#senfdazu

#senfdazu35

FC St. Pauli – Hannover 96 0:0

„Wer möchte Champagner?“ – Jahaa Leute, Schampus für die feinen Kehlen! Da steht meine Freundin S (wir haben uns vorhin zusammen dieses wahrhaft coole Kürzel für ihren Namen überlegt) doch tatsächlich 1 ½ Stunden vorm Anpfiff am Fanladen und trinkt Champagner. Der Bitte von flippa, dass sich alle Nice Guys doch mal wieder reichlich vor Spielstart vor der Gegengerade einfinden, sind wir natürlich nachgekommen. Doch halt, da war doch was?! Richtig, die eigene Tochter. Die verbringt das gesamte (!) Wochenende bei ihren Großeltern. Das führte dann dazu, dass S und ich endlich mal wieder gemeinsam ins Stadion ziehen konnten. Das letzte Mal war eine Ewigkeit her. Nun also auf nen Samstag, nachdem man bereits entspannt ausgeschlafen und gefrühstückt hatte, erst einmal mit Champagner angestoßen – das Spiel konnte nun wirklich kommen.
Im Stadion dann die alte Leier: flippa der alte Stimmungsfetischist mal wieder mit der tollen Idee sich doch einen Platz bei Ostblock zu suchen. Zwar hatten wir die Eingangstore bereits frühzeitig passiert, aber da oben noch Platz finden mit einer Truppe von sieben Leuten ist dann doch unmöglich. Also wieder auf die angestammten Plätze „Mitte unten“. Kurz vor Anpfiff durften wir dann mit einem echtem Trümmerpärchen Bekanntschaft machen, die vermutlich bis zur letzten Sekunde in der Domschänke ausharrten, damit sie sich noch ordentlich einen reinpfeifen konnten. Wie dem regelmäßigen Leser dieses Hochglanzprodukts bekannt ist, bin ich bezüglich meiner Stehnachbarn sehr eigen. Und die beiden „Stinke-Suffis“ gingen mir fast das gesamte Spiel dermaßen auf die Nerven, sodass ich dem ohnehin eher übersichtlichen Treiben auf dem Platz nicht wirklich die Aufmerksamkeit schenken konnte, wie ich es sonst immer gern tue (unnötig zu erwähnen, dass sie konstant von ‚Pauli‘ sprachen). Nachdem flippa dem Herren bereits eingetrichtert hatte, wie man in diesem Stadion mit dem Ausdruck „Schwuchtel“ umgeht, nutzte ich in der 65.Minute Jaceks Blasenschwäche dreisterweise für einen Platzwechsel. Man, der wurde die letzten Spielminuten intensivst betatscht und vollgesabbelt und vermutlich auch –gesabbert. Sorry Alter, aber ich hielt es nicht mehr aus!

Ich möchte Euch auf neue Statistiken aufmerksam machen und in Zukunft immer mit diesen arbeiten, wenn ich blogge, da sie viel mehr Aussagekraft besitzen, als ein einfaches Torschuss- und Ballbesitzverhältnis. Der niederländische Fußball-Blog 11tegen11 hat vor einiger Zeit angefangen, die Torschüsse bei Spielen zu gewichten und daraus ein „expected Goals“-Wert (xG) berechnet. Dieser gibt sehr viel genauer als das normale Torschussverhältnis die Qualität einer Torchance an. Während bei der üblichen Statistik ein Torschuss aus, sagen wir, 30 Metern, ähnlich in der Statistik zählt, wie ein Torschuss aus zwei Metern, werden die Arten der Torschüsse bei der „expected Goals“-Berechnung unterschiedlich gewichtet. Ein Torschuss aus zwei Metern auf ein leeres Tor erhält dabei einen Wert, der nahe 1 liegt, während ein Torschuss aus 30 Metern nur einen Wert von <0.1 erhält. Diese Werte bilden die statistische Wahrscheinlichkeit, dass aus den Torschüssen auch Tore werden, sehr viel besser ab. Ich garantiere euch, dass ihr diese Werte in weniger als zwei Jahren in jedem Spielbericht von kicker, etc. lesen werdet! 11tegen11 benennt xG-Daten folgendermaßen: „Expected goals are the poster boy of football analytics. Anyone who is not living under a rock and is even remotely interested in football and stats will have been confronted with expected goals in one form or another.” Eine sehr gute Zusammenfassung der xG-Statistik (auf deutsch) bietet Daniel Roßbach auf dem Eiserne Ketten-Blog, mit dem ich mich vorm Union-Spiel über Taktik unterhalten durfte.

Zusätzlich hat 11tegen11 noch „Passmaps“ zu bieten. Diese Daten gehen weit über die übliche Pass-Statistik hinaus und zeigen, welche Spieler sich wie häufig die Bälle zuspielen und wo sich die Spieler hauptsächlich auf dem Spielfeld bewegen. So zeigt sich in den Passmaps des FCSP schon seit Beginn der Rückrunde, dass im Grunde die Mitte des Spielfelds nahezu ungenutzt ist. Das liegt daran, dass die Pressingzonen der Gegner umgangen werden sollen, indem ein konsequent vertikales Spiel über die Außen aufgezogen wird.

Eine weitere Grafik zeigt dann noch eine andere wichtige Statistik an: Wie viele Pässe im letzten Drittel angekommen sind. Diese (very) deep completions sind ein Indikator dafür, wie gut sich ein Team in des Gegners Hälfte zurechtfindet. Nur die Kombination von xG-Werten und den completions zeigen dann letztendlich die Stärke eines Teams an, da gelungene Aktionen ja nicht immer in Torschüssen münden. So hat der FCSP im Heimspiel gegen Union eigentlich gut gespielt, der xG-Wert zeigt jedoch ein 3.1 zu 1.3 für Union an. Das lag daran, dass der FCSP die Chancen nicht zu Torschüssen gebracht hat. Die „very deep completions“, also die angekommenen Pässe im absoluten Gefahrenbereich zeigen ein 13 zu 5 für den FCSP. Beide Werte zusammen (xG und die angekommenen Pässe) zeigen dann ein ausgeglichenes Spiel, welches es letztlich auch war.

Nennt mich verrückt oder einen Nerd, aber für mich sind diese Daten das aussagekräftigste was die Statistik im Fußball momentan zu bieten hat!

Die Daten für das Hannover-Spiel sind aber leider noch nicht verfügbar, ich vermute, dass 11tegen11 wegen meines penetranten Nachfragens auf Twitter mich noch ein wenig zappeln lassen möchte. Allerdings hat unser Video-Analyst Andrew Meredith gerade auch nach den Daten gefragt, es sollte sich also nur noch um Stunden handeln. Ich melde mich dann wieder…
So, jetzt sind die Daten da und ich kann mich (leider nur kurz) dazu auslassen. War ja klar, dass die Daten dieses erste Mal, wo ich Euch die präsentieren möchte, nicht wirklich besonders sind, weil das Spiel so ausgeglichen war. Trotzdem: Wie man an den xG-Werten sehen kann, hat Hannover bis zur 80.Minute kaum stattgefunden, allerdings haben auch wir nicht wirklich viel zustande gebracht. Ein xG-Wert von knapp über 1 für beide Teams ist nicht sonderlich hoch. Die größten Chancen hatten nach den xG-Werten Thy in der 72. und Harnik in der 83.Minute. Der Pfostenschuss von Bouhaddouz fällt dabei nicht so sehr ins Gewicht, da der Winkel recht ungünstig war. Die completions zeigen ebenfalls eine ausgeglichene Partie mit 9 zu 12 very deep completions. Interessant auch das Passmuster, welches eine halbwegs verwaiste Mitte zeigt und eine Konzentrierung der offensiven Spieler im Zentrum. Alles in allem zeigen die Statistiken, dass das Unentschieden schon vollkommen in Ordnung geht, wobei Hannover erst in den letzten Minuten aufkam.
Unabhängig von diesen Statistiken ist ein Muster in unserem Spiel erkennbar. Sowohl gegen Hannover, als auch gegen Dresden und Karlsruhe kommen wir aus der Halbzeit und fahren die ersten 20 Minuten Angriffspressing. Das hat in allen drei Fällen gut funktioniert, aber gegen Hannover wollte kein Tor fallen. Gegen Dresden fällt das 2-0 und gegen den KSC machen wir in dieser Phase sogar drei Buden. Dieses Mal haben wir nicht getroffen und hinten raus fehlte uns ziemlich die Luft, weshalb Hannover zu einigen Abschlüssen kam. Nicht verwunderlich, Hannover hat bereits satte 18 Tore in der Schlussviertelstunde erzielt, davon vier in der Nachspielzeit. Wenn man sich dann in den ersten zwanzig Minuten der 2.Hälfte auspowert und nicht trifft, dann darf man sich nicht beschweren, wenn man verliert.

Nachm Spiel dann der übliche Weg zum Clubheim. Mein leises Bitten doch endlich mal in die Weinbar in der Gegengerade nach Schlusspfiff zu schlendern, wurde ignoriert. Nachdem D. uns im weiteren Verlauf des Abends von den Vorzügen dieses Etablissements erzählte („Digger Alder ey, Rum-Cola nur 5 Euro!“), werden wir das nachm nächsten Heimspiel definitiv mal auschecken. Stattdessen aber das Clubheim. Als dann auch das letzte Mitglied der heutigen Nice Guys-Fraktion aufgetaucht war (die Dame hing zwischen Hannover und Celle in der Bahn fest und verpasste den Anpfiff deshalb nur „gaaanz knapp“ um etwa 3 Stunden), entschied sich der Mob für den „Zoo“, da O. an den Plattentellern Gas gab. Mit im Schlepptau ein Hannover-Fan, seines Zeichens Jaceks Onkel. Der doch sehr öffentlich getragene Schal führte im „Zoo“ zu einigen Kommentaren, also wurde der Schal dann etwas defensiver getragen. Es gab wohl nach dem Spiel etwas Ärger mit Niedersachsen an der Feldstraße. Vertragt Euch, Leute!

Mein persönliches Highlight ereignete sich kurz nach Abpfiff, als der aus dem Gästeblock allseits beliebte Gesang „Scheiß St.Pauli“ im ganzen Stadion übernommen wurde. Selten so gelacht! Mich freut es jedes Mal, wenn wir den gegnerischen Fans durch solche Aktionen auf die Stumpfheit ihrer Gesänge aufmerksam machen. Schade finde ich es dann, wenn Teile unserer Fanszene die gleiche Art Gesang in Richtung Hannover-Fans loslassen. Das nimmt dem Ganzen den Spaß und stellt uns auf eine Stufe mit den Stumpf-IchfinddichScheiße-sorichtigSchschschScheiße-Gesang-Fan. Jetzt wo ich die Zeilen schreibe fällt mir auf, dass ich mich schon einmal dazu geäußert habe und zwar beim Auswärtsspiel in Hannover (#senfdazu25). Klar, es ist der kleine hsv und ich finde den Verein und Großteile der Fanszene auch nicht sonderlich, aber ich dachte immer, dass wir es besser können, als einfach ebenfalls zu verunglimpfen.
Dass es auch Hannover-Anhänger gibt (zufällig der gleiche, der später mit uns im „Zoo“ abgammelte), die mit ihrem Hirn noch ein wenig mehr Wörter als „Scheiße“ und „St.Pauli“ zusammenbasteln konnten, zeigte ein Banner in der 51.Minute (siehe Foto). Gerade der patriarchisch herrschende 96-Sonnenkönig Martin Kind wirbt ja recht offensiv für die Öffnung der Vereine für Investoren. Schön und wichtig, dass die Fanszene da nicht jeden Scheiß mitmachen will und schade, dass Martin Kind gar nicht im Stadion war. Und selbst wenn, so interessieren ihn die Belange der aktiven Fanszene nicht nur wenig, sondern sind ihm eher ein Dorn im Auge. Ich erinnere mich an die Schließung des 96-Fanprojekts und verschiedenste repressive Maßnahmen gegen 96-Fans. Wichtig und richtig also diese Aktion!

Nachdem wir im „Zoo“ dann einen Tisch für uns hatten und mit viel Bier nebenbei ein wenig Erstliga-Fußball schauen konnten, der aber zumindest im 18.30-Spiel nicht wirklich wie Erstliga-Fußball aussah, popelte ich Lothar Matthäus, der aus meinem Bauch erwuchs, noch ein wenig in der Nase.

Man, es war Zeit nach Hause zu fahren! Oder vielleicht hätten wir lieber gehen sollen, da Jacek noch unliebsame, aber glücklicherweise verletzungsfreie, Bekanntschaft mit einer Motorhaube machte. Holla, der wurde vielleicht abgeräumt! Kaum zu glauben, dass da nix passiert ist. Der Dönermann unseres Vertrauens brachte unsere Adrenalin-Pegel dann mit nem Döner und Ayran/Bier wieder auf Normal-Niveau. Zuhause dann noch die Wiederholung von Mailand-SanRemo. Scheiße Sport, ich liebe dich! Immerhin versüßt mir das die Länderspielpause! So, und jetzt ist der Roman vorbei, ich muss nämlich eigentlich arbeiten an diesem Sonntag.

Nice Guys Sankt Pauli //timbo

Bilder:
Stefan Groenveld

Texte:
Admit nothing: Eiswürfel dazu?

#senfdazu34

FC St. Pauli – 1. FC Union Berlin 1:2

Jo. Zwar war nicht zu erahnen wie, aber das Union bei uns einen Dreier holt, hielt ich für sehr wahrscheinlich. Die hatten nämlich schon vor dem Auftritt gestern vier Siege in Folge im Gepäck. Wir sollten uns mit der Bilanz der letzte Spiele ebenfalls nicht verstecken, aber die Berliner sind zurecht irgendwo da oben unterwegs und wir irgendwo da unten. Ansonsten war das gestern eine gemütliche Freitagabend-Stimmung – bisschen Rauch, bisschen Spannung, bisschen Bier.

Weit vor dem Anpfiff überkommt es mich. Gegen 13 Uhr im Büro am Kopierer stehend, blubbern die Endorphine über, sodass ich mich schütteln muss. Ich erinnere mich an die Vorfreude als kleiner Junge, wenn zeitnah der Besuch im Stadion anstand. Diese positive Aufregung! Die Vorstellung, dass in wenigen Stunden das satte Grün und das strahlende Flutlicht in meinen Augen glänzen, lässt mich nicht mehr los. An Arbeit war dann kaum noch zu denken. Sogar bei den Buchmachern lagen wir vorn. Da musste doch was dran sein! Nicht ahnend, dass wir heute noch zweimal in die Showkiste mit der Aufschrift „Kacktor“ greifen, durchzuckte mich Euphorie für den Rest des Tages.

Die ersten 15 Minuten hätten meinetwegen auch im Rauch der Süd bleiben können. Zwar war das Spiel schnell, aber wirklich hochklassig wirkte das auf dem Rasen nicht. Wenn ich mich mehr mit Taktiken beschäftigen würde, dann könnte ich das jetzt bestimmt weniger platt abtippen und die folgende Aussage – wir rannten sehr viel hinterher – mit den passenden Hintergründen belegen. Will ich aber nicht, soll timbo machen. Union war einfach in den meisten Bereichen überlegen. So ist zwar das Tor verhinderbar (Polter schlägt mit seiner vernichtenden Bauernhaftigkeit zu), aber eine Pausenführung durchaus verdient. Möller Daehli ist als einziger Spieler zu nennen, der den Unionern Probleme bereitete. Ansonsten war da einfach nicht viel drin.

Halbzeit zwei versetzt einen direkt nach Anpfiff mit der Droge Hoffnung in einen kurzen Rausch (nachdem Dudziak frei durch ist und verzieht), bevor sich der Killer des Abends in Form von Kacktor Nummer zwei präsentiert. Es gibt einfach Spiele, in denen man sich sowas einfängt. Mangelnde Leidenschaft und Kampfgeist brauchen wir uns dann nicht vorwerfen lassen. Es wirkte auf mich letztlich leider nie so, dass noch was drin ist. Trotzdem hätte ich nichts gegen die Bierdusche nach einem Treffer von Thy in der Nachspielzeit gehabt.

Bier. Was für eine schöne Überleitung. Dafür, dass timbo in #senfdazu32 das Fehlen heiterer Suffgeschichten bemängelte, hat er sechs Stunden nach Abpfiff einen 30.Geburtstag mit ziemlich lustiger Schlagseite in Richtung Altona verlassen. Die gesamte Nice Guys Truppe aus dem Stadion sammelte sich nach dem Spiel, um eben diesen Geburtstag zu besuchen. Die schlechte Musikauswahl wurde mit gnadenloser Tanzwut ignoriert. Scheinbar aufgrund von zu viel getrunkener Limonade angetüddelt, habe ich Luftballons und Blumen des Geburtstagskindes für den Heimweg entwendet. Zumindest strahlten die mich grad mit vernichtender Gleichgültigkeit (wie es nur Gegenstände können), vom Küchentisch aus, an. Warum mein Bio-Rythmus mich nach so einer Nacht schon um diese Uhrzeit aus dem Bett holt, wird sich mir auch nie erschließen.

Nächsten Samstag empfangen wir mit Hannover noch so ein starkes Team wie das aus Berlin. Auch gegen die kann man Zuhause verlieren. Glücklicherweise haben wir schon ein paar Punkte gesammelt in der Rückrunde. Mit Blick auf das Spiel in Aue wären weitere Punkte aber gar nicht schlecht, um dort nicht den Druck eines Pflichtdreiers zu haben. Wobei, den haben wir sowieso. Ich denke, mit der Kombination aus Daehli, Sahin, Sobota und Bouhaddouz, ist so ein Dreier gegen jeden kommenden Gegner drin. Gegen den kleinen hsv gewinnen, nachdem sich zu Martin Kind mit Horst Heldt ein weiterer großer Sympath der deutschen Fußballprominenz gesellt hat, wäre einfach zu schön. Jetzt geht die Euphorie schon wieder los…

Bis dahin koche ich mal einen Kaffee und bringe das Geschenk zurück.

Nice Guys Sankt Pauli //flippa

Weitere Texte:
Stefan Groenveld-Blog: Zu stark
SouthEndScum: Heads up!
BeebleBlox: Ausgerutscht
Übersteiger-Blog: 24.Spieltag (H) – 1.FC Union Berlin

#senfdazu33

FC St. Pauli – Karlsruher SC 5:0

Wow! Das erste Mal seit Monaten, dass ich wieder im Stadion bin und dann solch eine Überraschung! Mein Exil in Berlin fristend, war ich seit Anfang dieser Saison nur wenige Male am Millerntor und in diesem Jahr noch gar nicht und habe darüber hinaus auch nicht viel erwartet. Aber genau, wie Nick Hornby und seine Gruppe vor Spielen von Cambridge United Zuckermäusen die Köpfe abbissen und sie auf die Newmarket Road spuckten, ist der Fußballfan an sich sehr abergläubig, sodass ich von nun an immer und unabhängig vom Wetter mit frisch geschnittener Glatze, Seemann-Mantel, Wollmütze, Hosenträgern und aus Lissabon kommend zum Spiel gehen werde, um das Furiosum vom Montag wieder zu erleben.

Die erste Halbzeit war sicherlich kein Triumph der Fußballkunst, dennoch zeigte St. Pauli einen leichten Vorteil, nicht zuletzt durch das Tor zur 1:0-Führung durch Möller Daehli, nachdem ich vergeblich—und falsch liegend—Cenk Sahin zugerufen hatte, er möge doch bitte den Ball abgeben, worin er mich durch einen großartigen Lauf über den rechten Flügel widerlegte und er nur durch den Pfosten aufgehalten wurde.

In der zweiten Halbzeit drehte St. Pauli richtig auf, der KSC war nun kaum noch aktiv am Spielgeschehen beteiligt und versuchte anscheinend nur noch, das Unvermeidliche zu verhindern—vergeblich. Nach einem Hattrick von Bouhaddouz und einem weiteren Treffen von Sobota konnten wir so zum 5:0-Endstand auftrumpfen. Erneut: WOW! Meine Erinnerung ist in dieser Hinsicht sehr löchrig, aber wann haben wir das letzte Mal so hoch gewonnen? Ernsthaft, weiß das jemand? Irgendjemand? Und ich meine jetzt nicht die Vorbereitungsspiele gegen Vfl Grünhof-Tesperhude und ihresgleichen, sondern Liga oder Pokal!

Zum Schluss gab es noch eine unschöne Szene, als die Karlsruher Fans ihre Mannschaften ausbuhten, als diese sich verabschieden wollte. Immerhin eine nette Geste, dass stattdessen sich St. Pauli-Fans vom KSC gebührend und ironiefrei verabschiedeten.

Nice Guys Sankt Pauli //josy

#senfdazu32

FC St. Pauli – SG Dynamo Dresden 2:0

Man, endlich mal wieder ein Heimsieg! Ich glaube, dass ich mindestens aehnlich lange keinen Blog-Beitrag geschrieben habe, also bestimmt drei Jahre nicht mehr (alternative Fakten). Ich bin da ja eher der Schoenwetter-Schreiberling. Aber ueber Siege schreiben macht einfach Spass und deswegen sitze ich hier nun bei einer kalten Apfelschorle und haue in die Tasten. Allerdings quaelt mich ein mir unbekannter Mac (und ich habe keine Ahnung wie ich hier die Umlaute hinbekomme), Ihr werdet euch fragen: Was isn das fuer ein Doedel? Kann noch nicht mal mit nem Mac umgehen! Und ueberhaupt: Warum zur Hoelle trinkt der nach so einem rauschhaftem Heimsieg Apfelschorle? Jaja, mein wahres Leben besteht leider nicht nur aus unserem magischen FC; nicht immer nur bloggen und am Uebersteiger arbeiten und nach Glasgow fahren, ab und an mal auswaerts und immer zuhause; nein, das wahre Leben besteht momentan aus dem Zwang montags verdammt nochmal richtig hart zu delivern.

Daher heute, zur Ernuechterung aller, nicht nur meiner, also ohne die obligatorische und immer wieder erheiternde Suff-Geschichte. Nicht einmal den sympathischen Kater vom Vorabend kann ich liefern. Kein Suff, kein Staat, lieber nuechtern bleiben!

Also direkt zum Spiel, und dabei konzentriert auf das Wesentliche: Endlich mal gelungenes Pressing-Verhalten! Beide Tore sind Produkte eines sehr mutigen Offensivpressings, welches wir wirklich sehr selten am Millerntor zu Gesicht bekommen. Endlich bringen wir mal ein 1-0 beim Heimspiel in die Halbzeit! Und dann haut Ewald der alte Fuchs voll einen raus: Er wechselt offensive bei eigener Fuehrung. Klar ist der Wechsel Thy fuer Choi positionsgetreu, aber Choi interpretierte die Rolle des zweiten Stuermers doch deutlich defensiver als Lennart Thy. Ich erinnere mich, dass ich vor zwei Jahren mal einen Bericht ueber den damals sehr erfolgreichen daenischen Klub FC Midtylland gelesen habe. Der Klub wurde, laut eigenen Angaben (unser Videoanalyst Andrew Meredith verriet uns mal, dass das auch ein wenig PR ist), zu grossen Teilen basierend auf verschiedenen Algorithmen gefuehrt. Eine der genutzten Statistiken besagte, dass man ein Spiel eher gewinnt, wenn man bei knapper Fuehrung offensiv wechselt, da es dann die Wahrscheinlichkeit deutlicher erhoeht, dass man ein eigenes Tor erzielt, als dass man sich eines fängt. (Ich hab die Sonderzeichen gefunden!!!) Mich als alten Statistik-Fetischisten erfreute das dementsprechend besonders, als die wehrten Herren hinter mir ihrem “Was soll denn das mit Thy jetzt?! Das ist doch total dämlich!” megamäßig Unrecht behalten sollten. Eine weitere Statistik an der sich einige Nice Guys erfreuen konnten: Cenk Sahin hat diese Saison, für unsere Verhältnisse, bereits satte vier Tore erzielt. Alle diese Tore stellten das zweite Tor unseres FCSP im Spiel dar und, noch viel besser, wir haben alle vier Spiele gewonnen. Was ein Heilsbringer! (Das wir diese Saison bisher nur vier Spiele gewonnen haben, lasse ich betont innerhalb der Klammern stehen)


Da! Die Choreo der Nord!

Nach dem Tor von Sahin, kommt mit Gonther dann der dritte Innenverteidiger und wir spielen tatsächlich mit einer Fünferkette, damit auch ja nichts mehr anbrennt. Ich meine in dem Gesicht von Bouhaddouz etwas Enttäuschung bei der Auswechslung gesehen zu haben. schließlich machte es grad Spaß, weil das Pressing funktionierte und Konter gerollt wurden. Der Beton war dann der Endgegner für bereits entmutigte Gegner.

Nach dem Spiel war dann noch kurz sinnloses rumstehen in der Kälte angesagt, bevor es für mich in Richtung Apfelschorle ging. Auch bei uns war natürlich die Halbzeit-Tapete ein Thema. In Zeiten, in denen die Südkurve in Dortmund gesperrt wird, sorge ich mich ein wenig (auch, wenn es nur um eine einzige Tapete ging). Vernünftig zusammengefasst hat es der Übersteiger-Blog (Link unten) und dem ist kaum noch etwas hinzu zu fügen. Nur so viel: Eine Tapete, welche die adressierten Dresdener in den Zaun beißen lässt, haben diese sich nach einer Vielzahl von geschmacklosen Spruchbändern, reichlich verdient. Die Message ist auch richtig, dafür ist aber kein solcher Spruch notwendig gewesen. Pietätlosigkeit stand bestimmt ganz unten auf der Wunschliste mit Zielen dieser Tapeten.

Nice Guys Sankt Pauli //timbo

Auch an den Tasten:

Übersteiger-Blog: 20.Spieltag (H) – SG Dynamo Dresden
Stefan Groenveld-Blog: Brustlöser
BeebleBlox: Klassenkampf, nächster Akt
SouthEndScum: The Boys Are Back!
Millerntor.Hamburg: Pferdeärsche und Ackergäule

#senfdazu31 #drumherum7

„Die beißen nicht, die hau´n uns nur auf die Fresse!“

Celtic Glasgow – Heart of Mitlothian 4:0

FC St. Pauli – VfB Stuttgart 0:1

Nun war es also endlich soweit. Nachdem eine fette Lungenentzündung letztes Jahr einen Trip nach Paradise verhinderte, standen einige Nice Guys in körperlicher Bestform am Freitag früh, wohlwissend, dass eine ähnliche Verfassung am Montag beim Rückflug unmöglich sein würde, am Hamburger Flughafen. Nur mit Handgepäck (3 paar Socken, 3 Boxer und Ibuprofen) bewaffnet, ging es über Edinburgh nach Glasgow, dem Nabel der Welt. Die Terminierung des Spielplans ist in Schottland scheinbar eine ähnliche Wissenschaft wie hier bei uns, weswegen der Rückflug bereits von Sonntag auf Montag umgebucht werden musste. Ich nehme es vorweg – am Sonntag wäre ein Flug für uns eine Tortur gewesen, wie für einen Darmkranken in einem stickigen Bus auf unbefestigten Straßen. Wärmstens wurden wir von der Glasgower Nice Guys-Fraktion vor Ort empfangen und nach kurzem einchecken in das neue Zuhause, schnell noch mit dem notwendigen Wissen zur nächtlichen Heimreise ausgestattet. Sogar eine kleine Sight-Seeing Tour zum Loch Lomond und nach Ibrox („fecking hunnery“) war noch drin.

Was macht man nun an einem Freitag? Richtig! Sahnige Pints Guinness vom Faß im McChuills, gefolgt von Fish and Chips in einem Imbiss, in dem das Inventar seit den 70ern weder gewechselt noch geputzt wurde. Die anschließende Wahl eines Pubs wurde aufgrund eines sichtlich angeknockten zahnlosen Schotten, welcher grad die Fronttür entglaste (welcome to Glasgow), nochmal überdacht und schließlich landeten wir im MacGregors. Könnte natürlich auch das McSonstwas gewesen sein, schließlich hielt dieser Laden alles für uns bereit, was man sich von dieser Stadt erhofft hatte. Beseelt von Livemusik mit Queerflöten und Geigen, zog es uns, mittlerweile stockbesoffen, wieder zurück ins McChuills. Mit Ach und Krach erreichten wir nach weiteren Pints die Bahn. Direkt neben unser Unterkunft für das Wochenende, zog uns die örtliche Lokalität „The laughing fox“ magisch an. Mit Aufreißen der Tür, endeten die Klänge der Karaoke-Nacht abrupt mit einer Bemusterung der Eindringlinge durch alle Augenpaare im Pub. Zärtlich wie immer, stieß mich timbo („Die beißen nicht, die hau´n uns nur auf die Fresse!“) in Richtung letztes Bier.

Tag 2 begann entsprechend schädelig. Nachdem bei einer Runde Celtic-Monopoly festgestellt wurde, dass alle Nice Guys kapitalistische Dreckschweine sind, traf auch endlich der Hausbesitzer Scott ein – nicht minder gezeichnet von voriger Nacht (Dropkick Murphys in London). Aber keine Zeit für Wehleiden, schließlich stand an dem Abend noch der einjährige Geburtstag von Glasgow St. Pauli an. Nach einer Runde Pool in Balloch also wieder rein nach Glasgow. Schneller Zwischenstopp (=zwei Bier) bei der Party und dann verzogen wir uns kurzfristig zum King Blues Konzert. Leider verpassten wir dadurch The Wakes, aber denen läuft man ja glücklicherweise häufiger über den Weg. Kaum zurück auf der Party war die Karaoke-Maschine auch schon angeschmissen. Schemenhaft erinnere ich mich daran, meine Singstimme und die Ohren aller Anwesenden aufs Äußerste mit „Don´t stop me now“ von Queen strapaziert zu haben. Wenn ich jedoch an Foreigner von timbo denke („eeii nooo ju kän schooo miieee!“) steigen sofort wieder Tränen in die Augen. Seinetwegen (bzw. wegen seiner St. Pauli-Mütze) wären wir dann auch fast nicht in den nächsten Laden gekommen. Hier herrscht eben doch etwas mehr Rivalität, als das gehässige Lästern hier in Hamburg. Nach Ansage vom Türsteher; no colours und rein in den Laden. Auf der Taxifahrt machten Jacek und ich dann den Wackel-Dackel, während timbo so tat, als könnte er dem Gespräch zweier Schotten folgen.

Sonntag half dann nur schottisches Frühstück inklusive IRN BRU („Breakfast for Champions“) um wieder am Leben teilzunehmen. Hätten wir timbo nicht erzählt, was black pudding ist, dann hätte er es vielleicht sogar ohne würgen probieren können, aber naja. Mit dem Bus ging es ab nach Parkhead. Ich hatte noch mit den Nebenwirkungen vom ersten Pint des Sonntags zu kämpfen, während Gary Og in unfassbarer Lautstärke mit Irish Rebel den Kopfschmerzen auf die Beine half (herrlich, einfach nur herrlich!). Und dann waren wir da. Celtic Park – Paradise! Wir wurden nicht enttäuscht. Während ich bei meiner letzten Tour ein zähes 0-0 bestaunen durfte, wurden die Hearts mit 4-0 abgestraft; inklusive ausgiebiger Schmähgesänge („Oh the wee-huns are shite!“). Celtic hat mittlerweile 22 Punkte Vorsprung auf Platz 2 und benötigte ohne Rogic, Dembelé und Griffiths (also sogar ohne echten Stürmer) nur die halbe Kraft, um dem Tabellenvierten 4 Dinger einzuschenken. Unfassbare Dominanz. Wer denkt, dass das zu Langeweile führt und der Stimmung einen Abbruch tut, der sieht sich getäuscht – die 90 Minuten ließen uns grinsend und vollgepackt mit Gänsehautmomenten aus dem Stadion wanken.

Euphorisiert fuhren wir zu den lieben Menschen von Glasgow St. Pauli und schauten, ohne das Ergebnis zu kennen, das Spiel gegen Stuttgart. Alles war möglich. Wir malten uns sogar nen Dreier aus. Die Realität schlug uns ziemlich in die Fresse. Wenigstens schmeckte das Guinness. Den Abend beendeten wir dann beim Inder. Endlich mal einigermaßen gesundes Essen… Pah! Die durch Schärfe hervorgerufenen Kreislaufprobleme und Schweißperlen wurden mit Bier bekämpft. Gesund war es nicht, aber geil!

Wortkarg und abgekämpft ging es am Montag nach Hause. Glasgow, Du alte Sau! Schön wars!

Nice Guys Sankt Pauli //flippa

Andere Berichte vom Wochenende:

Stefan Groenveld-Blog: Keine Punkte gegen Stuttgart
Beebleblox: Auf Augenhöhe ist nicht hoch genug
Übersteiger-Blog: 18.Spieltag (H): VfB Stuttgart
Grenzenlos Sankt Pauli: Hold your head up high!
SouthEndScum: Pfff…Yeh right!
Magischer FC: Das Drehbuch hat seine Schwächen