#drumherum

#drumerherum8

Wir gegen weniger – Mythos Überzahlschwäche

Dieser Beitrag erschien gleichzeitig in dem Übersteiger-Blog.

Im Gegensatz zum gemeinen Menschen tickt der gemeine Fußball-Fan etwas anders: Während der Mensch gerne die schlechten Erinnerungen vergisst und sich nur an die „gute alte Zeit“ erinnert, hat der Fußball-Fan eigentlich zu jeder Spielsituation eine schlechte Erinnerung parat. „Wir spielen gegen den Tabellenletzten? – Das steht doch im Drehbuch, Digger! Solche Spiele haben wir schon immer verloren!“ Mit dieser Thematik hatte flippa sich vor unserer Auswärtsfahrt nach Duisburg befasst (#drumherum4) und konnte diese These zumindest teilweise entkräften. Das diese Amnesie der guten Erinnerungen auch etwas abwegige Züge annehmen kann, zeigte Frodo mit seiner Statistik zu den Verbindungen zwischen FCSP-Spielen und dem Münster-Tatort. Daher bin ich mir bewusst, dass der Aberglaube groß und die Lunte im Stadion relativ kurz sein kann, wenn man einer schlechten Erinnerung mit fundierter Statistik entgegenkommen möchte. Jetzt in der Sommerpause vermute ich alle Gemüter zu Genüge abgekühlt um mal ein wenig Statistisches in die Köpfe zu brennen.

Nachdem flippa sich in #senfdazu36 bereits vorsichtig äußerte und der sehr gute MillernTon041 ebenfalls einige Aussagen zu dieser Thematik beinhaltete, wurde es Zeit sich einmal intensiv mit der These „Gegen Mannschaften in Unterzahl sehen wir immer schlecht aus“ zu beschäftigen. Nach einem gegnerischen Platzverweis rumort es häufig auf der Gegengerade, da wir gegen Teams in Unterzahl „noch nie gewonnen“ hätten. Nun, der Sieg in Düsseldorf vor wenigen Wochen wies zumindest das „nie“ ins Reich der Fabeln, doch war es nur das Ende einer erschütternden Statistik, welche die Unfähigkeit des FCSP bei Überzahl offenlegt? Schau’n wir mal:
Zuerst muss definiert werden ab wann ein Spiel in Überzahl als „besser“ und wann als „schlechter“ gewertet wird. Ich habe mich daran gehalten, dass eine Verbesserung der Punktzahl, die am Ende des Spiels erzielt wurde, im Vergleich zur Punktzahl, die zum Zeitpunkt des Platzverweises erzielt worden wären, als „besser“ in die Wertung eingeht. Umgekehrt ist ein Spiel als „schlechter“ bewertet worden, wenn wir die Punktzahl, die wir für den Spielstand vor dem Platzverweis erhalten hätten, nicht halten konnten. Zwei (noch) fiktive Beispiele: Real Madrid spielt uns an die Wand, wir liegen bereits nach 30 Minuten mit 0-2 hinten. Bernd Nehrig, der alte Hund, provoziert den schmalzigen Portugiesen derart, dass dieser sich zu einer üblen Tätlichkeit hinreißen lässt. Klarer Fall für ne rote Karte. Im Anschluss berauschen sich unsere Jungs am adrenalingeschwängerten Support des Millerntors und drehen das Spiel noch in ein 3-2. Dieses Spiel geht in die Wertung als „besser“ ein. Aber auch ein 2-2 hätte für die Einstufung „besser“ gereicht, da mehr Punkte als vor dem Platzverweis erzielt worden wären. Zweites Beispiel: Juventus Turin ist zu Gast. In einem emotionalen Spiel verlieren wir nach 1-0 Führung noch 1-2, obwohl Mario Mandzukic bereits beim Stand von 1-0 des Feldes verwiesen wurde. Das Spiel geht also als „schlechter“ in die Wertung ein (da wir das Hinspiel in Turin mit 2-0 gewinnen konnten, stehen wir aber trotzdem im CL-Finale). Hätten wir die Führung in Überzahl verteidigt, so hätte ich das Spiel ebenfalls als „besser“ gewertet, da es ja nicht besser geht. Die Wertung „gleich“ bekamen nur Spiele, die zum Zeitpunkt des Platzverweises und zum Abpfiff Unentschieden waren.

Zugegeben, diese Definition hat Schwächen. Zum einen ist es ein großer Unterschied, ob der Platzverweis in der 5. oder der 85. Minute stattfindet. Die Vorteile einer frühen Überzahl gegenüber einer späten erklären sich sicherlich von selbst. Somit ist Überzahl nicht gleich Überzahl. Ich habe daher Spiele aus der Wertung genommen, wenn der Platzverweis nach der 80. Minute geschah und dadurch eher geringen Einfluss auf den Spielausgang nehmen konnte. Zusätzlich spielt es natürlich auch eine Rolle, wie der Spielstand vor dem Platzverweis ist. Beim Stand von 0-3 (siehe Bremen 10/11) macht die Überzahl den Kohl dann auch nicht mehr Fett. Trotzdem habe ich alle Spiele in Überzahl, unabhängig vom Spielstand gleich bewertet. Zusätzlich kann die Wertung „besser“ rein subjektiv auch ganz anders betrachtet werden. Als Beispiel dient hier das 3-3 beim FSV Frankfurt aus der Saison 2011/12: Beim Rückstand von 1-3 wurde der Frankfurter Björn Schlicke in der 39. Minute des Feldes verwiesen. Innerhalb weniger Minuten stellten Kruse (41.) und Bartels (46.) auf 3-3. Im Anschluss blieben dann noch vieleviele Zeigerumdrehungen der Überzahl ungenutzt, um noch das Siegtor zu erzielen. Ich erinnere mich gut an dieses Spiel und ich ärgerte mich damals maßlos, dass wir trotz mehr als 50 Minuten Überzahl nicht gewannen. In meine Statistik geht das Spiel jedoch trotzdem als „besser“ ein, da von 1-3 auf 3-3 gestellt wurde.

Ich habe mir die Ligaspiele von der Saison 2007/08 an bis heute angesehen (und ich habe mein Bestes gegeben, fehlerlos zu arbeiten, was aber sicherlich nicht ganz der Fall sein wird). Von den in dieser Zeit 306 absolvierten Partien haben wir 35 in Überzahl bestritten, also etwas mehr als 10%. Insgesamt zehn Partien sind jedoch wieder ausgesiebt worden, da der Platzverwies nach 80+ Spielminuten stattfand. Die Partie in Düsseldorf 16/17 stellte ein Novum dar, da hier gleich in doppelter Überzahl agiert wurde. Bei zwei Spielen wurde in der Nachspielzeit noch durch eigene Platzverweise zahlenmäßig Gleichstand hergestellt (Niederlage K‘lautern 08/09; Niederlage Bremen 10/11). Ich habe diese Spiele trotzdem in die Wertung aufgenommen, da wir einige Zeit in Überzahl spielen konnten. Andere Spiele, in denen Platzverweise für beide Teams in kurzer Zeit ausgesprochen wurden (innerhalb von 10 Minuten), habe ich in der Statistik nicht berücksichtigt.

So, kommen wir endlich zum Wesentlichen: Von den 25 Partien, die wir in zeitlich nennenswerter Überzahl spielten, haben wir satte 16 letztendlich auch gewonnen und in zwei weiteren Partien zumindest noch den Ausgleich erzielt. Von den 16 gewonnenen Spielen haben wir 7-mal den Vorsprung über die Zeit gebracht, ebenfalls 7-mal aus einem Unentschieden noch einen Sieg gemacht und zweimal sogar einen Rückstand noch in einen Sieg gewandelt (M‘gladbach 10/11 und Duisburg 08/09). Zweimal schafften wir es nicht aus einem Unentschieden noch einen Sieg zu machen, darunter das 0-0 vs Sandhausen aus dieser Saison, der Wurzel der aufkeimenden These. In lediglich fünf Partien haben wir nach Überzahl schlechter abgeschnitten als vorher. Darunter befinden sich epische Kacktore wie 11/12 das 2-2 von Fürth als wir das vermeintliche 3-1 durch Naki in der 90. Minute bejubelten, „Song 2“ aus den Boxen dröhnte und Oliver Occean unbemerkt zum Ausgleich einschob. Oder 07/08 als Jena ein 1-0 noch in ein 1-2 drehen konnte und Bruns uns mitm Schlusspfiff zumindest das Unentschieden rettete. Damals, als Jan Simak mindestens fünf Minuten brauchte um sich nach Aufleuchten seiner Nummer gen Auswechselbank zu bewegen. Da kocht heute noch Wut in mir hoch. Die Wurst ist sogar vorher noch im Vollsprint auf die andere Seite gelaufen, damit der Weg noch länger war. Ich habe nie einem Spieler mehr Schimpfwörter entgegengebracht als Simak seinerzeit. Das mag natürlich an meiner inzwischen nicht mehr so cholerischen Art liegen, jedoch sind auch bei mir diese Kackspiele in Überzahl wesentlich präsenter als zum Beispiel das 2-1 gegen Bochum (nach 1-1) aus der Saison 09/10. Ich bin also auch einer dieser Fußball-Fans, dem eher schlechte Erinnerungen aus dem Hirn sprudeln.

Trotz dieser sehr präsenten Erinnerungen muss ich erkennen, dass 18 von 25 Spielen in Überzahl mit einem besseren Ergebnis endeten als vor dem Platzverweis. Das sind statistisch signifikante 72%. Es kann also mit Fug und Recht behauptet werden, dass wir fast drei Viertel aller Spiele in Überzahl erfolgreich gestalten. Ist der vielerorts gepflegte Pessimismus nach gegnerischen Platzverweisen also nur eine Schutzfunktion? Eine Art Unglücks-Versicherung, damit man im Nachhinein zumindest sagen kann: „Hab ich’s doch gewusst!“, wenn wir das Spiel nicht erfolgreich gestalten und man somit trotzdem ein leichtes Gefühl des Erfolges mit nach Hause nehmen kann? Die Statistik sagt: ja. „Moment!“ sagt der gewiefte Pessimist. Es stellt sich ja auch die Frage, wie wir Spiele ohne gegnerischen Platzverweis gestalten. Vielleicht sind wir da ja besser und gewinnen mehr Spiele bei eigener Führung! Eine Vergleichs-Statistik muss also her. Deswegen habe ich insgesamt 25 Spiele ausgewählt (aus der Saison 16/17), die zur Halbzeit den Ergebnissen (Führung-Unentschieden-Rückstand) der 25 in der Platzverweis-Statistik aufgenommenen Spiele entspricht. Auch hier hängt die Definition: Wieso erst zur Halbzeit? Welche Spiele werden aufgenommen (in der Aufstiegssaison sind die Spiele ja grundsätzlich besser als in der Abstiegssaison)? Ganz ehrlich: Das macht es mir viel einfacher bei der Auswertung und daher habe ich das so definiert. Wenn jemand das gerne etwas genauer hätte, dann darf er/sie gerne mit mir in Kontakt treten.

Aus dieser Statistik wird deutlich, dass nur 8 von 25 Spielen ohne Platzverweis in der 2.Halbzeit mit einem besseren Ergebnis endeten (bzw. die Führung verteidigt wurde). Das macht schlaffe 32%. Im Vergleich zu den 72% der erfolgreichen Spiele in Überzahl stinken die Spiele in Gleichzahl also mächtig ab. Wenn wir zur Halbzeit hinten lagen, haben wir diese Saison mal so gar nix auf die Kette bekommen. Warum das so ist, kann ich bei Zeiten mal spieltaktisch aufarbeiten. An dieser Stelle habe ich erst einmal genug der verbogenen Statistiken und hingedrehten Wahrheiten. Ich habe mit diesen Statistiken eindrucksvoll gezeigt, dass ich Tabellen mit Zahlen erstellen kann. Der Rest ist Ansichtssache. Trotzdem: Nächstes Mal bei gegnerischem Platzverweis einmal kurz in Gedanken Simak in den Arsch treten und dann die Jungs weiter nach vorne pushen!

Nice Guys Sankt Pauli //timbo

P.S.: Wie steht es eigentlich bei eigener Unterzahl? Ich habe da ein Spiel gegen Regensburg in Erinnerung, als wir beim Stand von 2-1 dank Ginczek in Unterzahl gerieten, uns kurz vor Schluss noch das 2-2 fingen, nur um uns dann dank Bruns mit dem Schlusspfiff in Ekstase versetzen zu lassen. Trotzdem glaube ich, dass diese Statistik wesentlich ernüchternder sein wird und lasse lieber mal die Finger davon.

#senfdazu31 #drumherum7

„Die beißen nicht, die hau´n uns nur auf die Fresse!“

Celtic Glasgow – Heart of Mitlothian 4:0

FC St. Pauli – VfB Stuttgart 0:1

Nun war es also endlich soweit. Nachdem eine fette Lungenentzündung letztes Jahr einen Trip nach Paradise verhinderte, standen einige Nice Guys in körperlicher Bestform am Freitag früh, wohlwissend, dass eine ähnliche Verfassung am Montag beim Rückflug unmöglich sein würde, am Hamburger Flughafen. Nur mit Handgepäck (3 paar Socken, 3 Boxer und Ibuprofen) bewaffnet, ging es über Edinburgh nach Glasgow, dem Nabel der Welt. Die Terminierung des Spielplans ist in Schottland scheinbar eine ähnliche Wissenschaft wie hier bei uns, weswegen der Rückflug bereits von Sonntag auf Montag umgebucht werden musste. Ich nehme es vorweg – am Sonntag wäre ein Flug für uns eine Tortur gewesen, wie für einen Darmkranken in einem stickigen Bus auf unbefestigten Straßen. Wärmstens wurden wir von der Glasgower Nice Guys-Fraktion vor Ort empfangen und nach kurzem einchecken in das neue Zuhause, schnell noch mit dem notwendigen Wissen zur nächtlichen Heimreise ausgestattet. Sogar eine kleine Sight-Seeing Tour zum Loch Lomond und nach Ibrox („fecking hunnery“) war noch drin.

Was macht man nun an einem Freitag? Richtig! Sahnige Pints Guinness vom Faß im McChuills, gefolgt von Fish and Chips in einem Imbiss, in dem das Inventar seit den 70ern weder gewechselt noch geputzt wurde. Die anschließende Wahl eines Pubs wurde aufgrund eines sichtlich angeknockten zahnlosen Schotten, welcher grad die Fronttür entglaste (welcome to Glasgow), nochmal überdacht und schließlich landeten wir im MacGregors. Könnte natürlich auch das McSonstwas gewesen sein, schließlich hielt dieser Laden alles für uns bereit, was man sich von dieser Stadt erhofft hatte. Beseelt von Livemusik mit Queerflöten und Geigen, zog es uns, mittlerweile stockbesoffen, wieder zurück ins McChuills. Mit Ach und Krach erreichten wir nach weiteren Pints die Bahn. Direkt neben unser Unterkunft für das Wochenende, zog uns die örtliche Lokalität „The laughing fox“ magisch an. Mit Aufreißen der Tür, endeten die Klänge der Karaoke-Nacht abrupt mit einer Bemusterung der Eindringlinge durch alle Augenpaare im Pub. Zärtlich wie immer, stieß mich timbo („Die beißen nicht, die hau´n uns nur auf die Fresse!“) in Richtung letztes Bier.

Tag 2 begann entsprechend schädelig. Nachdem bei einer Runde Celtic-Monopoly festgestellt wurde, dass alle Nice Guys kapitalistische Dreckschweine sind, traf auch endlich der Hausbesitzer Scott ein – nicht minder gezeichnet von voriger Nacht (Dropkick Murphys in London). Aber keine Zeit für Wehleiden, schließlich stand an dem Abend noch der einjährige Geburtstag von Glasgow St. Pauli an. Nach einer Runde Pool in Balloch also wieder rein nach Glasgow. Schneller Zwischenstopp (=zwei Bier) bei der Party und dann verzogen wir uns kurzfristig zum King Blues Konzert. Leider verpassten wir dadurch The Wakes, aber denen läuft man ja glücklicherweise häufiger über den Weg. Kaum zurück auf der Party war die Karaoke-Maschine auch schon angeschmissen. Schemenhaft erinnere ich mich daran, meine Singstimme und die Ohren aller Anwesenden aufs Äußerste mit „Don´t stop me now“ von Queen strapaziert zu haben. Wenn ich jedoch an Foreigner von timbo denke („eeii nooo ju kän schooo miieee!“) steigen sofort wieder Tränen in die Augen. Seinetwegen (bzw. wegen seiner St. Pauli-Mütze) wären wir dann auch fast nicht in den nächsten Laden gekommen. Hier herrscht eben doch etwas mehr Rivalität, als das gehässige Lästern hier in Hamburg. Nach Ansage vom Türsteher; no colours und rein in den Laden. Auf der Taxifahrt machten Jacek und ich dann den Wackel-Dackel, während timbo so tat, als könnte er dem Gespräch zweier Schotten folgen.

Sonntag half dann nur schottisches Frühstück inklusive IRN BRU („Breakfast for Champions“) um wieder am Leben teilzunehmen. Hätten wir timbo nicht erzählt, was black pudding ist, dann hätte er es vielleicht sogar ohne würgen probieren können, aber naja. Mit dem Bus ging es ab nach Parkhead. Ich hatte noch mit den Nebenwirkungen vom ersten Pint des Sonntags zu kämpfen, während Gary Og in unfassbarer Lautstärke mit Irish Rebel den Kopfschmerzen auf die Beine half (herrlich, einfach nur herrlich!). Und dann waren wir da. Celtic Park – Paradise! Wir wurden nicht enttäuscht. Während ich bei meiner letzten Tour ein zähes 0-0 bestaunen durfte, wurden die Hearts mit 4-0 abgestraft; inklusive ausgiebiger Schmähgesänge („Oh the wee-huns are shite!“). Celtic hat mittlerweile 22 Punkte Vorsprung auf Platz 2 und benötigte ohne Rogic, Dembelé und Griffiths (also sogar ohne echten Stürmer) nur die halbe Kraft, um dem Tabellenvierten 4 Dinger einzuschenken. Unfassbare Dominanz. Wer denkt, dass das zu Langeweile führt und der Stimmung einen Abbruch tut, der sieht sich getäuscht – die 90 Minuten ließen uns grinsend und vollgepackt mit Gänsehautmomenten aus dem Stadion wanken.

Euphorisiert fuhren wir zu den lieben Menschen von Glasgow St. Pauli und schauten, ohne das Ergebnis zu kennen, das Spiel gegen Stuttgart. Alles war möglich. Wir malten uns sogar nen Dreier aus. Die Realität schlug uns ziemlich in die Fresse. Wenigstens schmeckte das Guinness. Den Abend beendeten wir dann beim Inder. Endlich mal einigermaßen gesundes Essen… Pah! Die durch Schärfe hervorgerufenen Kreislaufprobleme und Schweißperlen wurden mit Bier bekämpft. Gesund war es nicht, aber geil!

Wortkarg und abgekämpft ging es am Montag nach Hause. Glasgow, Du alte Sau! Schön wars!

Nice Guys Sankt Pauli //flippa

Andere Berichte vom Wochenende:

Stefan Groenveld-Blog: Keine Punkte gegen Stuttgart
Beebleblox: Auf Augenhöhe ist nicht hoch genug
Übersteiger-Blog: 18.Spieltag (H): VfB Stuttgart
Grenzenlos Sankt Pauli: Hold your head up high!
SouthEndScum: Pfff…Yeh right!
Magischer FC: Das Drehbuch hat seine Schwächen

#drumherum6

besorgte Leser

Nach der gestrigen Niederlage erreichte uns diese Nachricht eines besorgten Fans und Blog-Lesers. Der Bitte diese Nachricht zu veröffentlichen, kommen wir natürlich umgehend nach. Zu wichtig sind diese Erkenntnisse.


Sehrt geehrte Nice Guys-Redaktion,
ich lese ihren Block immerbin seidt der erst Nachricht dabei. Was mir an der sportlichen Situation aufgefallen ist, muss ich ihn einfach sagen!!!!1! Der FC St.Pauli wird schon „Oben“ beschissen wo es nur geht. Seidt unser werter Herr Rettig sich GEGEn Fernehgelder aufgeregt hat verliert der Verein jedes Spiel!!“!! Ich sage ihnen das ist KEIN Zufal!. Ich wohne seid 34 Jahre in Niendorf und seid Herr Rettig was gegen Fernsehgeld gesagt hat fliegen viel mehr Flugzeuge Über das Treningszentrum. Am Abend beim Spiel gegen Nurnberg waren 17(!!)!1 wo sonst nur 8 fliegen. KEIN Zufal!!1! Der DFB macht die den FC St.Pauli mit „chemtraills!“ kaput. Die Vielen Verletzen sind ein Beweis! Die von „Oben“ wollen daß der Verein absteigt, damit alle Mundtot sind. HERR Lienen muss das Trening in eine Halle verlgen damit keiner mehr vergiftet wird. Wies onst verletzten sich SO VIELE SPIELER??? Hauptsache JA-SAGER in der Bundesliga keine Kritiker werden akzeptirt. Immer schön alles von „Oben abnicken, das liebe DIE! IChbin kein Reichsbürger und auch kein Pupulist, ich bin 1 Fan von diesem Verein und sage nur was ich sehe. 17 Flugzeuge statt 8 ist kein Zufall!!!1!

Thomas G., 54 (Name von der Redaktion geändert)

Ernsthafte Ansichten zum Wochenende und zum Stand der Dinge hier:
Übersteiger-Blog – 13.Spieltag (H) – Fortuna Düsseldorf (und: Verein am Wochenende 46/16)
Beeblebox – Licht aus?
Groeni – Haste Scheisse am Fuß, haste scheisse am Fuß

#drumherum5

Zu Gast bei den East River Pirates

WIE IST DEINE KREDITKARTENNUMMER?? – stand in dem Betreff der Mail. Sofort war mir klar, dass es nur um einen billigen Flug nach New York gehen konnte. Mit Erhalt der Buchungsbestätigung war es dann sicher; wir fliegen nach New York. Der Preis war so unschlagbar günstig, pro Person soviel wie eine Stehplatz-Dauerkarte bei Werder Bremen (hab grad nochmal in der Preisliste des Übersteiger-Blogs vom letzten Jahr geguckt), dass ich das Verpassen der letzten beiden Saisonspiele des magischen FC verkraften konnte/musste.

Fast so schnell wie die Buchungsbestätigung, kam die Idee doch einfach die East River Pirates zu besuchen. Während die restlichen Nice Guys also im Sonderzug zwischen Kassel und Würzburg mit Pfeffi-trinkenden Sitznachbarn vorlieb nahmen, musste ich einen Sonntag in New York mein Handy missachten um Abends in der East River Bar mit 9,5 Stunden Zeitverzögerung das Nürnberg-Spiel zu gucken.

Die East River Bar könnte ebenso eine Kneipe auf St. Pauli sein. Im Herzen von Williamsburg, direkt neben einem Kiosk und einem Bikestore, zeigte sich mir meine (leider auf zwei Wochen beschränkte) neue Lieblingskneipe. Sollte man den Weg nicht genau kennen, so folge man einfach den stetig zunehmenden, zahlreichen bekannten Stickern. Zwischen Fahrradkurieren tummeln sich Menschen in Totenkopfklamotten. Während des Spiels kostet ein Bier geschlagene 3 Dollar. Das entspricht in New York sonst ungefähr dem Preis für ein Glas Wasser. Die East River Pirates sind größtenteils ausgewanderte Deutsche, jedoch konnten mit der Zeit auch Einheimische für die Boys in Brown begeistert werden. Vor und nach dem Spiel dann die wohl bekannte Musik rund um den FC. Hier waren wir eindeutig richtig. Leider lässt sich über den Auftritt der Spieler in Nürnberg nicht viel Gutes erzählen, doch immerhin konnten wir nette Bekanntschaften in der East River Bar schließen und wurden freundlicherweise zum Season-Ending-Barbecue eingeladen. Geil, Alter!

Der erste Abend nahm dann für uns noch bizarre Ausmaße. Während ich einem wildfremden, gleichzeitig kopfschüttelnden und lachenden, Typen erklärte, dass wir hier grad das Spiel eines mäßig erfolgreichen Teams aus 2. Bundesliga in Deutschland geguckt haben, bestellte dieser fortwährend Jägermeister. Endstation des Abends wurde schließlich ein Club, welcher ausschließlich mit Lateinamerikanern gefüllt war. Mächtig angeheitert legten wir zu wilden Latin-Sounds heftige Tanzeinlagen hin. Ob es nun an dem vielen Alkohol, an unserer Hautfarbe oder dem Gehampel lag – wir fielen auf. Ein indischer Taxifahrer (noch klischeemäßiger ging es nun wirklich nicht) brachte uns auf jeden Fall sicher heim.

Eine Woche Sight-Seeing verging in dieser Stadt schneller als eine Halbzeitpause am Bierstand. Obwohl uns gesagt wurde, dass wir nichts zum Grillen mitbringen mussten, fühlten wir uns ganz ohne kulinarische Teilhabe schlecht und besorgten Brot und Dips für das Buffet. Wir waren wohl nicht die einzigen mit diesem Gedanken, denn das Angebot beim Barbecue hätte ein Stadion satt gemacht. Zum letzten Saisonspiel war die Hütte voll und die Mannschaft schenkte uns mit jedem Tor eine gelöstere Stimmung (lag vielleicht auch an dem 3-Dollar-Bier). In der Halbzeit deckten wir uns dann, ganz wie Touristen das nunmal machen, mit Merchandise der East River Pirates ein. Zudem stellte Christine ihr soziales Projekt für Obdachlose in den USA vor. In den USA haben es Obdachlose mit Tieren besonders schwer einen Schlafplatz in den Heimen zu finden. Die East River Pirates haben für dieses Projekt die gesamte Saison gesammelt und unfassbare 1.500 $ zusammen bekommen. Allergrößten Respekt dafür. Wahnsinn!

Auch der zweite Abend zog sich herrlich in die Nacht hinein. Als „Touristen“ wurden wir hier wärmstens empfangen und konnten den FC mal aus einer ganz anderen Perspektive erleben. Immerhin konnten wir den Schnaps geschickt umgehen. Dafür lauschte ich gespannt der Geschichte über ein von Upsolut geplantes Shirt mit dem Logo East River Pirates. Scheinbar wollte Upsolut gerne in der sogenannten „St. Pauli-Streetcore“-Linie ein Shirt des Fanclubs verkaufen. Was haben die netten Menschen aus New York dazu gesagt? Nö. Kein Bock. Stattdessen kam aus Hamburg ein Paket voll T-Shirts mit dem Text „East River Pirates – Never Sell Out!“. Fair enough! Mein melancholischer Suffkopf schweifte dann zwischendurch noch ab und dachte an die Nice Guys, die an dem Tag im Stadion waren. Aber mal ganz ehrlich; wie geil ist es denn, dass man am anderen Ende der Welt immer noch seinen Verein sehen kann, Gleichgesinnte trifft und sich im handumdrehen zuhause fühlt?!

Williamsburg, die Heimat de East River Bar, erinnert schon heftig an St. Pauli und das Schanzenviertel. Nur, dass die Gentrifizierung hier noch schneller abläuft als bei uns. Vor einigen Jahren war es dort wohl noch möglich einigermaßen bezahlbaren Wohnraum zu finden. Als wir die heutigen Mietpreise von den Ortsansässigen hörten, fiel einem schon gehörig die Kinnlade runter. Fick Dich, Gentrifizierung!

Die nächste Woche wurde dann wieder mit entspanntem Sight-Seeing verbracht. Unter anderem besuchten wir auf anraten der East River Pirates Rockaway Beach (ich werde den Ohrwurm der Ramones einfach nicht los) und der Besuch im MoMa passte dann auch schon wieder super zu den Nice Guys…

Herrlich dieses New York. Doch bevor das hier nun ein stinklangweiliger Reisebericht wird, breche ich lieber ab. Vielleicht sieht man sich ja mal am Millerntor oder eines Tages in dieser echt verdammt lauten und chaotischen, aber irgendwie geilen Stadt wieder.

Für die East River Pirates stehen in der bei uns so langweiligen Sommerpause übrigens Besuche von Himmelmann und Kalla an. Ja also ehrlich mal, besser passen tut es doch nun wirklich nicht!

Nice Guys Sankt Pauli //flippa

#drumherum4

Alles wie immer?

„Dann holen wir uns die Punkte halt in Duisburg (Tabellenletzter, Aufbaugegner, das sind in der Woche verbotene Vokabeln).“ (MagischerFC)

„Das steht im Drehbuch, Alter!“ (Dicken von Slime)

„Wir sehen uns in Duisburg! Dann aber bitte nicht als Aufbaugegner für die Zebras, okay?“ (Grenzenlos Sankt Pauli)

Sind wir der perfekte verbotene Vokabel? Kann ich jetzt mal so stehen lassen. Finde ich schon. Gefühlt zumindest, ist das so. Vor der anstehenden Auswärtsfahrt nach Duisburg habe ich aber keinen Bock auf ein schlechtes Gefühl im Bus. Wenn die Statistik gegen uns spricht, dann will ich mir im Bus mit ein paar Bier dazu wenigstens Gründe ausdenken, warum wir dieses Mal punkten. Außerdem übertreiben wir Fußballfans doch alle gern mal, oder? Bestimmt. Also komm schon du Statistik, du! Lass mich jetzt nicht im Stich!

Da sich meine Neugierde sowieso ganz gut mit meiner Stumpfheit, stundenlang Fußballstatistiken zu wälzen, versteht, stand diesem Eintrag hier nichts mehr im Weg.

Zur Statistik: Niederlagen bei Teams aus dem Keller definiere ich als Spiele gegen Teams auf den Abstiegsrängen. Diese sind je nach Liga unterschiedlich gewesen. In der Regionalliga Nord immer die Plätze 15-19, in der 2. Bundesliga die Plätze 15-18 und später 16-18 und in der 1. Bundesliga stieg während unserer Anwesenheit immer Platz 16-18 ab. Die Zeiten als Student („Die haben doch eh immer frei!“) sind vorbei. Ich kann also nicht bis in die Anfänge des letzten Jahrhunderts zurückgehen. Für mich eine plausible Auswahl ist der Zeitraum von der Saison 2000/01 – heute. Wir hatten in dieser Zeit zwei Aufstiege und zwei Abstiege. Es soll also niemand behaupten, dass die Statistik stinkt, weil ich nicht alle kickenden Jahre des magischen FC miteinbezogen habe. Die Statistik stinkt nämlich eh schon, Ihr Pappnasen! Ein Spiel gegen den 17. Platz kann auch gerne mal gegen Teams gehen, die eigentlich ganz woanders stehen sollten. Schließlich kann man eine (zu erwartende) 0-3 Niederlage auf Schalke (11. Spieltag, 1. Bundesliga 2010/11) nicht mit dem bitteren 0-1 beim FSV Frankfurt (17. Spieltag, 2. Bundesliga 2008/09) vergleichen. Außerdem ist es doch Quatsch ein Spiel vom 2. Spieltag in die Wertung zu nehmen („Da hat die Tabelle noch gar keine Aussagekraft!“). Habe ich trotzdem beides gemacht. So.

Insgesamt hatten wir in diesem Zeitraum 51 Spiele gegen Teams auf einem Abstiegsplatz.

Wir sammelten 16 Siege, 11 Unentschieden und 24 Niederlagen

Das ist jetzt erstmal nicht so richtig gut. In 47,06% aller Fälle verlieren wir. Ok, die Statistik ist mies. Ich würde schon von einem „erfolgreichen“ Auftritt auswärts sprechen, wenn wir nicht verlieren. Da steht es dann immerhin 27-24. Die Quote zu punkten, liegt also bei 52,94%. Gegen Teams aus dem Keller. …

Joa. Schon mal scheiße. Ich mach mich gleich mal auf die Suche nach einer „schöneren“ Statistik. Aber erstmal ein paar allgemeine Fakten:

• Unsere höchsten Auswärtssiege hatten wir bei Borussia Mönchengladbach II (32. Spieltag, Regionalliga Nord 2006/07) und TuS Koblenz (15. Spieltag, 2. Bundesliga 2009/10) mit jeweils 5-1. Übrigens stiegen wir in den beiden Jahren auch auf.

• Die höchsten Niederlagen gab es beim SV Sandhausen (21. Spieltag, 2. Bundesliga 2012/13), SC Paderborn (26. Spieltag, 2. Bundesliga 2007/08) – da werden bei mir grad schmerzliche Erinnerungen an einen Borger-Selbst-Tunnel-Trick wach – und (auch das noch!) beim MSV Duisburg (5. Spieltag, 2. Bundesliga 2000/01, also das Aufstiegsjahr). Alle Spiele verloren wir mit 1-4.

• Das Spiel in Paderborn war auch gleichzeitig der Startschuss für 5 Niederlagen am Stück gegen Teams aus dem Keller. Diese endete mit der 1-3 Niederlage gegen Wehen Wiesbaden (26. Spieltag, 2. Bundesliga 2008/09).

• Die längste Siegesserie waren drei Siege. Die Spiele beim FSV Frankfurt (5. Spieltag, 3-2), in Koblenz (15. Spieltag, 5-1) und gegen Rot-Weiss Ahlen (18. Spieltag, 2-0) waren alle in der Saison 2009/10. Damit haben wir 2009/10 einfach mal alles von da unten weggebombt.

15 der 51 Spiele gingen sogar gegen den verbotene Vokabel. Sieht auch nicht grad rosig aus. 5 Siege, 2 Unentschieden und 8 Niederlagen gab es. Gegen den Letzten! Verdammte Axt! Das wird ja alles immer schlimmer hier.

Ich möchte noch schnell einem weiteren Gefühl nachgehen. Wenn wir verlieren, dann immer zu null. Nun ja, euch Füchsen ist bestimmt schon aufgefallen, dass wir bei den oben bereits angegebenen Niederlagen immer getroffen haben. Ich sag es trotzdem; von 24 Spielen haben wir 11 Spiele zu null verloren. In den anderen 13 Spielen haben wir mindestens ein Tor geschossen. Diese Behauptung führe ich auf mehr Schmerz- und damit Erinnerungspotenzial bei einer glatten Niederlage zurück, aber trotzdem lässt mich noch nichts freudestrahlend in den Bus einsteigen.

Ok, ein letzter Versuch: Ist der FCSP ein Topteam der Liga (Platz 1 bis 5) und ist dann in der unteren Region unterwegs (also genau unsere jetzige Voraussetzung), wie sieht es da aus? Von den 19 Spielen aus dieser Kategorie haben wir 8 Siege, 4 Unentschieden und 7 Niederlagen geholt. Da! DAA! Da ist sie! Genau diese Statistik habe ich gesucht. Stellt die Wecker, schmiert die Stullen, packt die Sachen! Ich kann den Bus nicht mehr erwarten. Auf diese 63,16% setze ich.

Und komm mir jetzt nicht mit stinkt, Alter!

Nice Guys Sankt Pauli //flippa

P. S.: Ich hoffe natürlich auf ein 5-1, versteht sich. Und sollten wir 1-4 auf die Mütze kriegen, dann bin ich vielleicht der Einzige im Block mit einem Grinsen im Gesicht.