben, dann geht sicherlich noch etwas mehr. Außerdem spielen wir noch gegen die untere Hälfte der Tabelle – außer nächste Woche. Die Statistik gegen Union in den letzten Jahren könnte zwar besser sein, aber trotzdem steigt das Endorphin schon wieder an. Ein Dreier an der Alten Försterei ist die einzige Möglichkeit!

Nice Guys Sankt Pauli //flippa

Achja: Glückwunsch Alte Schule!

#senfdazu45

FC Sankt Pauli – 1.FC Kaiserslautern 1-1

Ganz kurz: Ich habe Freitag ein „Praktikum“ beim AFM-Radio machen dürfen. Das spülte mich hoch oben auf die Gegengerade. Dank wlan und bester Sicht auf Höhe der Mittellinie und gänzlich ohne Bier/Schnack/Gesang habe ich Taktisches getwittert. Ob das nun gehobene Analyse-Kunst oder eine Aneinanderreihung gewürfelter Begriffe aus „Fußball-Taktik für Dummies“ ist, dürft ihr selbst entscheiden. Hier meine 38 Tweets in ausgeschriebener Form:

Vor dem Spiel

…konnte ich ein wenig mit Andrew Meredith, unserem Video-Analysten, sprechen. Er erwartete den FCK unter Jeff Strasser ähnlich wie bei seinem erfolgreichen Debüt gegen Greuter Fürth. Ein 3-4-3 in offensiver Ausrichtung, bei dem sich defensiv eine 5er-Kette bilden würde. Ist ja ziemlich En Vogue dieses System momentan. Zwei Außenspieler beackern die gesamte Bahn, das Zentrum ist gut besetzt und die Formationen können so dermaßen variabel gestaltet werden, dass man im Grunde auf jede andere Formation und Spielsituation reagieren kann. Grundsätzlich sind Spiele gegen Teams, die erst kurz vorher ihren Trainer gewechselt haben, für diejenigen, die den Gegner analysieren natürlich ein absolutes Desaster. Zu wenig Infos kann man über die Spielidee des Gegners erlangen, Überraschungen sind da vorprogrammiert. Ich jedenfalls erwartete eine gänzlich andere Formation des FCK. Das mag aber auch daran gelegen haben, dass ich Infos vom Spiel gegen Fürth nur vom Kicker bezogen habe und da war eine 3er-Kette angezeigt.

Halbzeit 1 – Kein Interesse an Fußball

Wir starten mit Dudziak anstelle von Buballa und Buchtmann statt Neudecker. Zudem begann Flum. Das entwickelte sich dann zu dem üblichen 4-2-3-1 oder besser einem 4-1-4-1, da Buchtmann und Flum für den Spielaufbau abwechselnd ins defensive Mittelfeld zurückfielen. Der andere der beiden Zentrums-Spieler rückte dann teilweise auf die Höhe von Sami Allagui. War dieses hohe Aufstellen nicht der Fall, so gesellten sich Sahin und/oder Sobota mit auf die Höhe von Allagui. Die Formation des FCK war dann aber doch eine andere als die erwartete 5er-Kette. Stattdessen gesellte sich bei FCSP-Ballbesitz Mwene in die letzte Kette, während Abu Hanna mit den beiden Sechsern davor eine 3er-Kette bildete. Es entwickelte sich also ein klassisches 4-3-3, wie wir es z.B. in der zweiten Halbzeit gegen Heidenheim diese Saison zeigten. Der Unterschied zu Heidenheim ist allerdings, dass der FCK nicht ansatzweise ein Interesse daran hatte, ein Fußballspiel zustande kommen zu lassen. Das 4-3-3 des FCK stellte uns in Halbzeit eins vor enorme Probleme. Im Zentrum waren wir unterbesetzt und der Druck auf den Sechser hoch, sodass versucht wurde das Spiel über die Außenverteidiger aufzuziehen. Die beiden 3er-Ketten verschoben jedoch recht gut, sodass zum Doppeln dieser nicht einmal ein Spieler aus der 4er-Kette benötigt wurde. Dieses provozieren von Pässen auf die Außen spielt aber nicht nur der FCK. Es ist häufig das Ziel von Teams mit Mittelfeld-Pressing, dass Spiel auf eine Bahn zu lenken. Dafür wird dem Gegner die Pass-Option Außenverteidiger bereitgestellt. Ist der Pass dort angelangt, greifen mehrere Gegenspieler an, während mögliche Pass-Optionen in deren Deckungsschatten verschwinden.


Die defensive Grundordnung des FCK im 4-3-3 (fett Rot) und das von mir erwartete 5-4-1 (tranparentes Rot)

Nach Ballverlusten zog sich der FCSP weit in die eigene Hälfte zurück und bildete nach Überspielung der ersten Reihe mal wieder eine 6er-Kette in letzter Reihe. Weder das tiefe Pressing des FCSP, noch das unerwartete 4-3-3 des FCK sorgten für Ballgewinne, die sich für ein schnelles Umschaltspiel eigneten. Zumal beide Teams darauf bedacht waren, eben diese Situationen zu vermeiden. Das führte zu einer enormen Chancen-Armut in Halbzeit 1 und zu Unruhe auf den Rängen. Aber mal ehrlich, was haben wir erwartet. Die letzten beiden Heimspiele haben wir massiv auf die Fresse bekommen dafür, dass wir ein höheres Pressing mit der Option auf vielversprechende Ballgewinne spielten. Ein vorsichtigeres Vorgehen war daher selbst gegen den FCK zu erwarten. Für weitere Unruhe im Stadion sorgt auch immer wieder das Spiel über unseren Torwart, wobei das eigentlich nicht mehr für Schweißausbrüche sorgen sollte, seit Matze Hain nicht mehr im Tor steht. Gerade bei Gegnern, die so zentrumsorientiert verteidigen, ist es einfach schwierig über dieses den Ball zirkulieren zu lassen. Für einen Seitenwechsel bieten sich daher nur zwei Optionen: Lange Bälle auf die andere Seite (riskant) oder das Spiel über den Torwart bzw. hinten herum (relativ sicher). Zusätzlich provoziert das Spiel hinten herum auch ab und an den Gegner, der sich dann zu weit aus der eigenen Hälfte locken lässt. Dadurch bieten sich hinter der ersten Reihe enorme Räume, die dann genutzt werden können. Das wurde gestern auch versucht, aber der FCK hielt sich meist absolut diszipliniert an die eigenen Vorgaben. Von dieser Seite bestand eigentlich kein Interesse an Fußball. Das machte es natürlich schwierig für uns; motzen tun dann im Stadion meist immer die, die sich im Fernsehen gerne die Champions League und die Sportschau ansehen. Klar, in diesen Ligen wird mehr Fußball gespielt und es gibt dort einige Teams, die so ein tiefes 4-3-3, wie das des FCK, einfach auseinanderspielen können. Solche Teams gibt es aber nicht in unserer Liga. Die zweite Liga ist eine Umschalt-Liga, noch mehr als die erste Liga. Das führt dazu, dass viele der Teams, die über viel Ballbesitz zum Erfolg kommen wollten, meist krachend gescheitert sind (z.B. 1860 und KSC in der letzten Saison).
Die einzig nennenswerte Chance in der ersten Halbzeit entstand dann durch einen der wenigen gelungenen Pässe des FCSP ins gegnerische Zentrum. Diese wurde durch das kurzfristige Erschaffen einer massiven Überzahl im Zentrum entwickelt indem Sobota und Sahin einrückten. Zeitgleich war der FCK eines der wenigen Male mit einem 5-4-1 aufgestellt, welches sogleich ausgenutzt wurde.


(gestrichelt: Ballwege; durchgezogen: wichtige Laufwege) Sobota und Sahin verdichten das Zentrum und erschaffen so eine Überzahl. Moritz und Fechner können jedoch nicht wirklich rausrücken, da Buchtmann, Allagui und Dudziak in deren Deckungsschatten stehen und sonst als Anspielstationen „zwischen den Ketten“ dienen können.

Halbzeit 2 – Flum als Spitze belebt Allagui

Als Reaktion auf das tiefe 4-3-3 des FCK wurde der Druck auf die 4er-Kette erhöht, indem Sobota, Sahin und vor allem Flum nun wesentlich konsequenter auf die Höhe von Allagui rückten. Dieser konnte sich dadurch etwas freier bewegen, wich vor allem auf die Außen, aber auch in den Rückraum aus. Als Reaktion auf den gestiegenen Druck, bildete sich nun partiell auch die anfangs erwartete 5er-Kette beim FCK und bot mehr Räume zum Spielaufbau. Das führte zu einem optischen Übergewicht und letztlich auch zum verdienten 1-0. Danach war aus meiner Sicht eigentlich alles in geordneten Bahnen. Durch unsere Führung war der FCK gezwungen seine äußerst defensive Grundordnung zu lockern, während wir uns weit zurückziehen konnten. Das ist genau die Spielsituation, die uns liegt und die uns auswärts momentan so dermaßen erfolgreich spielen lässt. Für mich war es eine Frage der Zeit bis wir das zweite und entscheidende Tor erzielen würden. Nach der Führung boten sich zum ersten Mal im gesamten Spiel vielversprechende Umschalt-Situationen. Bei der besten hatten wohl nahezu alle bereits den Torschrei auf den Lippen als Möller Daehli am überragend reagierenden Müller scheiterte. Nun, es kam anders. Viele empfanden es als falsch, sich nach dem Führungstor so weit zurückfallen zu lassen. Man muss jedoch feststellen, dass der FCK spielerisch zu keiner Zeit ansatzweise Gefahr versprühte. Und Gegentore nach Ecken sind zwar immer möglich, selbst für die größten Blinsen, aber eigentlich auch relativ unwahrscheinlich (siehe MillernTon043).


Immer wieder beeindruckend: Die 6er-Kette, die der FCSP als letzte Option im tiefen Pressing zieht.

Nach dem Ausgleich ist dann von Taktik eher weniger zu sehen, welches natürlich auch mit den nachlassenden Kräften zusammenhängt. Häufig holten sich Möller Daehli und Sahin die Bälle nun wesentlich früher ab und strahlten von dort in die Mitte aus, während die Außenverteidiger in offensiverer Position die Gegenspieler fixierten. Eigentlich eine gute Option, aber leider nicht mehr von Erfolg gekrönt.
Fazit: Sämtliche Teams der zweiten Liga agieren mehr oder weniger auf einer Höhe. Spielen beide Teams so vorsichtig wie der FCSP und vor allem so diszipliniert wie der FCK in der ersten Halbzeit, dann ist Fußball ein destruktiver Albtraum. Ich hoffe auf bessere Zeiten…

Nice Guys Sankt Pauli //timbo

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#senfdazu44

FC St. Pauli – Fortuna Düsseldorf 1:2

Seit einer Stunde sitze ich vor dem Rechner und versuche einen Einstieg in diesen Blog zu finden. Völlig vergeblich. Während timbo über den Auswärtssieg in Kiel berichten durfte, kriege ich nämlich mal wieder den Mist ab. Wobei das Ergebnis schlechter klingt, als es tatsächlich war.

Der Wecker holte mich früh aus dem Bett. Vor dem Spiel war wieder Übersteiger verticken angesagt. Der krasse Temperaturanstieg zwischen 9 Uhr (Zielperson verlässt das erste Mal die Wohnung) und 11 Uhr (Zielperson verlässt Wohnung in Richtung Stadion), ist Schuld für den vielen Schweiß beim Verkaufen in Pullover und Jacke. Dabei fiel mir schon auf, wie viele Gästefarben heute unterwegs sind. Und es gefiel mir. Ein voller Gästeblock macht jedes Spiel (auch auf der Gegengerade) lauter.

Die ersten Lacher des Tages dann durch das Team aus der Sprecherkabine. Schön, dass nach Ansage der Aufstellung „Song 2″ angespielt wird, gefolgt von einem kurzem Ausflug zu den „Hells Bells“, bevor „Das Herz von St. Pauli“ mit einem dicken Grinsen im Gesicht genossen werden kann.

Schnell nach dem Anpfiff kippte die Stimmung auch schon wieder. Das 0-2 nach 23 Minuten wurde dann logischerweise vom Ehemaligen besorgt und die Angst wuchs, dass man schon wieder so unter die Räder kommen würde, wie eine Woche zuvor an selber Stelle. Timbo und ich gerieten gar in eine Diskussion über das Jenaer Tor gegen auf Fair-Play hoffende Meppener (folgende Szene). Während des Spiels! Mit timbo diskutieren ist kein Zuckerschlecken. Auch ich war da sicherlich nicht der deeskalierende Part der Diskussionsteilnehmer. Streiten sich Geschwister, wird es zudem selten schön für versehentlich Beiwohnende. Keifend nervten wir also die Umstehenden, während St. Pauli sich auf dem Platz zurück in das Spiel arbeitete. Ich nutze die Gunst der Stunde und richte die folgende Nachricht an meinen Blogkollegen: Ich habe Recht und erkläre diese infantile Diskussion damit an dieser Stelle für beendet, Mr. Pupswindel!

Cenk Sahin half uns mit seinem herrlich ansatzlosen Schuss in den Knick dabei, den Fokus wieder auf das Wesentliche zu richten. In den zweiten 45 Minuten sind wir dann deutlich besser. Leider ist Tore schießen nicht die Spezialdisziplin dieser Mannschaft und wir bringen uns so, trotz besten Chancen, um einen Punkt. Trotzdem darf nun nicht die ganze Saison in Frage gestellt werden. Ein Blick auf die Tabelle langt, um zu sehen, dass wir bereits (vorausgesetzt Nürnberg gewinnt heute das Frankenderby) gegen Platz 1-4 gekickt haben. So schlecht haben wir gegen die alle gar nicht ausgesehen.Trotzdem immer ärgerlich, wenn Punkte liegen gelassen werden.

Was macht man nach so einem enttäuschenden Spiel? Richtig! Man schleicht sich auf das Reeperbahnfestival auf dem Heiligengeistfeld. Ein Nice Guy war mit so viel krimineller Energie überfordert und hätte sich am liebsten selbst angezeigt. Das Einbruchadrenalin war dann aber auch das Spannendste vor Ort. Wir zogen weiter in Richtung Spielbudenplatz. Dort gab es gute Musik und Gin Tonic für umme. Die Nice Guys Fraktion „Heitere Suffgeschichten“ hatte ihren Spaß.

Nun liege hier leicht verkatert im Wohnzimmer auf der Couch und da euch das schon überhaupt nicht interessiert, erzähle euch nun noch, dass wir einen neuen Teppich haben. Was soll ich sagen: Der Teppich macht das Zimmer erst richtig gemütlich!

Heute Abend dann Horrorfilme auf allen Kanälen. Ich atme tief durch und hoffe das Beste.

Nice Guys Sankt Pauli //flippa

Weitere Berichte:
Stefan Groenveld-Blog: Gegen den Spitzenreiter verloren
BeebleBlox: Um 13 Uhr ist sonst immer Mittagsschlaf

#senfdazu43

KSV Holstein – FC St. Pauli 0:1

Meine Auswärtsfahrten der letzten Jahre lassen sich mittlerweile problemlos an einer Hand abzählen. Und wenn ich dann auswärts fahre, dann bin ich genau das, was der Fanladen gerne als „cherry picker“ bezeichnet. Ich suche mir die Fahrten aus, die für mich erträglich sind. Ich habe allergrößten Respekt vor denen unter uns, die sich im Bus auf den Weg nach Sandhausen, Nürnberg, Ingolstadt, ganzweitwegimSüden machen. Ich war vor gut zehn Jahren in Frankfurt mitm Bus. Die 0-1 Niederlage in Verbindung mit dem Fanclub FC Halligalli als Mitfahrer hat mir ehrlichgesagt gereicht um mich von zukünftigen, längeren Bustouren fernzuhalten.

Nun also, als junger Vater und Arbeitnehmer, also anders als dieses Vagabunden-Dasein als Student, habe ich mir bereits vor der Saison geschworen, dass ich, neben einer Fahrt im Sonderzug zum letzten Auswärtsspiel (ich sach ja: „cherry picker“) nach Kiel fahren möchte. Wenn ich cool wäre, dann würde ich sagen: „Den Ground hatte ich noch nicht.“, aber spätestens nach den ersten Zeilen ist dem aufmerksamen Leser klar, dass ich höchstens zwei Dutzend „Grounds“ habe und diese Aussage daher eher so lala als Argument für die Fahrt gelten dürfte. Nein, es ist natürlich der Zeitaufwand der hier ausschlaggebend gewesen ist. Ich habe mich gestern um 13.30 auf die Socken gemacht und war um 23.30 wieder zuhause. Läppische zehn Stunden der Trip, das schaffe ich meist nicht einmal bei Heimspielen.

Der Termin unter der Woche führte dann auch tatsächlich dazu, dass die Nice Guys-Fraktion arg dezimiert die Reise antrat. Genaugenommen handelte es sich nur um mich. Natürlich ist man bei St.Pauli-Spielen nie so richtig alleine, denn da laufen einem doch immer einige bekannte Nasen vor der Linse rum und außerdem bietet so eine Single-Reise auch immer die Möglichkeit mal wieder ein paar neue Gesichter kennenzulernen. So durfte ich mir den Bus mit KKSP teilen. Dem Fanclub also, dessen Banner im Laufe des Abends durch einige unerwartete Hände gereicht wurde. Aber fangen wir vorne an:

Noch bevor der erste Bus überhaupt den Vorplatz erreichte hatte ich bereits drei ÜS verkaufen dürfen. Meinen Plan insgesamt 200 Stück mit nach Kiel zu schleifen, habe ich glücklicherweise noch einmal überdacht, da ich dann auch gemerkt habe, dass die meisten Auswärtsfahrer dieses Stück Premium-Print-Ware meist schon besaßen oder sich schlichtweg nicht dafür interessierten, aber es ihnen keinesfalls entgangen war, dass ein neuer ÜS erhältlich ist. Im Laufe des Tages habe ich dann aber doch noch etwa 40 Hefte verkauft. Der Verkauf der ÜS führte aber auch dazu, dass ich den Platzsturm der Kieler Anhänger verpasst. Ich bekam vom Vorplatz nur mit, dass gefackelt wurde und hörte einige Pfiffe. Ich wunderte mich zwar, dass bereits deutlich vor Spielbeginn damit angefangen wurde, aber ärgerte mich im ersten Moment eher darüber, dass ich es verpasste. Denn ich schaue mir gerne Rauch und Leuchtfackeln an. Über die Umstände und genauen Abläufe wird sicherlich an anderer Stelle zu genüge geschrieben (ich empfehle den ÜS-Blog) und über die Dämlichkeit einer solchen Aktion braucht man sich sicherlich nicht zu unterhalten. Die Reaktion des eigenen Teams ist dann natürlich irgendwo zwischen Weltklasse und legendär einzuordnen. Es war übrigens das KKSP-Banner, dass Sami Allagui wiedergeholt hat, nicht, wie zuerst weit verbreitet das der New Kids. Zusätzlich wurde noch beim Versuch des Raubes das Banner von Ölene Kadar zerissen. Immerhin haben die Bratzen keine Zielgenauigkeit, sodass die Fackeln keine Gäste trafen.


Unten/Mittig: Fans und Ordnungsdienst des KSV. Hinten: Der Gästeblock.

Zur selben Zeit bahnte sich vor dem Gästeblock aber ein weiteres Desaster an, welches sehr viel schlimmer hätte enden können. Meinen Schätzungen zufolge waren im Block etwa 2000 Leute. Für diese 2000 Leute gab es genau einen einzigen Eingang. Und an diesem Eingang befand sich genau eine einzige Person, die die Tickets kontrollierte. Man muss kein Mathematiker sein, um zu erkennen, dass diese Rechnung bei weitem nicht aufgeht. Man hätte das auch nicht erst gestern, sondern bereits lange vorher wissen können. Trotzdem gab es eben nur diesen einen Eingang und als ich mich dann gegen 18.10 aufmachte, befanden sich nach meiner Schätzung noch etwa 1000 Leute vor dem Stadion. Die Art des Eingangsbereiches kann auch durchaus als Nadelöhr bezeichnet werden. Eigentlich hätte man die Einlasskontrolle über wenige Meter erreichen können, aber durch Absperrgitter wurde der Weg verlängert. Als es dann zeitlich knapp wurde, kam es dazu, dass viele Fans einfach den direkten Weg wählten, also über die Absperrgitter kletterten. Hierbei handelte es sich aber nicht um einen Blocksturm, denn es wurde nur der Weg hin zur Einlasskontrolle verkürzt. Die Reaktion des Kieler Ordnungsdienstes auf den plötzlichen Ansturm kurz vor Anpfiff, der ja zu erwarten gewesen ist, war jedoch nicht die Öffnung eines zweiten Tores, sondern die Hinzuziehung der Polizei. Diese fuhr dann auch mal direkt mit nem Wasserwerfer vor, welches natürlich für enorme Unruhe bei uns Wartenden sorgte. Daraufhin drängten einzelne nämlich, in Erwartung einer Dusche, weg vom Einlass. Zusätzlich wurde der Einlass dann erstmal komplett gesperrt, während von hinten weiter Leute über die Absperrung kamen. Das Drehbuch für eine Katastrophe. Ich war mittendrin und es wurde seeehr eng. Was für eine fatale Sicherheitskonzept-Scheiße ist das denn gewesen?! Ein Glück hat der Großteil der Leute die Ruhe bewahrt und die Polizei den Wasserwerfer nicht eingesetzt. Statt der Öffnung eines weiteren Eingangs, wurden die Kontrollen dann unfreiwillig runtergefahren. Ich bin letztlich ohne Ticket- und Körperkontrolle ins Stadion gekommen. Das kann ja nun auch nicht wirklich das Ziel des Ordnungsdienstes gewesen sein. Stefan hatte bereits im MillernTon davon erzählt wie dilettantisch die Planung des Spiels von Kieler Seite durchgeführt wurde. Ein Glück ist nix passiert, ihr Deppen!

Vom Spiel selbst kann ich dann ehrlichgesagt wenig erzählen. Das liegt vor allem daran, dass die Sicht bestenfalls als mittelmäßig bezeichnet werden kann. Sobald sich der Ball auf der gegenüberliegenden Hälfte befand, konnten Abstände der Spieler und deren Höhe auf dem Spielfeld nur gemutmaßt werden. Ich freute mich aber bereits vor Anpfiff, dass Neudecker endlich mal von Beginn an randurfte. Seine Vorlage zum Tor ist ein Sinnbild für seine Fähigkeiten und ich hoffe, dass wir noch mehr Einsätze von ihm sehen.
Bemerkenswerterweise kam stimmungsmäßig von Kiel gar nix. Da ich auch keinerlei Fahnen in deren Block gesehen habe, gehe ich mal davon aus, dass das nicht immer der Fall ist. Ich habe mich bei USP im Block aufgehalten, da bekommt man lautstärkemäßig aus anderen Blöcken aber auch naturgemäß wenig mit. Vielleicht haben die Kieler ja auch supportet, aber ich habs nicht gehört, gesehen habe ich ja so oder so schlecht. Über die Stimmung im Gästeblock kann ich auch nur mutmaßen, in meiner Nähe war halt Feuer, aber ob das rundherum der Fall war, kann ich nicht bewerten. Grundsätzlich ist so eine langgezogene Kurve aber eher kontraproduktiv in Sachen Support und eine fehlendes Dach tut sein Übriges.

Umso geiler, dass wir das Ding über die Zeit bringen! Mit 13 Punkten aus sieben Spielen kann man durchaus zufrieden sein, zumal wir ne amtliche Verletztenliste haben. Allein die Art und Weise der Siege und das Torverhältnis sollten uns aber aufzeigen, dass nicht alles so rund läuft und ehrlichgesagt hätten alle vier Siege auch Niederlagen sein können. So richtig überzeugt haben wir bisher nur partiell gegen Bochum und Heidenheim. Jetzt kommt mit Düsseldorf ein ähnlich offensivstarkes Team wie Kiel zu uns. Ich kann die Fortuna nicht leiden, das sage ich jetzt schon mal. Das wird kein schönes Fußballspiel.

Auf der Rückfahrt beging mein Sitznachbar von der Basis dann den Fehler, mich vorsichtig nach taktischen Dingen zu fragen. Die Silben explodierten über einige Zeit nur so aus mir heraus und wurden erst durch die Rast gestoppt. Er brachte mir dann ungefragt nen halben Liter Bier mit. Ich verstand und hielt meine Klappe…

Nice Guys Sankt Pauli //timbo

Es schrieben auch:
SouthEndScum: Matchday 07
Übersteiger-Blog: 7.Spieltag (A) – KSV Holstein Kiel

#senfdazu42

FC St. Pauli – FC Ingolstadt 0(:)4

Meine Güte! Sind wir verprügelt worden! Erstarrt und mit großen Augen, verfolgte ich die Schlachtung in Halbzeit eins. Es half sicherlich auch nicht, dass die Ingolstädter Spieler auftraten und aussahen, wie Metzger mit McFit-Abo. Schade eigentlich, dass wir uns der Prügel wie ein Schaf der Schur beugten – doch mehr war augenscheinlich auch nicht drin. Trotzdem sehr ärgerlich, schließlich bahnte sich vorab ein hervorragender Samstag an:

Nach einem ruhigen Freitagabend, ging es Samstag früh vor dem Spiel bereits zum Jolly. Dort war der Videodreh für die Single vom neuen Slime-Album angesagt. Freibier abgreifen und Parolen in eine Kamera brüllen kann ich. Anschließend dann ab zum Fanladen, mehrere Kartons mit Übersteigern rausholen und auf dem Gegengeradenvorplatz solange die Leute zusammenschreien, bis die Dinger verkauft sind. Kann ich auch.

Im Millernton 45 (das war mein ruhiger Freitagabend), vernahm ich bereits, dass timbo (der nun festes Mitglied als Taktik-Experte beim Millernton ist), über seine HSV-Vergangenheit und die „nie erloschene kleine Flamme“ für den Dino, ausgepackt hat. Mitleidiges Kopfschütteln war ihm auch in unserer Runde sicher. So wie timbo sich seine Freizeit mit Taktiken im Fußball-Geschäft verdödelt, mache ich das mit American Football. Während ich ihm und Franz grad die Run-Pass-Option mit Pulling Guard von Cincinnati gegen Houston anhand anschaulichem Bildmaterial erklärte, brach erste Panik aus, als Moeller Daehli nicht in der Startelf entdeckt wurde. Fack! Wenn es einen Spieler gibt, der den Unterschied für uns momentan macht, dann er.

Vom Anpfiff weg, war dann recht deutlich, wer hier heute das Nachsehen hat. Selbst mit dem blonden Norweger, wäre das sehr schwer geworden. Nach einem perfekten Freistoß zum 0-1 und zwei bitteren Nehrig-Aktionen, sehnte ich die Halbzeitpause herbei. Doch mit dem 0-4 direkt vor dem Pfiff, war dann schon alles gelaufen. Zu gut die Ingolstädter und zu schlecht der FCSP. Dass man sich hier immer noch in der Halbzeit mit pfeifenden und buhenden Menschen auf der Gegengeraden anlegen muss, vernagelte mir noch mehr die Laune. Verpisst euch bitte! Die Mannschaft weiß selbst, was für ein Mist abgeliefert wurde und wir strafen sie mehr als ausreichend mit nicht vorhandener Stimmung. Pfeifen ist der erste Schritt auf dem Weg zum HSV-Niveau.


Auf jeder Beerdigung gibt es einen guten Lacher – diesmal aus der basch

Halbzeit 2 braucht man dann nicht mehr freizugeben. Ich bin zwar ein Fan von großen Comebacks – stelle mir sogar zwischendurch schon vor, wie wir nach dem 5-4 in der Nachspielzeit ausrasten würden, aber der einfache Vergleich der heutigen Fähigkeiten beider Mannschaften langte, um jede Hoffnung abzutöten. Die Hoffnungslosigkeit wich sehr schnell der Gleichgültigkeit. Ich schäme mich ein wenig, aber ich ging Gedanken und Gesprächen in diesen 45 Minuten nach, anstatt ab Minute 70 nochmal richtig anzufeuern. Dazu wurde auf dem Platz aber auch einfach keine Gelegenheit gegeben. Der einsetzende Nieselregen kurz vor Schluss, zauberte mir, als Freund dramatischer Auftritte, fast wieder ein Grinsen ins Gesicht.

Nach dem Spiel wurden noch schnell zwei weitere Übersteiger-Kartons vertickt, bevor es mit einigen Nice Guys weg vom Millerntor, in Richtung Altona ging. Dort war Doppelkopf spielen angesagt. Bis nachts um halb 2 saßen wir in der verqualmten Küche an einem mittlerweile klebrigen Küchentisch und stritten uns über falsch ausgespielte Füchse und schlechte Ansagen trotz Oma-Blatt, während im Hintergrund das Spotify-Radio abgefahrene Windungen der Jazz-Musik für uns erkundete. Dabei verhält es sich beim Doppelkopf ähnlich, wie mit dem Fansein beim FC; wer es nicht fühlt, kann es nicht verstehen. Seit 15 Jahren in aller Regelmäßigkeit mit besten Freunden Doppelkopf spielen zu können, ist ein Geschenk.
Und ratet wer gewonnen hat? Das Flippa! War doch (fast) ein hervorragender Samstag!

Nice Guys Sankt Pauli //flippa