#senfdazu40

FC St. Pauli – SG Dynamo Dresden 2:2

Der Wind dreht ganz schön schnell am Millerntor. Aber eigentlich hat die Mannschaft selbst Schuld. Nur aufgrund der Verwöhnergebnisse der letzten Rückrunde sind die Erwartungen gestiegen. Dazu noch ein Dreier in Bochum, der (durchaus verdient) auch nur ein einzelner Punkt hätte gewesen sein können, und schon müssen die Dresdener zuhause an die Wand gespielt werden. Die sind übrigens letztes Jahr 5. geworden, obwohl aus den letzten sieben Spielen nur ein Sieg geholt wurde! Trotzdem wird im Stadion von manchen genörgelt, was das Zeug hält.

An einem Sommertag wie gestern fragt man sich, warum eigentlich die beste Jahreszeit für Fussball durch den Spielplan verschenkt wird. Ich war es zumindest ziemlich häufig leid, mich auf jämmerliche Art und Weise bei einstelliger Temperatur und Nieselregen furchtbar über schlechten Fussball aufzuregen. Den zweiten Punkt habe ich abgestellt. Wenn nun noch der Spielplan umgestellt wird, fehlt mir wenig anderes zu absoluter Glückseligkeit. In Sommerklamotte trafen sich die Nice Guys also vorm Fanladen. Nach fünf Minuten Beine in den Bauch wurde entschieden, dass dieser Aktivität auch im Stadion nachgegangen werden kann. Plätze ganz oben, direkt auf Höhe der Mittellinie – die feuchten Taktiker-Augen von timbo verrieten mir, dass der schon ein Stück näher an der Glückseligkeit dran war als ich.

Der Stresstest vieler Ohren im Stadion beim Herz von St. Pauli erweiterte meine Vorfreudeskala nochmal um zwei Stufen. Die unaufgeregten, aber klaren Statements der eigenen Fanszene zur Flora passten mir auch sehr gut. Der Handicap-Wette auf St. Pauli vom Nebenmann hätte ich zu dem Zeitpunkt gar keine Quote mehr gegeben. Dresden? Pah!
Was fehlte, war ein Großteil der Gästefans. Bei den Nice Guys wurde das von „selber Schuld“, bis „personalisierte Tickets für´n Arsch“ diskutiert.

Zum Spiel:
Natürlich ist der Sieg zum Greifen nah, wenn man Zuhause zweimal in Führung geht. Dabei darf man nicht verkennen, dass unsere Führung aus dem Nichts kommt – bis dato hatten die Sachsen 65% Ballbesitz. Über außen (sowohl links als rechts) wurden wir immer wieder überrascht. Mit einem 1:1 kommen wir gut in die Pause.

Was war besser danach? Viele Chancen wurden in Halbzeit zwei erspielt. Das lag insbesondere daran, dass das gesamte Mittelfeld nach der Halbzeit nicht länger ständig versucht war, Sami und Aziz anzuspielen. Die wurden nämlich überaus stark von der Dresdener Hintermannschaft kalt gestellt. Somit war es hauptsächlich Mats, der die Führung auf dem Fuß hatte. Völlig verdient erzielen wir diese dann einige Minuten später. Wenn eine solche Druckphase über weite Teile der Saison kompensiert werden kann, dann sind zu wenig Chancen kein Problem in diesem Jahr.
Am Ende langt es leider nicht ganz. Dresden ist sicherlich froh, einen Punkt hier mitzunehmen, aber insbesondere in Hälfte eins waren die deutlich besser.

Nach dem Spiel hoppelten wir dann wie Lemminge timbo hinterher, da „er mal gehört hätte“, dass es bei der Weinbar nach dem Spiel nett sein soll. Trifft sicherlich zu, nur ist timbo nunmal nicht grad als Trauben-, sondern eher als Gerstenliebhaber unterwegs. Also trotteten wir ihm (nach kurzem Besuch in der Weinbar) dankbar lachend, schließlich werden ab sofort auf gewisse Zeit grundsätzlich alle seine Vorschläge mit dieser Anekdote abgetan, hinterher in die entgegengesetzte Richtung zum Clubheim. Immer noch in T-Shirt und trotz 2:2 immer noch nah dran an der Glückseligkeit.

Nice Guys Sankt Pauli //flippa

Weitere Berichte:
Stefan Groenveld – Zwischen Aaargh und ist ok so..
Übersteiger-Blog: 2.Spieltag (H) – SG Dynamo Dresden
Magischer FC: And justice … not for all

#drumerherum8

Wir gegen weniger – Mythos Überzahlschwäche

Dieser Beitrag erschien gleichzeitig in dem Übersteiger-Blog.

Im Gegensatz zum gemeinen Menschen tickt der gemeine Fußball-Fan etwas anders: Während der Mensch gerne die schlechten Erinnerungen vergisst und sich nur an die „gute alte Zeit“ erinnert, hat der Fußball-Fan eigentlich zu jeder Spielsituation eine schlechte Erinnerung parat. „Wir spielen gegen den Tabellenletzten? – Das steht doch im Drehbuch, Digger! Solche Spiele haben wir schon immer verloren!“ Mit dieser Thematik hatte flippa sich vor unserer Auswärtsfahrt nach Duisburg befasst (#drumherum4) und konnte diese These zumindest teilweise entkräften. Das diese Amnesie der guten Erinnerungen auch etwas abwegige Züge annehmen kann, zeigte Frodo mit seiner Statistik zu den Verbindungen zwischen FCSP-Spielen und dem Münster-Tatort. Daher bin ich mir bewusst, dass der Aberglaube groß und die Lunte im Stadion relativ kurz sein kann, wenn man einer schlechten Erinnerung mit fundierter Statistik entgegenkommen möchte. Jetzt in der Sommerpause vermute ich alle Gemüter zu Genüge abgekühlt um mal ein wenig Statistisches in die Köpfe zu brennen.

Nachdem flippa sich in #senfdazu36 bereits vorsichtig äußerte und der sehr gute MillernTon041 ebenfalls einige Aussagen zu dieser Thematik beinhaltete, wurde es Zeit sich einmal intensiv mit der These „Gegen Mannschaften in Unterzahl sehen wir immer schlecht aus“ zu beschäftigen. Nach einem gegnerischen Platzverweis rumort es häufig auf der Gegengerade, da wir gegen Teams in Unterzahl „noch nie gewonnen“ hätten. Nun, der Sieg in Düsseldorf vor wenigen Wochen wies zumindest das „nie“ ins Reich der Fabeln, doch war es nur das Ende einer erschütternden Statistik, welche die Unfähigkeit des FCSP bei Überzahl offenlegt? Schau’n wir mal:
Zuerst muss definiert werden ab wann ein Spiel in Überzahl als „besser“ und wann als „schlechter“ gewertet wird. Ich habe mich daran gehalten, dass eine Verbesserung der Punktzahl, die am Ende des Spiels erzielt wurde, im Vergleich zur Punktzahl, die zum Zeitpunkt des Platzverweises erzielt worden wären, als „besser“ in die Wertung eingeht. Umgekehrt ist ein Spiel als „schlechter“ bewertet worden, wenn wir die Punktzahl, die wir für den Spielstand vor dem Platzverweis erhalten hätten, nicht halten konnten. Zwei (noch) fiktive Beispiele: Real Madrid spielt uns an die Wand, wir liegen bereits nach 30 Minuten mit 0-2 hinten. Bernd Nehrig, der alte Hund, provoziert den schmalzigen Portugiesen derart, dass dieser sich zu einer üblen Tätlichkeit hinreißen lässt. Klarer Fall für ne rote Karte. Im Anschluss berauschen sich unsere Jungs am adrenalingeschwängerten Support des Millerntors und drehen das Spiel noch in ein 3-2. Dieses Spiel geht in die Wertung als „besser“ ein. Aber auch ein 2-2 hätte für die Einstufung „besser“ gereicht, da mehr Punkte als vor dem Platzverweis erzielt worden wären. Zweites Beispiel: Juventus Turin ist zu Gast. In einem emotionalen Spiel verlieren wir nach 1-0 Führung noch 1-2, obwohl Mario Mandzukic bereits beim Stand von 1-0 des Feldes verwiesen wurde. Das Spiel geht also als „schlechter“ in die Wertung ein (da wir das Hinspiel in Turin mit 2-0 gewinnen konnten, stehen wir aber trotzdem im CL-Finale). Hätten wir die Führung in Überzahl verteidigt, so hätte ich das Spiel ebenfalls als „besser“ gewertet, da es ja nicht besser geht. Die Wertung „gleich“ bekamen nur Spiele, die zum Zeitpunkt des Platzverweises und zum Abpfiff Unentschieden waren.

Zugegeben, diese Definition hat Schwächen. Zum einen ist es ein großer Unterschied, ob der Platzverweis in der 5. oder der 85. Minute stattfindet. Die Vorteile einer frühen Überzahl gegenüber einer späten erklären sich sicherlich von selbst. Somit ist Überzahl nicht gleich Überzahl. Ich habe daher Spiele aus der Wertung genommen, wenn der Platzverweis nach der 80. Minute geschah und dadurch eher geringen Einfluss auf den Spielausgang nehmen konnte. Zusätzlich spielt es natürlich auch eine Rolle, wie der Spielstand vor dem Platzverweis ist. Beim Stand von 0-3 (siehe Bremen 10/11) macht die Überzahl den Kohl dann auch nicht mehr Fett. Trotzdem habe ich alle Spiele in Überzahl, unabhängig vom Spielstand gleich bewertet. Zusätzlich kann die Wertung „besser“ rein subjektiv auch ganz anders betrachtet werden. Als Beispiel dient hier das 3-3 beim FSV Frankfurt aus der Saison 2011/12: Beim Rückstand von 1-3 wurde der Frankfurter Björn Schlicke in der 39. Minute des Feldes verwiesen. Innerhalb weniger Minuten stellten Kruse (41.) und Bartels (46.) auf 3-3. Im Anschluss blieben dann noch vieleviele Zeigerumdrehungen der Überzahl ungenutzt, um noch das Siegtor zu erzielen. Ich erinnere mich gut an dieses Spiel und ich ärgerte mich damals maßlos, dass wir trotz mehr als 50 Minuten Überzahl nicht gewannen. In meine Statistik geht das Spiel jedoch trotzdem als „besser“ ein, da von 1-3 auf 3-3 gestellt wurde.

Ich habe mir die Ligaspiele von der Saison 2007/08 an bis heute angesehen (und ich habe mein Bestes gegeben, fehlerlos zu arbeiten, was aber sicherlich nicht ganz der Fall sein wird). Von den in dieser Zeit 306 absolvierten Partien haben wir 35 in Überzahl bestritten, also etwas mehr als 10%. Insgesamt zehn Partien sind jedoch wieder ausgesiebt worden, da der Platzverwies nach 80+ Spielminuten stattfand. Die Partie in Düsseldorf 16/17 stellte ein Novum dar, da hier gleich in doppelter Überzahl agiert wurde. Bei zwei Spielen wurde in der Nachspielzeit noch durch eigene Platzverweise zahlenmäßig Gleichstand hergestellt (Niederlage K‘lautern 08/09; Niederlage Bremen 10/11). Ich habe diese Spiele trotzdem in die Wertung aufgenommen, da wir einige Zeit in Überzahl spielen konnten. Andere Spiele, in denen Platzverweise für beide Teams in kurzer Zeit ausgesprochen wurden (innerhalb von 10 Minuten), habe ich in der Statistik nicht berücksichtigt.

So, kommen wir endlich zum Wesentlichen: Von den 25 Partien, die wir in zeitlich nennenswerter Überzahl spielten, haben wir satte 16 letztendlich auch gewonnen und in zwei weiteren Partien zumindest noch den Ausgleich erzielt. Von den 16 gewonnenen Spielen haben wir 7-mal den Vorsprung über die Zeit gebracht, ebenfalls 7-mal aus einem Unentschieden noch einen Sieg gemacht und zweimal sogar einen Rückstand noch in einen Sieg gewandelt (M‘gladbach 10/11 und Duisburg 08/09). Zweimal schafften wir es nicht aus einem Unentschieden noch einen Sieg zu machen, darunter das 0-0 vs Sandhausen aus dieser Saison, der Wurzel der aufkeimenden These. In lediglich fünf Partien haben wir nach Überzahl schlechter abgeschnitten als vorher. Darunter befinden sich epische Kacktore wie 11/12 das 2-2 von Fürth als wir das vermeintliche 3-1 durch Naki in der 90. Minute bejubelten, „Song 2“ aus den Boxen dröhnte und Oliver Occean unbemerkt zum Ausgleich einschob. Oder 07/08 als Jena ein 1-0 noch in ein 1-2 drehen konnte und Bruns uns mitm Schlusspfiff zumindest das Unentschieden rettete. Damals, als Jan Simak mindestens fünf Minuten brauchte um sich nach Aufleuchten seiner Nummer gen Auswechselbank zu bewegen. Da kocht heute noch Wut in mir hoch. Die Wurst ist sogar vorher noch im Vollsprint auf die andere Seite gelaufen, damit der Weg noch länger war. Ich habe nie einem Spieler mehr Schimpfwörter entgegengebracht als Simak seinerzeit. Das mag natürlich an meiner inzwischen nicht mehr so cholerischen Art liegen, jedoch sind auch bei mir diese Kackspiele in Überzahl wesentlich präsenter als zum Beispiel das 2-1 gegen Bochum (nach 1-1) aus der Saison 09/10. Ich bin also auch einer dieser Fußball-Fans, dem eher schlechte Erinnerungen aus dem Hirn sprudeln.

Trotz dieser sehr präsenten Erinnerungen muss ich erkennen, dass 18 von 25 Spielen in Überzahl mit einem besseren Ergebnis endeten als vor dem Platzverweis. Das sind statistisch signifikante 72%. Es kann also mit Fug und Recht behauptet werden, dass wir fast drei Viertel aller Spiele in Überzahl erfolgreich gestalten. Ist der vielerorts gepflegte Pessimismus nach gegnerischen Platzverweisen also nur eine Schutzfunktion? Eine Art Unglücks-Versicherung, damit man im Nachhinein zumindest sagen kann: „Hab ich’s doch gewusst!“, wenn wir das Spiel nicht erfolgreich gestalten und man somit trotzdem ein leichtes Gefühl des Erfolges mit nach Hause nehmen kann? Die Statistik sagt: ja. „Moment!“ sagt der gewiefte Pessimist. Es stellt sich ja auch die Frage, wie wir Spiele ohne gegnerischen Platzverweis gestalten. Vielleicht sind wir da ja besser und gewinnen mehr Spiele bei eigener Führung! Eine Vergleichs-Statistik muss also her. Deswegen habe ich insgesamt 25 Spiele ausgewählt (aus der Saison 16/17), die zur Halbzeit den Ergebnissen (Führung-Unentschieden-Rückstand) der 25 in der Platzverweis-Statistik aufgenommenen Spiele entspricht. Auch hier hängt die Definition: Wieso erst zur Halbzeit? Welche Spiele werden aufgenommen (in der Aufstiegssaison sind die Spiele ja grundsätzlich besser als in der Abstiegssaison)? Ganz ehrlich: Das macht es mir viel einfacher bei der Auswertung und daher habe ich das so definiert. Wenn jemand das gerne etwas genauer hätte, dann darf er/sie gerne mit mir in Kontakt treten.

Aus dieser Statistik wird deutlich, dass nur 8 von 25 Spielen ohne Platzverweis in der 2.Halbzeit mit einem besseren Ergebnis endeten (bzw. die Führung verteidigt wurde). Das macht schlaffe 32%. Im Vergleich zu den 72% der erfolgreichen Spiele in Überzahl stinken die Spiele in Gleichzahl also mächtig ab. Wenn wir zur Halbzeit hinten lagen, haben wir diese Saison mal so gar nix auf die Kette bekommen. Warum das so ist, kann ich bei Zeiten mal spieltaktisch aufarbeiten. An dieser Stelle habe ich erst einmal genug der verbogenen Statistiken und hingedrehten Wahrheiten. Ich habe mit diesen Statistiken eindrucksvoll gezeigt, dass ich Tabellen mit Zahlen erstellen kann. Der Rest ist Ansichtssache. Trotzdem: Nächstes Mal bei gegnerischem Platzverweis einmal kurz in Gedanken Simak in den Arsch treten und dann die Jungs weiter nach vorne pushen!

Nice Guys Sankt Pauli //timbo

P.S.: Wie steht es eigentlich bei eigener Unterzahl? Ich habe da ein Spiel gegen Regensburg in Erinnerung, als wir beim Stand von 2-1 dank Ginczek in Unterzahl gerieten, uns kurz vor Schluss noch das 2-2 fingen, nur um uns dann dank Bruns mit dem Schlusspfiff in Ekstase versetzen zu lassen. Trotzdem glaube ich, dass diese Statistik wesentlich ernüchternder sein wird und lasse lieber mal die Finger davon.

#senfdazu39

VfL Bochum – FC St. Pauli 1:3

Mystische Rauchschwaden umgeben ihn: Der Sonderzug. Nimbus aller Auswärtsfahrten. Tickets sind rar gesät und beliebt wie Bochumer Currywürste. Wir erhielten circa 25% der angefragten Karten und ein paar weitere konnten noch nachorganisiert werden, sodass sich sechs Nice Guys überpünktlich früh morgens am Bahnhof Altona einfanden, um die Tour ins Ruhrgebiet anzutreten.

Mit dabei war der Besuch aus Schottland, welcher bereits am Samstag eintraf. Gemeinsam wurde munter Geld beim letzten Bundesliga-Spieltag verwettet und anschließend in der Weinbar am Millerntor, Glasgow und Yorkshire St. Pauli getroffen. Bereits zu diesem Zeitpunkt ahnte ich, dass ich spätestens auf der Rückfahrt aus Bochum überhaupt keinen Überblick mehr haben werde, ob meine Muttersprache nun deutsch oder englisch ist und welche der beiden ich grad anwende. Nach einem kurzen Ausflug in den Dschungel, ging es brav und rechtzeitig nach Hause.

Rückwirkend betrachtet, klingelte der Wecker am Sonntag viel zu früh, aber scheinbar plante ich am Vorabend sehr großzügig einen Zeitpuffer ein, falls etwas Unvorhergesehenes uns auf dem Weg zum Zug aufhalten sollte. Zwar ist mir immer noch nicht klar, was das hätte sein sollen, aber so hatten wir sogar noch Zeit für einen Kaffee in der Küche. In der Trikotfrage entschied ich mich für die Camouflagevariante, während der Großteil der anderen Nice Guys in unglaublich hässlichen Celtic-Trikots rumlief. Schnell wurde eine Theorie aufgestellt, wie es dazu kommen kann, dass Celtic Jahr für Jahr in der Farbpalette daneben greift: Die Deadline für den Trikotentwurf scheint den Designer (mit einem Hang zu billigen Drogen) jedes mal in der Nacht vor Abgabe zu überraschen – das Ergebnis ist einfach gruselig.

Wie dem auch sei. Gut gelaunt und mit Stullen und Bier bewaffnet, gangsterten wir also auf der Hinfahrt im Sonderzug rum. Bochum war recht schnell erreicht und empfing uns mit bestem 34. Spieltag-Wetter. Der gemeinsame Marsch zum Stadion war eher ein gemütlicher Spaziergang in der Sonne und verlief ereignislos. Wir landeten kurz vor dem Stadion auf einer Wiese, dazu ein Moritz-Fiege-Pils in der Hand. Davon hatte ich noch nie gehört und nach dem ersten Schluck… naja. Schön war allerdings, wie viele gut gelaunte Menschen sich in Richtung Gästeblock bewegten.

Im Stadion wunderte ich mich dann doch etwas, dass am Bierstand von 6 Zapfhähnen nur zwei in Betrieb genommen wurden, während die Verkäufer tatenlos zusehen mussten – aber das ist anderswo ja auch ständig so. Das trübte allerdings das Stadionerlebnis in Bochum kaum. Ein schmuckes Stadion, zudem noch mit circa 5.000 St. Pauli-Fans bestückt. Schon vor Anpfiff vibrierte der Bierbecher bei den Gesängen. Die Architektur des Stadions sorgte für eine perfekte Gästeblock-Akustik. Dies wurde gepaart mit singfreudiger Stimmung. Absolut traumhaft.

Das Spiel ist schnell abgehandelt: Wir sind über 90 Minuten klar besser und zielstrebiger. Ein Rückstand kann der Truppe in aktueller Verfassung rein gar nichts mehr anhaben. Es ist furchtbar schade, dass die Sommerpause dazwischen kommt. Lennart Thy kann auch endlich wieder knipsen und als Bochum grad ein wenig anfängt, eine Druckphase für den Ausgleich aufzubauen, macht er den Killer. Alles danach ist viel Lachen, Ausgelassenheit und Gesang. Nach dem Spiel dann noch eine (für mich) deutliche Szene, als Ewald Olaf Janßen von der Kurve feiern lässt. Zwar kann man sagen, dass er nur sich selbst mal aus dem Fokus nehmen wollte und damit gezeigt hat, dass auch Olaf einen großen Anteil an der Leistungssteigerung zur Rückrunde hat, aber für mich sah das eindeutig nach Staffelübergabe aus. Bin ich ausdrücklich mit einverstanden. Auch die Verpflichtung von Sami Allagui, sowie die gezogene Kaufoption bei Sahin, sind gute Moves. Wobei man bei Sahin davon ausgehen kann, dass dieser (jaja die antikapitalistischen St. Paulianer!) weiterverkauft wird. Zwei Millionen ist keine Summe, die zu unseren sonstigen Aktionen auf dem Transfermarkt passt.

Damit endete gestern unsere rekordbrechende Rückrunde. Ein schwieriger Start (0-1 gegen Stuttgart) und ein kleines Tief (insbesondere Aue und Sandhausen) verhinderte eine noch bessere Bilanz. Trotzdem ist es unglaublich, was hier geleistet wurde. 10-4-3 lautet das Ergebnis. Wohlgemerkt, von einem Team, dass die Hinrunde mit 2-5-10 beendet hat. Nach dem Spiel, beim Blick auf die Tabelle, wurde grinsend der Kopf geschüttelt; Platz sieben! Absoluter Wahnsinn.

Angeschwipst von der Stimmung und dem Vollbier im Stadion, traten wir die Rückreise an. Wie immer entwickelte sich in den beiden Party-Waggons ein lautes und buntes Chaos, welches einen spätestens nach zwei Songs bierbespritzt und strahlend zurücklässt. Ich bin ganz froh, dass ich das hier tippen kann und nicht reden muss, denn irgendwo zwischen Osnabrück und Minden scheine ich meine Stimme verloren zu haben. Mein persönlicher Moment des Abends kam dann mit Robert Palmer (der Ohrwurm ist übrigens gratis). Der wiederentdeckte Fangesang wurde die gesamten 3:47 (und die liedfreien Minuten danach) durchgezogen. Ein Moment für Pipi in den Augen.

Überraschend dann die Ansage, dass wir gleich schon in Hamburg sind. What?!? Wir versuchten die Tour noch künstlich durch einen Besuch im Jolly am Leben zu halten, aber es half nichts; 18 Stunden sind genug.

Danke, dass Du alle zusammenführst und uns dadurch solche Touren ermöglichst, Herzensverein! Ich verspreche, nächstes Jahr auch wieder mehr auswärts zu fahren, aber jetzt folgt erstmal die wohlverdiente Sommerpause.

Nice Guys Sankt Pauli //flippa

Weitere Berichte:

Magischer FC – Tief im Westen (Stelle anhand der Bilder grad fest, dass das meine Abteilkollegen und -kolleginnen waren. Vielen Dank für den Baileys zum Frühstück an dieser Stelle!) ;)
Grenzenlos Sankt Pauli – 45 Punkte, Platz 7 und grenzenlose Liebe!
admit nothing – Aufgewacht auf Platz 7

#senfdazu38

FC St. Pauli – SpVgg Greuter Fürth 1:1

Spieltag 33 „überraschte“ uns mit einem Sommerkick. Zwar wurden unter Woche in Interviews mit den Spielern noch Ziele ausgesprochen (beste Defensive, Platzierung in der Rückrundentabelle), aber eigentlich ist doch allen klar; der Jogginghosen-Modus ist angeworfen und wenn das nicht alles so strebsame Profisportler wären, dann würde unter Woche im Training „Team betrunken“ gegen „Team nüchtern“ gespielt.

An dieser Stelle erstmal eine Entschuldigung für das verspätete Runtertippen von Buchstaben. Auch bei mir schaute ein gewisser Herr S. Chlendrian vorbei und befahl, auf das Sofa aufzupassen, statt die deutsche Rechtschreibung zu malträtieren.

Bevor am Sonntag der Testspielkick begutachtet wurde, quälte der Wecker den Gehörgang schon um kurz nach 8. Zu recht! Schließlich wurde der Samstag dazu genutzt, vernünftige Rennradreifen zu erstehen und das Fahrrad umzurüsten. Nebenbei im Dritten den Aufstieg der Kieler mitbekommen und anschließend bei der Bundesliga-Konferenz dem Chaos eines 33. Spieltags gelauscht. Herrlich! Was dann früh am Sonntag auf dem Deich zum Zollenspieker Fährhaus von mir und dem Rad abgeliefert wurde, lässt sich folglich passend zusammenfassen: #blitz.

Warum ich die armen Leser mit so nem Scheiß nerve? Ist alles eine Einleitung für die Ausrede, warum ich erst heute schreibe… Wieder zuhause mit dem Drahtesel, gab es eine kurze Dusche, um anschließend zwei Stunden in der Sonne zu stehen und Übersteiger zu verkaufen. Und hier geht das Desaster los. #blitz schlug nämlich doch ganz schön auf die körperliche Verfassung und der sich anbahnende Sonnenbrand wurde beim Verkauf der Übersteiger nochmal deutlich knackiger.

Trotzdem war immer noch der 33. Spieltag, die Sonne schien herrlich entspannt, die Stimmung auf den Rängen passte dazu und alle Anspannung der letzten Wochen hatte sich gelöst. Eine ziemlich gefährliche Grundlage, um sich „versehentlich“ an einem Sonntag kräftig einen zu ballern.

Der Spieltag in Kürze zusammengefasst:


Hübscher, grüner Rauch


Geile und passend recycelte Choreo


Bier, Regen und Mannschaft am Knust

Mit dem knallroten Kopf und allgemein matschigen Auftreten, traute ich mich gestern kaum zur Arbeit. Abends auf dem Sofa war dann nichts als gequältes Stöhnen und schlafen gehen vor halb 10(!) angesagt. Keine Grundlage dafür, um im Blog irgendwas zusammenzurotzen. Trotz des selbstverschuldeten Unwohlseins; das geile Gefühl des Klassenerhalts bleibt!

Nice Guys Sankt Pauli //flippa

P.S.: Die schönen Bilder wurden freundlicherweise von meiner Herzdame bereitgestellt

Viel schöner und besser geschrieben haben:
Stefan Groenveld-Blog: Sommerfußball am Millerntor
Übersteiger-Blog: 107 Jahre die einzige Möglichkeit (oder: FCSP – FÜ)
KonBon Blog: Kampf um Platz 6: FC St. Pauli gegen SpVgg Greuther Fürth
Magischer FC: Reihenhaus in der Mitte

#senfdazu37

FC St. Pauli – 1. FC Heidenheim 3:0

Auch in Liga zwei ändern sich manche Dinge nie. Spätestens ab Spieltag 26 realisiert eine große Gruppe von Mannschaften im tristen und grauen Mittelfeld der Liga, dass diese Saison nicht mehr als eben diese große Langeweile der Tabelle drin sein wird. Wirklich spannend ist es ab diesem Zeitpunkt der Saison nur noch für die 4-5 Truppen mit realistischen Aufstiegschancen und die 6-7 mit ganz anderen Sorgen. Und genau diese von Abstiegspanik Getriebenen, fangen jedes Jahr zu dieser Zeit auf einmal an, wie verrückt Punkte zu sammeln. Das führt mitunter zu ungläubigen Kopfschütteln wenn man sich die Ergebnisse der direkten Konkurrenten vom Wochenende anschaut. Da ist der eigene Sieg dann auf einmal kaum noch was Wert. Dass wir momentan nicht nur fehlerfrei, sondern gegen Ende der Saison größtenteils gegen diese völlig willenlosen Truppen aus dem Mittelfeld spielen, ist ein klarer Vorteil. Zwar kann der Gegner tausend mal beschwören, sich immer noch voll reinzuhängen, aber wenn Buchtmann Dir nach 30 gespielten Sekunden deutlich macht, dass es wehtun könnte, wenn man den Ball nicht freiwillig den braun-weißen gibt – dann wird schnell abgewogen, ob es das noch wert ist. Der perfekte Gegner also. Na dann; Hallo graues Mittelfeld! Hallo 1. FC Heidenheim!


timbo kann zählen!

Die Heidenheimer wählten an diesem Abend die Verwirrungstaktik in Form von Trikots, die mit dem Ordnungsdienst des Stadions verwechselt werden mussten. Aber das war auch so ziemlich das Einzige, was mich in Halbzeit aufheitern konnte. Spätestens nach Einsetzen des Starkregens „rutschte“ (*hüstel*) das Niveau in den Keller. An eine echte Chance kann ich mich nicht erinnern. Halbzeit 2 beglückte uns dann recht früh mit zwei Toren, die von den gegnerischen Fans echte Tiefschläge gewesen sein müssen. Aber mal ehrlich: wie oft haben wir schon Witze darüber gemacht, dass ehemalige Stürmer hier am Millerntor knipsen? Fand ich ganz nett, dass Verhoek da nicht die Ausnahme sein wollte. Danke, John! Mit dem 1-0 war das Spiel schon gelaufen. Erleichterung breitete sich im gesamten Stadion aus. Ein gern willkommener Gast am Millerntor.

Mit dem Besuch der Ostwürttemberger schließt sich für uns ein kleiner Kreis. Seit der Auswärtsniederlage am 14. Spieltag in Heidenheim lautet unsere Bilanz: 9 Siege, 5 Unentschieden und 3 Niederlagen. Bei lediglich 9 Gegentoren in 17 Spielen! Eine Wahnsinnsbilanz. Die sich noch viel besser anfühlt, weil eben nicht der Standardmechanismus des Profigeschäfts befolgt und am Trainer festgehalten wurde. Das klingt alles ein wenig nach der Rückrunde aus der Saison 2014/2015: Abwehr stabilisieren, kaum noch Gegentore fangen und am Ende der Saison ne richtig gute Serie hinlegen. Da wir zudem noch gegen Bochum und Fürth spielen, habe ich viel Hoffnung für den Klassenerhalt. Schließlich fallen die beiden Mannschaften ebenfalls in die Kategorie aus Absatz 1.

Nach dem Spiel ging es dann zur Demo, welche gemütlich unspektakulär verlief und trotz miesem Wetter sehr gut besucht war. Schön! Danach wollten wir dann noch „kurz“ in den Zoo. Die Kopfschmerzen für heute nahm ich lachend in kauf und vollzog komische Tanzbewegungen zu gutbekannten 2-tone-Hits. Selig und erleichtert ging es nach Hause. Besser kann ein langes Wochenende einfach nicht starten..

Nice Guys Sankt Pauli //flippa

Weitere Berichte:
Grenzenlos Sankt Pauli – Erst kam der Regen, dann die Bierdusche
Stefan Groenveld – Nach Regen kommt Sonnenschein
Beebleblox – Drin? Das ist ja einfach!
Admit nothing – Uhus töten in der Nacht