#senfdazu48

FC St. Pauli – SV Darmstadt 98 0:1

Fangen wir mit den Sachen an, die am Wochenende gut geklappt haben:
- Die Kranzniederlegung zum Holocaust-Gedenktag
- Die „Choreo“
- Der GdP die Meinung geigen
- Der gegnerischen Mannschaft wieder auf die Beine helfen
- Meine vegane Carbonara am Freitag war auch klasse

Leider verhinderte einer genannten Punkte den Sonntagabend selbstgefällig und mit sich im Reinen, blöd grinsend auf der Couch zu verbringen. Die Satzung habe ich gecheckt, daran liegt es nicht, dass wir ständig anderen Mannschaften Punkte und einen aufmunternden Klapps mitgeben. Der magische FC hat ein Helfer-Syndrom. Sowas ähnliche behaupten sicherlich viele Fans von ihrem Verein. Doch beim FCSP ist es wirklich nicht mehr wegzudiskutieren. Vor zwei Jahren habe ich bereits mal versucht diese grenzenlose Solidarität für kriselnde Vereine in eine Statistik zu fassen. Ob da nun etwas dran ist oder nicht – man ist es nur noch leid..

Der Sonntag begann für mich mit einer krassen Fehleinschätzung. Das Wetter war trocken und brachte mehr als 5 Grad auf das Thermometer. Zeit mal wieder draußen mit dem Rad zu fahren. Treffpunkt um 9.40 Uhr. Ich plante 2-2,5 Stunden auf dem Deich im Windschatten von anderen rumzulungern und dann nach einer schnellen Dusche um spätestens 12.40 Uhr am Stadion zu sein. Das mit dem rumlungern klappte super. Musste es auch, da alle außer mir ziemlich im Saft standen. Die insgesamt 4 Platten (immer am selben Fahrrad!) bescherten mir dankbare Pausen, sodass sich der Wein vom Vorabend gar nicht erst auf den Vormarsch machen konnte. Leider verzögerte sich meine Stadionankunft dadurch immer weiter.


Ok, vielleicht hatte auch die Kaffepause damit zu tun

13.29: Ankunft am Stadion. Die bedrückende (beeindruckende) Stille fiel mir erst nach einigen Augenblicken auf, während ich zum Eingang hetzte. Der Spruch „Ich weiß, warum ich hier stehe!“ wurde mal wieder bekräftigt. Und das, obwohl ich währenddessen mit nassen Haaren die Treppe hochlief. Einige Minuten später stand es bereits 0-1. Ich suchte noch meine Bezugsgruppe und die Mannschaft sammelte bereits Karmapunkte. Mit dem Tor war dann auch der restliche Spielverlauf abgesegnet. Darmstadt parkte den Mannschaftsbus im Fünfer und Allagui hatte einen Tag, an dem er nicht mal den traf. Wie schwierig es gegen eine Mannschaft, die in Führung liegt und nur destruktiv am Spiel beteiligt ist, werden kann, stellten ja zuletzt die Dresdener fest. Wir hatten sogar ein wirklich gute Gelegenheiten. Über den Großteil der 83 Minuten nach Darmstädter Führung sah es allerdings grauenvoll aus, was der FCSP fabrizierte. Scheinbar sind Laufwege nach einer kompletten Wintervorbereitung nicht abgestimmt und einige Spieler von Defensivaufgaben und Einsatzbereitschaft freigestellt. Hier ist dringender Handlungsbedarf.


Sie sehen die (offiziell) ausverkaufte Haupttribüne

Ein Trip nach Heidenheim bessert die Laune bei mir nicht unbedingt. Bei den drei bisherigen Spielen in der Voith Arena gab es bisher ein Tor und null Punkte für uns. Vielleicht könnte ja mal das Karmakonto angezapft werden. Forza!

Nice Guys Sankt Pauli //flippa

Links:
Stefan Groenveld – Lautes Schweigen am Millerntor

#drumherum9

FC St. Pauli – Vfl Bochum 1848 1:1

Testspiele reizen mich überhaupt nicht. So sehr ich den magischen FC liebe – wenn es um nichts geht, dann muss das Drumherum schon stimmen, damit ich mich ins Stadion begebe. Zufällig stimmte das Drumherum diesmal sehr gut. Sprecherkabine! Ich konnte es selbst kaum glauben. Ich stellte mir vor, warm und gemütlich das Spiel zu schauen und dabei als helfende Hand für Frank die Auswechslungen zu notieren. Teil zwei der Vorstellung bewahrheitete sich. Ohne offenes Fenster in der Sprecherkabine – und dementsprechend auch ohne Atmosphäre – das geht einfach nicht.

Aber von Anfang an: Mit einer Arbeitskarte bewaffnet, irrte ich zehn Minuten lang durch die Katakomben der Haupttribüne, bevor Frank das kleine flippa aus der Verzweiflung erlöste. Kaum war ich oben angekommen, wurde mir auch schon mit einem Grinsen der Ratgeber „Stadionsprecher und Platzansager“ von DFB in die Hand gedrückt. „Das könne ich ja erstmal lesen…“. Beim durchblättern blieb mir tatsächlich etwas im Gedächtnis. Kapitel 4.1: Durchsagen bei Geruchsbelästigung. Nach dem Austauschen diverser schlechter Witze, konnte sich dann dem Wesentlichen des Abends gewidmet werden.

Der FC St. Pauli startete mit Park und Sobiech. Dies war sicherlich die Überraschung in der Aufstellung. Außerdem Dudziak auf der Sechs neben Nehrig, aber das wurde ja vorab bereits angekündigt. Nachdem souverän und unfallfrei die Begrüßung, Aufstellung und Einspieler abgewickelt wurden, erwartete uns ein munterer Kick in der ersten halben Stunde. Allagui tanzte nach schöner Vorarbeit von Sobota noch die Bochumer Abwehr aus und netzte hübsch ein, bevor der Bochumer Wurtz kurze Zeit später nach Sahneflanke einen Stellungsfehler in unserer Innenverteidigung mit einem Schulbuchkopfball bestrafte. Anschließend trifft Sahin noch den Pfosten. Eine starke erste Hälfte von beiden Mannschaften. Da sieht man mal, was alles spielerisch geht, wenn nicht die Abstiegsangst die Beine lähmt.


So sieht der Zettel mit der Mannschaftsaufstellung nach Wechsel-Chaos im Testspiel aus – jetzt auch noch schief, weil ich das Bild nicht gedreht bekomme…

Bäumchen-Wechsel-Dich von beiden Mannschaften in Halbzeit zwei sorgte für Arbeit in der Sprecherkabine – leider nicht für mehr Qualität auf dem Platz. In der Folge wurden viele gute Situationen nach Gegenpressing vom FCSP nicht richtig ausgespielt, weil schlicht nicht eingespieltes Personal auf dem Platz stand. Der Schneeregen tat sein übriges und nahm der Partie dann endgültig jeglichen Spielfluss. Eine Nachspielzeit gab es dankenswerterweise gar nicht erst.

Schade, dass es kein einziger St. Pauli-Spieler nach Abpfiff geschafft hat die zahlreichen Kinder an der Bande auf der Haupttribüne per Handschlag zu begrüßen. Sicherlich war das auch dem Wetter geschuldet, doch bedenkt man, dass der Verein einige Sozialtickets rausgehauen hat und von den 2823 anwesenden Zuschauern (Sprecherkabine.. ich kenn die Zahl genau!) ein riesiger Prozentsatz Kinder waren, dann wurden da schon einige Herzen gebrochen. Naja, nächstes Mal!

…dann Darmstadt! Die Bochumer, so sehr ich Sympathien für die Hymne und einen „Arbeiterverein“ habe, waren oft genug unser Gegner in letzter Zeit.

Nice Guys Sankt Pauli //flippa

#senfdazu47

FC St. Pauli – VfL Bochum 1848 2:1

Leser dieses Blogs werden dazu geneigt sein zu sagen, „Was für Schönwetter-Schreiber hier doch rumhängen! Von diesen Scheiß-Guys lese ich gar nichts mehr!!“. Schließlich wurde hier seit dem schwachen Spiel gegen Aue nichts mehr geschrieben. Nun, dies hier war noch nie der Ort um von süßen Nektar hochwertiger Schreibfertigkeiten zu kosten. Wer kann das also schon vermissen?! Ich entschuldige mich trotzdem für das Entstehen dieser innerlich Unruhe, wenn nach einem Spiel nicht fünf Minuten des Lebens in Rechtschreibfehler und schlechte Gags investiert werden konnten.

Aber wieso leiste ich hier eigentlich Abbitte? Josy, der alte Heckenpenner, hat die versprochene Journalie für das Regensburg-Spiel immer noch nicht geliefert. Dabei war er stocknüchtern, als er von mir dazu gezwungen wurde. Stattdessen hat der sich einen Schnauzer wachsen lassen und sieht aus wie ein flüchtiger Pflegeheimbewohner. Timbo hat sich klugerweise gänzlich vom Stadion ferngehalten, bevor er wieder von nächtlich fiebrigen Taktikträumen geplagt wird und uns dann damit belasten will. Unterstützung sieht also anders aus.

Statt dann mit klassischem Gemecker meinerseits den Blog zu füllen und zu langweilen, habe ich lieber die Fresse gehalten. Bis jetzt. Schließlich wusste schon Gandalf, dass man am besten zum Wendepunkt der Gezeiten zurückkehrt. Bevor ich nun völlig freidrehe, bezeichne ich lieber den Start der Rückrunde als Wendepunkt und nicht den Trainerwechsel. Die Leistung von Kauczinski kann man nach zwei Spielen, in denen er aufgrund von der Verletztenliste nicht viele Änderungsmöglichkeiten hatte, überhaupt nicht einschätzen. Eine ganze Wintervorbereitung sollte da schon eher langen.

Gewärmt von langer Unterhose und Wintersocken standen die Nice Guys am Eingang in einer Schlange, die ich in dieser Länge noch nie vor der Gegengerade gesehen habe. Entweder kamen besonders viele Besucher erst 40 Minuten vorm Anpfiff oder da lief etwas schief. Jacek erinnerte das gar an früher. Da war die „Schlange von der Nord immer bis zum Bahnhof Feldstraße!“. Na klar! Immer. *kopfschüttelnd ab*

Vorm Anpfiff wollten die Bochumer ihrem Sportdirektor Christian Hochstätter noch frohe Festtage wünschen – das Transparent (Verpiss diCH!) legt diesen Schluss zumindest nah. Es wurde anschließend von der Polizei entfernt. Ein wirklicher Grund ist nicht zu erkennen gewesen.

Zum Spiel:
Wir haben schon ein wenig Glück gehabt, dass auch bei den Bochumern momentan nichts läuft. Defensiv haben wir uns nämlich die gesamten 90 Minuten nicht wirklich klug angestellt. Weder taktisch, noch fußballerisch war das eine gelungene Vorstellung. Von keiner Mannschaft. Noch mehr Glück dann, dass ein Abpraller vor den Füßen vom Mentalitäts-Monster Sobiech landet, er ins lange Eck abschließt (schon wieder mit links!) und uns die Mannschaft endlich mal wieder singend in die Pause verabschieden lässt. Aus dieser kommen wir dann nicht wirklich gut und dürfen uns über Ausgleich nicht beschweren. Für den Rest der Halbzeit kommen die Bochumer immer wieder gefährlich in die Box und können nichts daraus machen. Stattdessen schließt Schneider einen Konter nach Zuckerpass von Sahin ab. Da merkte man dann auch auf der Gegengerade wie sehr erfolgreicher Fußball gefehlt hat. So viel und laut wurde seit gefühlten Jahren nicht mehr gesungen und angefeuert. Der Anschluss machte es ein wenig wackelig, aber mit etwas würgen ging es dann. So gewinnt man Spiele, wenn man selbst in der Krise steckt!

Etwas versöhnlicher gehe ich durch den Dreier mit der Mannschaft in die Winterpause, die fast durchgehend absoluten Dreck in der Hinrunde angeboten hat. Beschweren möchte ich mich darüber nicht gänzlich. Mit diesem Mist haben wir schon ziemlich viele Punkte geholt. Meinetwegen können auch noch die 48 weiteren auf diese Weise geholt werden. Aber schöner ist es schon, wenn man mal wieder ein Spiel bestreitet und besser ist als der Gegner, statt den Mannschaftsbus vor das Tor zu stellen (Ewald-Rhetorik). Aber was weiß ich schon..

Nice Guys Sankt Pauli //flippa

#senfdazu46

FC St. Pauli – Erzgebirge Aue 1:1

Freitag, Flutlicht und so weiter. Perfekte Umstände, um meinen Endorphin-Spiegel in die rote Zone zu heben. Doch jedes Mal bevor es dazu kommen konnte, machte der Gedanke an den Gegner alles kaputt. Aue. Wir spielen gegen Aue. Zwar verriet mir die Statistik, das wir tatsächlich schon mal gegen Aue am Millerntor gewonnen haben, aber das Gefühl lässt sich nicht abschütteln; Zuhause gegen Aue gibt es nichts zu holen. Es ist wie verhext.

Damit lässt sich das hier auch schön abkürzen. Schließlich sind das höhere Mächte, gegen die man nichts ausrichten kann. Blog-Kollege timbo hat noch kräftig zur Taktik am Freitag getwittert, doch scheinbar können wir machen, was wir wollen und gewinnen nicht.

Das dritte 1:1 in Folge ist im ersten Moment frustrierend, doch bei der Verletztenliste durchaus respektabel. Wenn wir die Kapelle voll haben, dann geht sicherlich noch etwas mehr. Außerdem spielen wir noch gegen die untere Hälfte der Tabelle – außer nächste Woche. Die Statistik gegen Union in den letzten Jahren könnte zwar besser sein, aber trotzdem steigt das Endorphin schon wieder an. Ein Dreier an der Alten Försterei ist die einzige Möglichkeit!

Nice Guys Sankt Pauli //flippa

Achja: Glückwunsch Alte Schule!

#senfdazu45

FC Sankt Pauli – 1.FC Kaiserslautern 1-1

Ganz kurz: Ich habe Freitag ein „Praktikum“ beim AFM-Radio machen dürfen. Das spülte mich hoch oben auf die Gegengerade. Dank wlan und bester Sicht auf Höhe der Mittellinie und gänzlich ohne Bier/Schnack/Gesang habe ich Taktisches getwittert. Ob das nun gehobene Analyse-Kunst oder eine Aneinanderreihung gewürfelter Begriffe aus „Fußball-Taktik für Dummies“ ist, dürft ihr selbst entscheiden. Hier meine 38 Tweets in ausgeschriebener Form:

Vor dem Spiel

…konnte ich ein wenig mit Andrew Meredith, unserem Video-Analysten, sprechen. Er erwartete den FCK unter Jeff Strasser ähnlich wie bei seinem erfolgreichen Debüt gegen Greuter Fürth. Ein 3-4-3 in offensiver Ausrichtung, bei dem sich defensiv eine 5er-Kette bilden würde. Ist ja ziemlich En Vogue dieses System momentan. Zwei Außenspieler beackern die gesamte Bahn, das Zentrum ist gut besetzt und die Formationen können so dermaßen variabel gestaltet werden, dass man im Grunde auf jede andere Formation und Spielsituation reagieren kann. Grundsätzlich sind Spiele gegen Teams, die erst kurz vorher ihren Trainer gewechselt haben, für diejenigen, die den Gegner analysieren natürlich ein absolutes Desaster. Zu wenig Infos kann man über die Spielidee des Gegners erlangen, Überraschungen sind da vorprogrammiert. Ich jedenfalls erwartete eine gänzlich andere Formation des FCK. Das mag aber auch daran gelegen haben, dass ich Infos vom Spiel gegen Fürth nur vom Kicker bezogen habe und da war eine 3er-Kette angezeigt.

Halbzeit 1 – Kein Interesse an Fußball

Wir starten mit Dudziak anstelle von Buballa und Buchtmann statt Neudecker. Zudem begann Flum. Das entwickelte sich dann zu dem üblichen 4-2-3-1 oder besser einem 4-1-4-1, da Buchtmann und Flum für den Spielaufbau abwechselnd ins defensive Mittelfeld zurückfielen. Der andere der beiden Zentrums-Spieler rückte dann teilweise auf die Höhe von Sami Allagui. War dieses hohe Aufstellen nicht der Fall, so gesellten sich Sahin und/oder Sobota mit auf die Höhe von Allagui. Die Formation des FCK war dann aber doch eine andere als die erwartete 5er-Kette. Stattdessen gesellte sich bei FCSP-Ballbesitz Mwene in die letzte Kette, während Abu Hanna mit den beiden Sechsern davor eine 3er-Kette bildete. Es entwickelte sich also ein klassisches 4-3-3, wie wir es z.B. in der zweiten Halbzeit gegen Heidenheim diese Saison zeigten. Der Unterschied zu Heidenheim ist allerdings, dass der FCK nicht ansatzweise ein Interesse daran hatte, ein Fußballspiel zustande kommen zu lassen. Das 4-3-3 des FCK stellte uns in Halbzeit eins vor enorme Probleme. Im Zentrum waren wir unterbesetzt und der Druck auf den Sechser hoch, sodass versucht wurde das Spiel über die Außenverteidiger aufzuziehen. Die beiden 3er-Ketten verschoben jedoch recht gut, sodass zum Doppeln dieser nicht einmal ein Spieler aus der 4er-Kette benötigt wurde. Dieses provozieren von Pässen auf die Außen spielt aber nicht nur der FCK. Es ist häufig das Ziel von Teams mit Mittelfeld-Pressing, dass Spiel auf eine Bahn zu lenken. Dafür wird dem Gegner die Pass-Option Außenverteidiger bereitgestellt. Ist der Pass dort angelangt, greifen mehrere Gegenspieler an, während mögliche Pass-Optionen in deren Deckungsschatten verschwinden.


Die defensive Grundordnung des FCK im 4-3-3 (fett Rot) und das von mir erwartete 5-4-1 (tranparentes Rot)

Nach Ballverlusten zog sich der FCSP weit in die eigene Hälfte zurück und bildete nach Überspielung der ersten Reihe mal wieder eine 6er-Kette in letzter Reihe. Weder das tiefe Pressing des FCSP, noch das unerwartete 4-3-3 des FCK sorgten für Ballgewinne, die sich für ein schnelles Umschaltspiel eigneten. Zumal beide Teams darauf bedacht waren, eben diese Situationen zu vermeiden. Das führte zu einer enormen Chancen-Armut in Halbzeit 1 und zu Unruhe auf den Rängen. Aber mal ehrlich, was haben wir erwartet. Die letzten beiden Heimspiele haben wir massiv auf die Fresse bekommen dafür, dass wir ein höheres Pressing mit der Option auf vielversprechende Ballgewinne spielten. Ein vorsichtigeres Vorgehen war daher selbst gegen den FCK zu erwarten. Für weitere Unruhe im Stadion sorgt auch immer wieder das Spiel über unseren Torwart, wobei das eigentlich nicht mehr für Schweißausbrüche sorgen sollte, seit Matze Hain nicht mehr im Tor steht. Gerade bei Gegnern, die so zentrumsorientiert verteidigen, ist es einfach schwierig über dieses den Ball zirkulieren zu lassen. Für einen Seitenwechsel bieten sich daher nur zwei Optionen: Lange Bälle auf die andere Seite (riskant) oder das Spiel über den Torwart bzw. hinten herum (relativ sicher). Zusätzlich provoziert das Spiel hinten herum auch ab und an den Gegner, der sich dann zu weit aus der eigenen Hälfte locken lässt. Dadurch bieten sich hinter der ersten Reihe enorme Räume, die dann genutzt werden können. Das wurde gestern auch versucht, aber der FCK hielt sich meist absolut diszipliniert an die eigenen Vorgaben. Von dieser Seite bestand eigentlich kein Interesse an Fußball. Das machte es natürlich schwierig für uns; motzen tun dann im Stadion meist immer die, die sich im Fernsehen gerne die Champions League und die Sportschau ansehen. Klar, in diesen Ligen wird mehr Fußball gespielt und es gibt dort einige Teams, die so ein tiefes 4-3-3, wie das des FCK, einfach auseinanderspielen können. Solche Teams gibt es aber nicht in unserer Liga. Die zweite Liga ist eine Umschalt-Liga, noch mehr als die erste Liga. Das führt dazu, dass viele der Teams, die über viel Ballbesitz zum Erfolg kommen wollten, meist krachend gescheitert sind (z.B. 1860 und KSC in der letzten Saison).
Die einzig nennenswerte Chance in der ersten Halbzeit entstand dann durch einen der wenigen gelungenen Pässe des FCSP ins gegnerische Zentrum. Diese wurde durch das kurzfristige Erschaffen einer massiven Überzahl im Zentrum entwickelt indem Sobota und Sahin einrückten. Zeitgleich war der FCK eines der wenigen Male mit einem 5-4-1 aufgestellt, welches sogleich ausgenutzt wurde.


(gestrichelt: Ballwege; durchgezogen: wichtige Laufwege) Sobota und Sahin verdichten das Zentrum und erschaffen so eine Überzahl. Moritz und Fechner können jedoch nicht wirklich rausrücken, da Buchtmann, Allagui und Dudziak in deren Deckungsschatten stehen und sonst als Anspielstationen „zwischen den Ketten“ dienen können.

Halbzeit 2 – Flum als Spitze belebt Allagui

Als Reaktion auf das tiefe 4-3-3 des FCK wurde der Druck auf die 4er-Kette erhöht, indem Sobota, Sahin und vor allem Flum nun wesentlich konsequenter auf die Höhe von Allagui rückten. Dieser konnte sich dadurch etwas freier bewegen, wich vor allem auf die Außen, aber auch in den Rückraum aus. Als Reaktion auf den gestiegenen Druck, bildete sich nun partiell auch die anfangs erwartete 5er-Kette beim FCK und bot mehr Räume zum Spielaufbau. Das führte zu einem optischen Übergewicht und letztlich auch zum verdienten 1-0. Danach war aus meiner Sicht eigentlich alles in geordneten Bahnen. Durch unsere Führung war der FCK gezwungen seine äußerst defensive Grundordnung zu lockern, während wir uns weit zurückziehen konnten. Das ist genau die Spielsituation, die uns liegt und die uns auswärts momentan so dermaßen erfolgreich spielen lässt. Für mich war es eine Frage der Zeit bis wir das zweite und entscheidende Tor erzielen würden. Nach der Führung boten sich zum ersten Mal im gesamten Spiel vielversprechende Umschalt-Situationen. Bei der besten hatten wohl nahezu alle bereits den Torschrei auf den Lippen als Möller Daehli am überragend reagierenden Müller scheiterte. Nun, es kam anders. Viele empfanden es als falsch, sich nach dem Führungstor so weit zurückfallen zu lassen. Man muss jedoch feststellen, dass der FCK spielerisch zu keiner Zeit ansatzweise Gefahr versprühte. Und Gegentore nach Ecken sind zwar immer möglich, selbst für die größten Blinsen, aber eigentlich auch relativ unwahrscheinlich (siehe MillernTon043).


Immer wieder beeindruckend: Die 6er-Kette, die der FCSP als letzte Option im tiefen Pressing zieht.

Nach dem Ausgleich ist dann von Taktik eher weniger zu sehen, welches natürlich auch mit den nachlassenden Kräften zusammenhängt. Häufig holten sich Möller Daehli und Sahin die Bälle nun wesentlich früher ab und strahlten von dort in die Mitte aus, während die Außenverteidiger in offensiverer Position die Gegenspieler fixierten. Eigentlich eine gute Option, aber leider nicht mehr von Erfolg gekrönt.
Fazit: Sämtliche Teams der zweiten Liga agieren mehr oder weniger auf einer Höhe. Spielen beide Teams so vorsichtig wie der FCSP und vor allem so diszipliniert wie der FCK in der ersten Halbzeit, dann ist Fußball ein destruktiver Albtraum. Ich hoffe auf bessere Zeiten…

Nice Guys Sankt Pauli //timbo

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